Qualcomm Snapdragon 7c und 8c: Neue Prozessor-Konkurrenz für AMD und Intel

Mit dem Snapdragon 7c und 8c bringt Qualcomm neue Konkurrenz für AMD und Intel auf den Markt. Der Erfolg hängt jedoch auch von einem noch fehlenden Emulator ab.

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(Bild: heise online / Patrick Bellmer)

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Qualcomm erweitert mit dem Snapdragon 7c und Snapdragon 8c sein Angebot an Notebook-Prozessoren. Beide Modelle sind leistungsmäßig unterhalb des Ende 2018 vorgestellten Snapdragon 8cx angesiedelt, der Qualcomm bei seiner Vorstellung mit einem 15-Watt-Intel-Core-i5 der achten Generation verglich. Beide neuen Prozessoren basieren auf Komponenten aus dem Smartphone-Bereich. Sie sollen den Einstiegspreis für Windows-on-ARM-PCs senken – möglicherweise auf 500 US-Dollar. Das könnte den Druck auf AMD und Intel erhöhen, sofern die Notebook-Hersteller mitspielen.

Das neue Einstiegsmodell ist der Snapdragon 7c. Vorgesehen ist er für günstige Windows-on-ARM-Notebooks – das SoC soll als erste Snapdragon aber auch als Basis für Chromebooks dienen. Der Snapdragon 8c soll hingegen in teureren Notebooks zum Einsatz kommen, den Snapdragon 850 ablösen und eine Alternative zu günstigen AMD-Ryzen- sowie Intel-Core-Prozessoren darstellen.

Qualcomm setzt im Snapdragon 7c auf acht neue CPU-Kerne vom Typ Kryo 468, die in der Spitze bis zu 2,4 GHz erreichen können. Ebenfalls neu sind der DSP Hexagon 692 sowie der ISP Spectra 255. Die Grafikeinheit Adreno 618 ist hingegen bekannt: Sie steckt in den Smartphone-SoCs Snapdragon 730 und 730G. Gleiches gilt für das in den Snapdragon 7c integrierte 4G-Modem X15. Und wie auch der Snapdragon 730 wird der Snapdragon 7c in Samsungs 8LPP-Prozess gefertigt.

Der Snapdragon 7c ist unter anderem für den Einsatz in Chromebooks vorgesehen.

(Bild: Qualcomm)

Das WLAN-Modul ist "Wi-Fi 6 Ready" und unterstützt 2x2-MIMO-Konfigurationen, Bluetooth wird in Version 5.1 unterstützt. Für Arbeitsspeicher stehen zwei 16-Bit-Kanäle bereit, die LPDDR4-Speicher ansteuern. Massenspeicher werden per eMMC 5.1 oder UFS 3.0 angebunden.

Zur Leistung macht der Hersteller nur wenige Angaben: Die KI-Performance beziffert Qualcomm auf mehr als 5 TOPS, die gesamte Systemleistung soll 20 Prozent über der eines nicht näher genannten Konkurrenten liegen. Eine widersprüchliche Aussage gibt es zur Grafikleistung. Die soll laut Qualcomm für die Wiedergabe von 4K-HDR-Videos ausreichend sein – ein entsprechend hochaufgelöstes Display unterstützt der Snapdragon 7c aber gar nicht. Interne Displays steuert das SoC mit bis zu 2048 x 1536 Pixeln an, externe mit bis zu 2560 x 1440 Pixeln.

Gegenüber dem im Sommer 2018 vorgestellten Snapdragon 850 soll die Leistung des in 7 nm gefertigten Snapdragon 8c rund 30 Prozent höher ausfallen, die KI-Leistung wird mit rund 6 TOPS angegeben. Den Zugang zu Mobilfunknetzen ermöglicht das LTE-Modem X24, das Download-Geschwindigkeiten von bis zu 2 GBit/s ermöglicht. Neben acht CPU-Kernen vom Typ Kryo 485 (maximal 2,45 GHz) bietet das SoC eine Grafikeinheit vom Typ Adreno 675. Sowohl CPU als auch GPU kommen erstmals zum Einsatz. Gleiches gilt für den ISP Spectra 390.

Für LPDDR4-Arbeitsspeicher bietet das SoC vier Kanäle mit nicht genannter Breite. Massenspeicher spricht der Chip per NVMe oder UFS 3.0 an. Wi-Fi 5 und Bluetooth 5 stehen für den Datenaustausch parat.

Nicht nur die Chipgröße deutet darauf hin, dass es sich beim Snapdragon 8c um einen Ableger des Snapdragon 8cx handelt.

(Bild: Qualcomm)

Nicht zuletzt der Fertigungsprozess, das integrierte 4G-Modem X24 (optional kann zusätzlich das 5G-Modem X55 eingebunden werden), der DSP Hexagon 690 sowie die Größe des Chips legen jedoch nahe, dass es sich um einen teildeaktivierten Snapdragon 8cx handelt. Ungewöhnlich wäre eine solche Entscheidung nicht. Auch AMD und Intel nutzen diese Möglichkeit, um teildefekte Prozessoren verkaufen zu können. Ein Beispiel hierfür ist der Core i3-8121U, den Intel mit abgeschalteter Grafikeinheit verkauft hat.

Um das bislang verhaltene Interesse der Notebook-Hersteller – mehr als das Microsoft Surface Pro X gibt es bislang nicht – zu steigern, will Qualcomm den Snapdragon 8cx in einer Enterprise-Version anbieten. Die Snapdragon 8cx Enterprise Compute Platform soll an die Belange von Unternehmen optimiert werden – sowohl in Hinblick auf die Leistung als auch in Bezug auf Sicherheitsaspekte. Letztere werden unter anderem von neuer, nicht näher genannter Software abgedeckt.

Das größte Problem geht Qualcomm hingegen nicht an. Da Windows 10 nur in einer an die ARM-Architektur angepassten Version lauffähig ist, müssen Programme in einer entsprechend kompilierten Form oder in 32 Bit für x86-Systeme vorliegen. In letzterem Fall springt ein Emulator ein, der jedoch spürbar zulasten der Leistung geht. Allerdings werden viele Programme nur noch als 64-Bit-Version angeboten, einen passenden Emulator gibt es aber noch nicht.

Hinweis: Qualcomm hat den Autor zum Snapdragon Tech Summit eingeladen und die Reisekosten übernommen. (pbe)