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Qimonda: Ohne staatliche Hilfe droht Zerschlagung

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Dem insolventen Speicherchiphersteller Qimonda steht das Wasser bis zum Hals. Offenbar ist das Unternehmen nur noch mit einer staatlichen Beteiligung zu retten. Die Suche nach einem Investor für das Unternehmen blieb bislang erfolglos. "Es haben verschiedene Investoren Interesse bekundet. Verbindliche Angebote liegen jedoch noch nicht vor. Es steht erwartungsgemäß fest, dass es bis Ende März keine abschließende Lösung geben kann", teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé am Freitag nach einer Sitzung des Gläubigerausschusses in München mit. Nun wird die Produktion am Standort Dresden bis Ende März heruntergefahren. Qimonda hatte im Januar nach monatelangem Kampf wegen fallender Speicherchip-Preise Insolvenz anmelden müssen.

Das endgültige Aus scheint nur noch per staatlicher Beteiligung abwendbar. In einem am Freitag bekannt gewordenen Brief an Sachsens Regierung hatte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé bereits am 9. März auf diesen Umstand aufmerksam gemacht. Die Beteiligung des Bundes und/oder der Länder Sachsen beziehungsweise Bayern auch mit Eigenkapital sei die "einzig verbleibende Möglichkeit, um eine Zerschlagung und Einzelverwertung der Vermögenswerte (vermutlich) nach Asien zu verhindern", heißt es in dem Schreiben. Bisher hat Sachsen eine Beteiligung kategorisch abgelehnt. Am Freitagabend äußerte sich Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) gegenüber dem Hitradio RTL erstmals empfänglich für eine solche Lösung.

In seinem Brief schilderte Jaffé die Option einer Zusammenarbeit mit dem chinesischen Konzern Inspur (Shandong). Damit bestehe die "einmalige Gelegenheit einer exklusiven Zusammenarbeit mit einem chinesischen Staatsunternehmen, welches das klare staatspolitische Interesse hat, von Korea, Taiwan oder den USA unabhängig zu sein". Die Gefahr, dass Technologie nach China abwandere, hält Jaffé für gering. Auch die Chinesen würden nur eine Minderheitsbeteiligung anstreben.

Jaffé schwebt eine staatliche Beteiligung als Übergangslösung vor. Die Rede ist von einem sächsischen Anteil in Höhe von 23 Prozent. Dem Vernehmen nach entspräche das etwa 200 Millionen Euro. Vor der Insolvenz hatte Sachsen Qimonda ein Darlehen von 150 Millionen Euro angeboten. Es gehörte zu einem Rettungspaket, für das auch Portugal (100 Millionen Euro) und die Qimonda-Mutter Infineon (75 Millionen Euro) einstanden. In der Nähe von Porto werden die Dresdner Chips vollendet, dort sind 1000 Jobs betroffen. Laut Jaffé ist Portugal bereit, sich mit 14 Prozent am Kapital von Qimonda zu beteiligen.

Die EU signalisierte am Freitag eine schnelle Entscheidung in dieser Frage. Brüssel werde einen Antrag zur Genehmigung von Beihilfen sehr kurzfristig prüfen, sagte Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) laut einer Mitteilung nach einem Treffen mit dem Präsidenten der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, in Brüssel. Der DGB in Sachsen forderte eine konzertierte Aktion von EU, Bund und Freistaat. Der Bund habe die Bedeutung der Chipindustrie für die Wirtschaft in Deutschland und Europa "immer noch nicht" erkannt.

In Dresden sind rund 3000 Mitarbeiter betroffen. Zunächst soll es nur für eine Kernmannschaft weitergehen. Für die übrigen Mitarbeiter an den deutschen Standorten ist eine Transfergesellschaft geplant, in der sie zumindest vorübergehend einen Teil ihres Lohns weitergezahlt bekommen. Die Finanzierung dieser Gesellschaft ist aber noch nicht geklärt, hieß es. Die Dresdner Kernmannschaft soll sich um die neue Buried-Wordline-Technologie kümmern und die Produktion wieder hochfahren, falls sich ein Investor findet.

Die Qimonda-Mitarbeiter haben nur noch bis Ende März Anspruch auf Insolvenzgeld. Nach der voraussichtlichen Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 1. April müsste Qimonda die Löhne und Gehälter dann wieder selbst tragen. "Eine Produktion unter Vollkosten im bisherigen Maßstab ist jedoch aufgrund des andauernden Preisverfalls in der Chip-Branche und der damit verbundenen enormen Verluste völlig ausgeschlossen", teilte das Unternehmen mit. Für Dresden gelte nun ein "Standby-Modus". So könne die Produktion jederzeit wieder aufgenommen werden, falls sich ein Investor findet.

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(dpa) / (ad)