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Prozess um Darkweb-Forum DiDW: Sechs Jahre Haft für Administrator

Waffenhandel in Kauf genommen

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"Wir sind sicher, dass er in Kauf genommen hat, dass auf der Plattform reale Waffen gehandelt worden sind", sagte der Richter. "Jede andere Deutung wäre weltfremd und würde der Intelligenz des Angeklagten Hohn sprechen". Damit trage er eine Mitverantwortung für die Taten des Münchner Terroristen. Es spiele dabei keine Rolle, dass er nichts über den konkreten Waffendeal wusste und auch keine Ahnung hatte, was der Münchner Attentäter konkret vorhatte.

Damit sei sein Fall vergleichbar mit dem Anschlag in Winnenden, genauer: Mit dem Fall des Vaters des dortigen Täters. In Winnenden hatte ein 15-Jähriger in einer Schule 15 Menschen erschossen und sich danach selber das Leben genommen. Die Waffe hatte er aus dem Waffenschrank seines Vaters. Der Vater war ebenfalls wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden.

Alexander U. habe es in der Hand gehabt, dass der Schütze seine Waffe kaufen konnte, sagte der Richter. Hätte er aufgepasst und die Waffendeals verhindert, dann hätte er auch den Münchner Anschlag verhindern können. Für die rechtliche Würdigung spiele es keine Rolle, dass der Münchner Täter sich dann vielleicht anderswo nach einer Waffe umgeschaut hätte. Alexander U. habe mit seiner Plattform genau die Leute angezogen, die gerne Waffen hätten, legal aber nie und nimmer eine kaufen könnten, nämlich "Amoktäter, Psychopathen und Terroristen". Nur solche Leute seien nämlich bereit, "überteuerte Waffen ohne Gewährleistung aus dubiosen Zirkeln" zu erwerben.

Gleichwohl blieb das Gericht bei der Festlegung der Strafe hinter allen Forderungen der Staatsanwaltschaft zurück. Als Einzelstrafe für die fahrlässige Tötung in neun und Körperverletzung in fünf Fällen legte das Gericht 4 Jahre an, zehn Monate weniger als die Anklagebehörde. Als Grund dafür nannte der Vorsitzende die Strafe für den unmittelbaren Waffenlieferanten, an den sich der Münchener Täter auf DiDW gewandt hatte. Der war Anfang dieses Jahres in München zu insgesamt sieben Jahren verurteilt worden, wobei das Gericht dessen Verantwortung für die Schüsse am Olympia Einkaufszentrum auf vier Jahre und acht Monate festlegte. "Wir meinen, dass die Schuld des direkten Verkäufers höher zu bewerten ist", sagte Radke.

Deutlich weniger als gefordert verhängte das Gericht wegen der angeklagten Beihilfe zu Dutzenden Drogendeals – weil es nämlich keine Beihilfe zum Handel gegeben habe. Auf DiDW sei nur für Drogengeschäfte geworben worden. Auch das sei strafbar, aber geringer. An dieser Stelle folgte das Gericht der Verteidigung, die in ihrem Plädoyer genau so argumentiert hatte.

An den Angeklagten gewandt sagte der Richter, es sei "nicht ohne Tragik", dass dieser Prozess überhaupt stattfinden müsse – und war deshalb, weil der Angeklagte jemand sei, "der einiges kann". Er gehöre beruflich zu den Leuten, "die händeringend gesucht werden". Er habe "viel Sinnvolles tun können", und vielleicht könne er da in der Zukunft ja auch noch nachholen. "Dass Sie so abgekommen sind, ist bedauerlich. Das ist etwas, das Sie mit sich selbst ausmachen müssen." (mho)