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Qualcomm: 64-Bit-Prozessor für Highend-Smartphones

Getrieben von Apples iPhone5S und dessen A7 schickt Qualcomm sechs respektive acht 64-bittige ARM-Kerne mit dem Snapdragon 808 und 810 ins Rennen und verabschiedet sich damit (vorerst) von der eigenen und derzeit sehr erfolgreichen Krait-Architektur.

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Wie schon bei den kleineren Baureihen steigt Qualcomm nun auch bei der 800er-Snapdragon-Familie auf Standard-ARM-Kerne um.

Mit den Systems-on-Chip Snapdragon 808 und 810 hat Qualcomm nun auch 64-Bit-Prozessoren für Highend-Smartphones- und Tablets im Angebot. Bemerkenswert daran ist, dass darin ARM-Kerne von der Stange und nicht etwa eine 64-Bit-Version der hauseigenen aber nur 32-bittigen Krait-Kerne zum Einsatz kommen.

Bei den günstigeren Baureihen hatte Qualcomm bereits vor einigen Monaten mit dem Snapdragon 410 und dem Achtkerner Snapdragon 615 Krait den Rücken gekehrt – vermutlich um keinen Boden zu Konkurrenten wie Samsung (Exynos 5 Octa) zu verlieren, die nach Apples 64-Bit-Coup iPhone 5S zahlreiche ARMv8-Chips vorgestellt hatten. Auf dem MWC versicherten Qualcomm-Sprecher gegenüber heise online allerdings, dass man sich nicht vom Konzept selbst entwickelter ARM-Kerne verabschiedet habe. Allerdings gaben sie auch zu, von Apples Tempo überrascht worden zu sein.

Erste Geräte mit Snapdragon 808 und 810 könnte es auf dem MWC 2015 zu sehen geben.

Mit je vier Cortex-A57 und -A53-Kernen, einem integrierten LTE-Modem beerbt der Snapdragon 810 die Interims-Flaggschiffe Snapdragon 801 und Snapdragon 805, die noch je vier Krait-Kerne haben. Wie sich der Umstieg auf ARMv8 in puncto Rechenleistung und Stromverbrauch auswirkt, verrät Qualcomm noch nicht, das Unternehmen hat aber schon ein paar Zahlen zur neuen Grafikeinheit Adreno 430 parat: Die soll 30 Prozent mehr 3D-Performance liefern als die Adreno 420 des Snapdragon 805. Wie dieser soll auch der neue 4K-Videos abspielen und aufnehmen können. Letzteres immerhin mit 30 fps, Full-HD-Material erfasst er sogar mit bis zu 60 fps. Die Bildprozessoren schaufeln 1,2 Gigapixel pro Sekunde und können Daten von 55-Megapixel-Sensoren (14 Bit) verarbeiten. Auch beim Speicher-Interface hat Qualcomm nachgelegt: Der Snapdragon 810 unterstützt LPDDR4.

Der kleine Bruder Snapdragon 808 muss sich unterdessen mit LPDDR3 begnügen. Außerdem hat er nur zwei Cortex-A57-, wohl aber vier Cortex-A53-Kerne. Die Grafikeinheit Adreno 418 vergleicht Qualcomm lieber mit der Adreno 330 des Snapdragon 801 (30 Prozent schneller) als mit der des großen Bruders. Auch beim Bildprozessor muss man kleine Abstriche machen, so unterstützt er nur 12 Bit Farbtiefe.

Beide SoCs entstehen in einem 20-nm-Prozess und haben ein integriertes LTE-Modem. Zusammen mit dem Front End RF360 von Qualcomm sollen sie per Carrier Aggregation Datenraten von bis zu 300 MBit/s erreichen können (LTE Kategorie 6). Erste Muster sollen im dritten Quartal 2014 erscheinen. In Seriengeräten könnten Snapdragon 810 und 808 dann im ersten Halbjahr 2015 debütieren – sprich auf dem kommenden MWC vorgestellt werden. (bbe)