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Prozess gegen Wikileaks-Whistleblower Manning: vor der Urteilsverkündung

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Am Dienstagabend wird die US-Militärrichterin Colonel Denise Lind im Prozess gegen den Gefreiten Bradley Manning das Urteil verkünden. Lind dürfte dabei auf alle 21 Punkte der Anklage eingehen und die Schuld oder Nichtschuld des jungen Soldaten verkünden. Am Schwersten wiegt die Anklage im Punkt "dem Feind geholfen zu haben" (Aiding the enemy). Hier wäre eine Todesstrafe möglich. Die Staatsanwaltschaft hat indes bekannt gegeben, dass sie diese Strafe nicht fordern wird. Das genaue Strafmaß wird erst in drei Wochen verkündet.

In einem furiosen Plädoyer hatte die Anklage den damals 22-jährigen Soldaten als Anarchisten dargestellt, der die USA schädigen und dem Feind helfen wolle. Die Verteidigung hatte Manning als jungen, vielleicht etwas naiven Soldaten geschildert, der über das Ausmaß der Brutalität im Irak-Krieg zutiefst verstört gewesen sei. Dazu wurden noch einmal Ausschnitte aus den Militärvideos gespielt, die Wikileaks später unter dem Titel "Collateral Murder" veröffentlichte.

Manning selbst hat bereits in einer denkwürdigen Rede gestanden, Dokumente und das Video an Wikileaks weitergegeben zu haben. Er habe damit keine böse Absicht verfolgt, sondern habe die Öffentlichkeit über den Irak-Krieg und die Kriegsgräuel im Irak wie in Afghanistan informieren wollen. Nur so hätten die USA die Chance, offen Rechenschaft darüber abzulegen, welchen Krieg man führen wolle.

Das Urteil gegen Bradley Manning dürfte einen Präzedenzfall dafür abgeben, wie die USA künftig gegen Whistleblower vorgehen wird. Wikileaks-Chef Julian Assange etwa könnte von dem Urteil des Militärgerichtes betroffen sein, während dem Whistleblower Edward Snowden ein ziviles Strafverfahren droht. Assange hat angekündigt, im Rahmen einer Videoschaltung auf der am morgigen Mittwoch beginnenden Hackerkonferenz OHM über Manning zu sprechen. Auf der Konferenz beschäftigen sich gleich mehrere Vorträge mit dem Problem, wie Whistleblower ohne Gefahr für Leib und Leben ihre Dokumente beziehungsweise Beweise der Öffentlichkeit präsentieren können. (mho)