Menü

Qualifizierung für KI: "Coden ist genauso cool wie Daddeln"

Microsoft und die Arbeitgeberverbände wollen mehr dafür tun, dass der "Funken der Begeisterung" für Digitaltechnik an Schulen überspringt.

Lesezeit: 2 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 381 Beiträge

(Bild: wolfstudiobkk/Shutterstock.com)

Von

Auf Basis des Microsoft-Bildungsangebots "IT-Fitness" sollen mehr Lehrkräfte, Schüler, Auszubildende, Schulen und Unternehmen ausführliche Lehr- und Lernmaterialien an die Hand bekommen, um auf das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz (KI) vorbereitet zu werden. Eine Initiative mit diesem Ziel und unter dem Aufhänger "Future Skills Box" haben der IT-Konzern und das Netzwerk Schule-Wirtschaft, hinter dem die Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und das Forschungsinstitut IW Köln stehen, am Montag auf der Konferenz "CODE{affair}" zur Zukunft der Qualifizierung in Berlin angekündigt.

Gemeinsames Ziel der Partner ist es, über den "Instrumentenkasten" zur Aus- und Fortbildung zunächst rund 15.000 Schüler mit Kursangeboten für IT-Fertigkeiten und Schlüsselkompetenzen für die digitale Welt zu erreichen. Bisher springe "der Funken der Begeisterung" für Technologien wie KI an Schulen oft noch nicht über, begründete Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung von Microsoft Deutschland, das Vorhaben. Man wolle daher nun gemeinsam deutlich machen, dass "Coden genauso cool wie Daddeln ist, bei Jungs wie bei Mädchen".

Vermittelt werden solle etwa, "wie interagiere ich mit einer Maschine", führte Bendiek aus. Mensch und Roboter seien "eigentlich das beste Team". Bei dem Schulterschluss denkt Microsoft auch an die Zukunft der eigenen Branche: Innerhalb eines Jahres sei die Zahl der offenen IT-Stellen hierzulande um 50 Prozent gewachsen, sodass mittlerweile 124.000 IT-Spezialisten fehlten. Parallel werde berichtet, dass die "Digital Natives" nur noch Wischen könnten. Die Herausforderung bei älteren Semestern sei aber wohl "mindestens genauso groß".

Steffen Kampeter

(Bild: Stefan Krempl/heise online)

"Wir müssen eine Geschichte von Chancen entwickeln", warb BDA-Geschäftsführer Steffen Kampeter für den erweiterten Ansatz. Es bringe nichts den Beschäftigten nur zu sagen: "Morgen ist euer Job weg." Klar sei aber auch: wer sich nicht um Weiterbildung kümmere, "der scheidet aus". Für die Firmen sei es gleichzeitig "wahnsinnig schwierig, verlorengegangenes Talent wiederzugewinnen". Statt Arbeitskräfte mit 57 in den Vorruhestand zu schicken plädierte er so dafür, besser eine "zweite duale Ausbildung für 'nutzlose' Senioren" zu lancieren.

Auch der Staat müsse beim Thema Aus- und Weiterbildung "vor der Kurve agieren. Schulen müssten endlich auf den digitalen Wandel vorbereitet werden. Dies sei wichtiger, als immer nur Crowd- und Clickworker regulieren zu wollen, die gar kein Millionenphänomen darstellten. Der BDA selbst sei bereits "in die Cloud gegangen" und biete "alle Anwendungen voll digital" an, sodass die Beschäftigten Aufgaben von jedem Platz der Welt aus erledigen könnten. Alle, die sich davon selbst ein Bild machen wollen, ließ der CDU-Politiker wissen: "Wir suchen dringend Leute."

heise jobs – der IT-Stellenmarkt

Zu Arbeitsplätzen und Stellenangeboten in der IT-Branche siehe auch den Stellenmarkt auf heise online:

mehr anzeigen

"Wir müssen jetzt überlegen, was die Jobs der Zukunft sein werden", betonte Anne Kjaer Riechert, Geschäftsführerin und Gründerin der ReDI School, die hauptsächlich Flüchtlinge zu Programmierern und Lehrern ausbildet. "Europäische Jugendliche wollen vor allem YouTuber werden", weiß sie aus eigener Erfahrung, der Berufswunsch "Fußballer" stehe nur noch auf Platz 2. Die Institution arbeite mittlerweile mit 80 Unternehmen auf Basis "gemeinsamer Werte" zusammen. Seit einer Woche betreibe man auch mit dem FC Bayern München einen digitalen Campus.

Als vorbildlich auf dem Feld lebenslanges Lernen lobte Ricarda Bier, Geschäftsführerin IG Metall Wolfsburg, den mit dem Betriebsrat abgestimmten Fahrplan "digitale Transformation" von Volkswagen. Bei dem Autobauer, der momentan seine Strukturen auf die Elektro-Mobilität umstelle, rufe eine "Fakultät 73" ab, was ein Mitarbeiter bereits könne, und entwickle darauf zugeschnittene Weiterbildungsmaßnahmen. Zugleich forderte die Gewerkschaftlerin, den Beschäftigten klarzumachen, was sie konkret von der mit der digitalen Technik gestiegenen Produktivität hätten: technologischer Fortschritt sollte auch ein gesellschaftlicher sein und sich etwa in mehr Zeit für Familie oder Hobbys niederschlagen.

"Wir brauchen auch die älteren Beschäftigten über 55 Jahren noch", unterstrich Björn Böhning, Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium. "Wir dürfen sie nicht rausdrängen aus der Erwerbsarbeit." Die klassische Arbeitsmarktpolitik, die Arbeitslose verwalte, funktioniere daher nicht mehr und auch die Agentur für Arbeit müsse mehr in Weiterbildung investieren sowie Menschen bei der Qualifizierung unterstützen. "Quereinsteiger" müssten als wichtige Erfahrungskräfte höher geschätzt werden. Um den Strukturwandel zu begleiten, habe die Bundesregierung eine nationale Weiterbildungsstrategie mit 17 Partnern aufgelegt. Dazu komme ein einschlägiger, etwa auf Umschulungen sowie wochen- und monatelange Fortbildungen ausgelegter Gesetzentwurf "Arbeit für Morgen". (mho)