Proteste nach der "Schreckenswoche" bei Nokia Siemens Networks

Gewerkschaft und Betriebsrat fordern die Entlassung des NSN-Managements wegen Unfähigkeit. Unterdessen protestieren auch Mitarbeiter in Berlin gegen die angekündigten Schließungen und Entlassungen.

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Von
  • Volker Briegleb

Die IG Metall und der Betriebsrat des Netzausrüsters Nokia Siemens Networks (NSN) kämpfen gegen die angekündigten Standortschließungen und Verkäufe. "Die IG Metall wird alles daran setzen, dass NSN die Planung der Schreckenswoche so nicht umsetzt. Der Widerstand wird spürbar sein", kündigte der Unternehmensbeauftragte der Gewerkschaft, Michael Leppek, am Montag in München an. Gesamtbetriebsratschef Clemens Suerbaum warf dem NSN-Management Wort- und Vertrauensbruch vor.

Der angeschlagene finnisch-deutsche Konzern hat angekündigt, die Nürnberger Tochter NSN-Services mit 1000 Mitarbeitern in einem Jahr zu schließen. Auch der NSN-Fertigungs- und Entwicklungsstandort in Bruchsal bei Karlsruhe mit 650 Mitarbeitern soll 2014 abgewickelt werden. Die Kundendienst- und die Glasfasersparten mit zusammen 3100 Mitarbeitern sollen verkauft werden.

Nach Angaben der IG Metall demonstrierten auch NSN-Mitarbeiter in Berlin am Montag gegen die angekündigten Maßnahmen. Dort steht der kleine Standort in Berlin-Treptow zur Debatte, die rund 40 betroffenen Mitarbeiter sollen im kommenden Jahr wohl in die Niederlassung am Siemensdamm umziehen. Die Verhandlungen darüber laufen noch. Doch auch der Standort Siemensdamm ist einem Bericht der Wirtschaftswoche zufolge womöglich von der Schließung bedroht.

Bei NSN am Siemensdamm im Berliner Bezirk Charlottenburg arbeiten nach Gewerkschaftsangaben derzeit rund 1000 Mitarbeiter. Jeweils 400 gehören zu den zum Verkauf vorgesehenen Sparten optische Netzwerke und Business Support Systems. Die 200 verbleibenden Stellen seien überwiegend in der Verwaltung angesiedelt und könnten leicht verlagert werden, heißt es bei der Gewerkschaft. Die fordert "nachvollziehbare Zukunftskonzepte für alle drei Bereiche in Berlin".

Die IG Metall spielt dabei auch die Karte der angeblichen Sicherheitsbedenken gegen die chinesische Konkurrenz aus: "Bereits heute ist die Telekom in hohem Maße von dem chinesischen Staatskonzern Huawei abhängig", meint der Berliner IG-Metall-Chef Klaus Abel. "Man könnte es zugespitzt auch so formulieren: Die Zerschlagung des NSN-Standortes in Berlin ebnet den Weg, dass künftig chinesische Armeegeneräle mit Hilfe des Staatskonzerns Huawei nach Belieben die Telekommunikationswege in Deutschland kontrollieren könnten."

Gewerkschaft und Betriebsrat forderten Nokia und Siemens unterdessen auf, das NSN-Management wegen Unfähigkeit abzulösen. Die Schließungs- und Abwicklungspläne müssten zurückgenommen, neue Produkte aufgesetzt und neue Märkte erschlossen werden. NSN schreibt seit der Gründung 2007 nur Verluste und fährt jetzt einen harten Sanierungskurs mit dem Abbau von weltweit 17.000 Stellen und der Konzentration auf breitbandige Mobilfunknetze. (Mit Material der dpa) / (vbr)