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Publikationspflicht für Professoren im Netz gefordert

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Professoren könnten sich bald gesetzlich gezwungen sehen, der Allgemeinheit ihre staatlich geförderten Forschungsergebnisse über das Internet gratis zur Verfügung zu stellen. Das ist zumindest erklärtes Ziel der Grünen, denen seit langem daran gelegen ist, möglichst viel Informationen frei zugänglich zu machen. "Es gibt eine Pflicht für Leute, die Wissen öffentlich produzieren, ihre Ergebnisse auch öffentlich zur Verfügung zu stellen", sagte Götz von Stumpfeldt, wirtschaftspolitischer Referent der Bündnisgrünen im Bundestag, während der Tagung zur "Zukunft der globalen Güter in der Wissensgesellschaft" der parteinahen Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin. Folgerichtig wäre eine Regelung, die eine Publikation in der öffentlichen Domäne vorsieht.

"38 Prozent der Forschungsausgaben in der Bundesrepublik sind öffentlich finanziert", erläuterte der Grünen-Mitarbeiter. Die Ergebnisse würden allerdings häufig nur in teuren Fachzeitschriften kommerzieller Verlage landen, die in den letzten Jahren große Preissprünge vollzogen hätten. Bibliotheken seien gezwungen, das mit öffentlichen Geldern produzierte Wissen dann wiederum mit Steuergeldern quasi zurückzukaufen. Die Einrichtungen würden aber selbst unter knappen Kassen leiden und könnten sich die kostspieligen Zeitschriftenabonnements immer seltener leisten. "Ein Professor muss seine Forschungsergebnisse kostenlos auf seine Website stellen", ist für von Stumpfeldt daher klar. Sie sollten Teil der "Global Commons", der weltweiten Wissensallmende, werden.

Über die Preis- und Produktionspolitik von Wissenschaftsverlagen empörte Wissenschaftler arbeiten seit einiger Zeit selbst vehement am Aufbau vernetzter Wissensarchive im Netz. Keimzellen der Bewegung sind Netzwerke wie die Open Archives Initiative (OAI), die Budapest Open Access Initiative (BOAI) oder die Scholarly Publishing in Academic and Research Coalition (SPARC). Ein Befürworter solch freier Wissenserver ist der Konstanzer Informationswissenschaftler Rainer Kuhlen. Dem grünen Vorstoß steht das Mitglieder der deutschen UNESCO-Kommission jedoch skeptisch gegenüber: "Ich plädiere für Autonomie", entgegnete er von Stumpfeldt. Eine gesetzliche Regelung sei ein unangemessener Weg, um die Hochschullehrer zur E-Publikation zu bekehren.

Als zentrale Ziele einer "nachhaltigen Wissensökologiepolitik" nannten die Teilnehmer der Tagung unter anderem die Stärkung des gemeinsamen öffentlichen Gutes "Wissen" durch Projekte wie das "Naturschutzgebiet für kreative Werke", das der Stanforder Rechtsprofessor Lawrence Lessig mit seiner Firma Creative Commons aufbaut. Bleibt nur die Frage, wie sich derart hehre politische Umweltbestimmungen in einer genau in die andere Richtung weisenden Großwetterlage durchsetzen lassen.

Mit dem Thema "Fachpublikationen im Internet" beschäftigt sich auch ein Schwerpunkt in Ausgabe 18/2002 von c't:

Die politischen Aktivitäten und die Lobby-Arbeit der Rechteverwerter zur Sicherung von Eigentumsrechten an der "Ware Information" wird c't in der kommenden Ausgabe 24/2002 (ab 18. November im Handel) mit einer ausführlichen Analyse beleuchten. (Stefan Krempl) / (jk)