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Protoplanetare Scheiben im Detail: Planeten entstehen schneller als gedacht

Detailaufnahmen sogenannter protoplanetarer Scheiben enthüllen bislang unbekannte Einzelheiten: Die Planetenentstehung könnte schneller ablaufen als gedacht.

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Protoplanetare Scheiben im Detail: Planeten entstehen schneller als gedacht

Protoplanetare Scheiben im Detail

(Bild: ALMA (ESO/NAOJ/NRAO), S. Andrews et al.; NRAO/AUI/NSF, S. Dagnello)

Planeten können offenbar deutlich schneller entstehen, als Wissenschaftler bislang angenommen haben. Das schlussfolgern Astronomen aus einer Beobachtungsserie auf Basis des Riesenteleskops ALMA (Atacama Large Millimeter/Submillimeter Array) der Europäischen Südsternwarte (ESO). Mit bislang unerreichter Präzision konnten die Forscher dabei die protoplanetare Scheibe um 20 verschiedene Sterne untersuchen. Dabei fanden sie bislang unbekannte Strukturen und Staubscheiben, die auf Exoplaneten hindeuten.

Hinweise auf Exoplaneten bei ganz jungen Sternen

Wie die Universität Heidelberg erläutert, besagen bisherige Modelle, dass Planeten über Jahrmillionen langsam aus den Staubscheiben um Sterne entstehen. Staub und Gas wird demnach langsam verdichtet und bildet immer größere Körper, aus denen schließlich Planeten entstehen. Ein problematischer Aspekt dieser Theorien war aber, dass die Teile etwa ab der Größe einer Murmel in den Stern stürzen sollten. Nun legten die Aufnahmen aber den Schluss nahe, dass Planeten deutlich schneller entstehen könnten und sich dabei Staubringe bilden, in denen die kleinen Teilchen vor dem Sturz in den Stern bewahrt würden.

20 protoplanetare Scheiben und ihre Ringe

(Bild: ALMA (ESO/NAOJ/NRAO), S. Andrews et al.; NRAO/AUI/NSF, S. Dagnello)

Einige der nun beobachteten Sterne seien gerade einmal eine Million Jahre alt und sind trotzdem von klar definierten Ringen umgeben. Die seien in ganz unterschiedlichen Entfernungen um ihren Stern sichtbar – von einigen wenigen Astronomischen Einheiten (AE) bis zu mehr als 100 AE. Diese Ringe könnten nun erklären, wie sich Gesteinsplaneten bilden können, die wir aus unserem Sonnensystem kennen, schreiben die Forscher. Sie bilden quasi einen geschützten Raum, in denen sich die Teilchen verdichten können, ohne dass sie dabei in den Stern gezogen werden.

Ganz nebenbei haben die Forscher einmal mehr den rasanten Fortschritt der Astronomie unter Beweis gestellt. Als Wissenschaftler Anfang 2016 das bis dato detaillierteste Bild einer protoplanetaren Scheibe veröffentlichten, meinten sie, das dürfte auf Jahre hinaus das detailreichste bleiben. Nun folgen dem gleich fast zwei Dutzend Bilder, die dem ersten in nichts nachstehen. (mho)

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