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Qimonda verdient mit Speicherchips und baut neue Fab

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Der deutsche Speicherchiphersteller Qimonda – die ehemalige DRAM-Sparte von Infineon – hat auch im zweiten Quartal ihres Finanzjahres 2007 ein positives Ergebnis erzielt. Laut Qimonda-CEO Kin Wah Loh war es vor allem die 30-prozentige Steigerung der ausgelieferten Speicherbits, die trotz rapide fallender Speicherchippreise ein Umsatzwachstum von 6 Prozent auf 984 Millionen Euro sowie einen Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) von 85 Millionen Euro brachte. Der Nettogewinn beträgt 57 Millionen Euro. Im Vergleich zum gleichen Vorjahresquartal – damals existierte Qimonda noch nicht selbstständig – wuchs der Bruttoertrag um satte 305 Prozent, die Bruttomarge kletterte von 2 auf 9 Prozent.

Das deutliche Wachstum der ausgelieferten Bits führt Qimonda auf Produktivitätssteigerungen zurück, die vor allem mit den raschen Strukturverkleinerungen zusammenhängen. Mittlerweile hat Qimonda nach eigenen Angaben mehr als 60 Prozent der Fertigungskapazität auf Strukturbreiten von 90 Nanometer und darunter umgestellt; erste Produktionsanlagen wurden bereits auf 80 nm umgestellt (beim Joint Venture Inotera und in Dresden, dort gibt es auch bereits eine 75-nm-Anlage). Den Umsatzrückgang führt Kin Wah Loh außer auf den Preisverfall auch auf den schwachen US-Dollar zurück; 42 Prozent des Umsatzes erzielt Qimonda in Nordamerika, 31 Prozent im asiatisch-pazifischen Raum (APAC), 9 Prozent in Japan und 19 Prozent in Europa.

Qimonda erwartet, dass die weltweit ausgelieferte DRAM-Speicherkapazität im Kalenderjahr 2007 um 60 bis 70 Prozent wachsen wird. Diese Wachstumsschätzung geht von einer Steigerung der Zahl der verkauften Computer um rund 10 Prozent aus sowie von einem Wachstum der durchschnittlichen Speicherausstattung pro PC um 50 bis 60 Prozent auf durchschnittliche 1,3 GByte im vierten Kalenderquartal 2007. Das Bit-Wachstum soll dabei einereits von weiter fallenden Preisen angetrieben werden, andererseits von Windows Vista. Qimonda erwartet, dass im zweiten Halbjahr mehr 2-GByte-DIMMs verkauft werden.

Um vom Marktwachstum weiter profitieren zu könnnen, will Qimonda die Produktionskapazität deutlich ausweiten und gleichzeitig die Produktivität steigern, vor allem durch rasche Strukturverkleinerungen. Ende des Jahres will Qimonda mit dem Bau seiner dritten eigenen Chip-Fabrik (Fab) beginnen, die am Standort Singapur ab dem Jahr 2009 die Produktion aufnehmen soll. Geplant ist eine Kapazität von 60.000 Waferstarts pro Monat bei Vollausbau, das Investitionsvolumen von rund 2 Milliarden Euro soll im Verlauf von fünf Jahren ausgegeben werden.

Qimonda hat bisher eigene Chip-Fabs in Dresden und Richmond/Virginia, betreibt das Joint Venture Inotera in Taiwan zusammen mit Nanya und nutzt Produktionskapazitäten der Auftragsfertiger (Foundries) Winbond (Taiwan) und SMIC (China). Diese so genannte Frontend-Fertigung liefert die nackten Silizium-Wafer, die die Backend-Werke in Mallacca (Malaysia), Porto (Portugal), Suhzou (China) und Dresden zu fertigen Speicherchips und kompletten Modulen verarbeiten. Im März hatte Qimonda angekündigt, die Backend-Kapazität an bestehenden asiatischen Standorten zu steigern und in Johor (im Malaysia) ein neues Werk zu errichten.

Um unabhängiger zu werden vom stark schwankenden Markt der Standard-SDRAMs für PCs und Server, den so genannten Commodity-Produkten, arbeitet Qimonda mit Hochdruck an "Specialty"-Speicherchips, also maßgeschneiderten Bauelementen für bestimmte Anwendungsgebiete. Solche Bauelemente lassen sich nicht so leicht gegen Produkte anderer Hersteller auswechseln, hier sind die Preise stabiler. Qimonda will den Anteil der "Nicht-PC"-Speicherchips in diesem Geschäftsjahr möglichst auf mehr als 50 Prozent steigern.

Zu den Specialty-Produkten gehören etwa SDRAM-Chips für Mobilgeräte oder Kombi-Chips aus SDRAM und Flash-Speicher, die Qimonda als CellularRAM gemeinsam mit der Ex-AMD-Sparte Spansion entwickelt. Außerdem hat Kin Wah Loh eine neue Kooperation mit dem NAND-Flash-Spezialisten SanDisk angekündigt: Ein Joint Venture in Portugal soll Multichip-Packages (MCP) aus NAND-Flash und Mobile DRAM produzieren; auf diesem Gebiet ist beispielsweise der DRAM- und NAND-Flash-Marktführer Samsung sehr aktiv.

Ein weiteres Spezialgebiet sind schnelle SDRAMs für Grafikkarten; Qimonda fertigt GDDR-, GDDR2- und GDDR3-SDRAM, überspringt allerdings GDDR4-SDRAM und setzt gleich auf GDDR5 – zum Jahresende sollen erste Muster lieferbar sein. Gemeinsam mit Advantest entwickelt Qimonda bereits Testautomaten für die Serienproduktion kommender GDDR5-Chips. Schließlich will Qimonda auch wieder Rambus-Speicherchips herstellen, und zwar XDR-DRAM, das zusammen mit Cell-Prozessoren zum Einsatz kommt.

Die bereits von Infineon eingeleitete Kooperation mit dem israelischen (NROM-)Flash-Spezialisten Saifun hat Qimonda allerdings beendet, was diesem einen herben Rückgang seiner Lizenzeinnahmen bescherte. Qimonda-Partner Spansion gehört allerdings weiterhin zu den Saifun-Lizenznehmern.

Umsatz- und Gewinnentwicklung bei Qimonda in Euro
Das Geschäftsjahr beginnt jeweils im Oktober

Quartal Umsatz Nettogewinn/
[red]-verlust
2/06 0,928 Mrd. [red]-9 Mio.
(21 Mio. EBIT)
3/06 0,977 Mrd. 54 Mio.
(100 Mio. EBIT)
4/06 1,23 Mrd. 156 Mio.
(215 Mio. EBIT)
1/07 1,17 Mrd. 177 Mio.
(250 Mio. EBIT)
2/07 0,984 Mrd. 57 Mio.
(85 Mio. EBIT)

(ciw)