Coronavirus: Eine App entscheidet in China über Quarantäne

Chinas Handynutzer sollen eine App installieren, die sie informiert, ob sie sich selbst in Quarantäne begeben müssen. Sie bedeutet auch mehr Überwachung.

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(Bild: Alipay)

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Im Kampf gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus' und der dadurch ausgelösten Erkrankung COVID-19 setzt Chinas Führung nun auf eine App, die den Bürgern aufzeigt, wie sie sich verhalten dürfen. Sie heißt Alipay Health Code und weist jedem Nutzer einen grünen, gelben oder roten QR-Code zu, erklärt die New York Times. Nur der grüne QR-Code erlaubt es den Nutzern demnach, sich frei zu bewegen. Wer den gelben bekommt, müsse sieben Tage zu Hause bleiben und rot bedeute eine zweiwöchige Quarantäne. Der Code wird demnach erzeugt, nachdem die Nutzer eine Reihe von persönlichen Daten eingetragen haben, wie genau er ermittelt wird, sei aber nicht klar.

Die neue Erkrankung breitet sich seit Ende des vergangenen Jahres aus und nahm ihren Anfang in der chinesischen Metropole Wuhan in der Provinz Hubei. Nachdem die chinesische Führung die Infektionskrankheit anfangs zu vertuschen suchte, unternahm sie Ende Januar drastische Maßnahmen, um die weitere Ausbreitung zu verhindern. Dazu gehörten unter anderem Absperrungen ganzer Millionenstädte. Seitdem ist das öffentliche Leben vielerorts weitgehend lahmgelegt, ebenso die Wirtschaft, was sich beispielsweise in einem deutlichen Rückgang der Luftverschmutzung zeigt. Das neue Coronavirus hat derweil außerdem viele andere Staaten erreicht, die unterschiedlich damit umgehen.

Mit der neuen App will Chinas Führung offenbar für eine Rückkehr zur Normalität sorgen, während gleichzeitig weiter gegen die Krankheit und den Virus vorgegangen werden soll. Dabei setzt sie einmal mehr auf moderne Technik und fragwürdige Mittel. Alipay Health Code wurde den Berichten zufolge Mitte Februar in der ostchinesischen Millionenstadt Hangzhou veröffentlicht, stammt von einer Firma aus dem Konglomerat Alibabas und kann über bestehende Dienste leicht installiert werden. Rasch kamen laut der South China Morning Post aus Hongkong mehrere Provinzen hinzu, sodass sie bereits Hunderten Millionen Menschen zur Verfügung steht. Bald solle das ganze Land abgedeckt sein.

Wie genau die App zu ihrer Einschätzung des Gesundheitszustands und des Ansteckungsrisikos kommt, ist der New York Times zufolge nicht ganz klar. Die Zeitung zitiert eine Erklärung, der zufolge Menschen einen gelben oder roten QR-Code zu sehen bekommen, die Kontakt zu einer infizierten Person hatten, einen Ort mit vielen Infektionen besucht haben oder bei der Registrierung Symptome gemeldet hätten. Außerdem liege nahe, dass die App Zugriff auf Daten des Staats über Infektionsfälle in Flugzeugen, Zügen oder Bussen hat. Nutzererfahrungen deuten aber darauf hin, dass es teilweise schon reicht, sich in der Provinz Hubei aufzuhalten, um rot markiert zu werden.

Zu den Unklarheiten bezüglich der Farbzuordnungen gibt es Hinweise auf massive Datenschutzprobleme, schreibt die Zeitung weiter. So sende die App offenbar nach der Registrierung Standortdaten, den Namen der aktuellen Stadt und einen Identifikationscode an die Polizei. Auch beim obligatorischen Einscannen der QR-Codes durch Kontrolleure etwa vor U-Bahnen würden Informationen an die Server fließen. Behörden könnten so die Bewegung der Nutzer verfolgen und es liege nahe, dass die drastischen Maßnahmen auch nach dem Ende der Epidemie beibehalten würden.

Die Zeitung berichtet darüber hinaus noch von einigen Ungereimtheiten. So zitiert sie mehrere Nutzer, deren Code sich ohne weitere Erklärung einfach geändert hat, verbunden mit den teilweise drastischen Einschränkungen, die daraus folgen. Der South China Morning Post zufolge wird der Code jeweils um Mitternacht aktualisiert. Bald soll man außerdem den Status anderer Personen überprüfen können, offiziell um Menschen beispielsweise ohne Smartphone zu informieren. Auch Ausländer sollen die App bald nutzen können, heißt es demnach noch. (mho)