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RIM liefert Entwicklerwerkzeuge für Blackberry 10

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Zum Auftakt der Konferenz Blackberry World 2012 in Orlando, Florida, hat der Hersteller RIM Werkzeuge für Entwickler veröffentlicht. Ende des Jahres sollen die ersten Endgeräte mit dem Blackberry 10 Betriebssystem (ehemals BBX) auf den Markt kommen. “Blackberry 10 ist nicht nur ein neues Smartphone-Betriebssystem, es ist ein neues Mobile Computing Betriebssystem”, betonte RIM-CEO Thorsten Heins in seiner Eröffnungsrede. Zur Demonstration ließ er einen Porsche auffahren, bei dem vom Armaturenbrett bis zu den an den Rückenlehnen befestigten Tablets alles unter Blackberry 10 läuft. Mit dem auf QNX Neutrino basierenden Betriebssystem könnten Updates auch unterwegs eingespielt werden, die Fahrt in die Werkstätte sei dafür nicht mehr erforderlich, sagte Heins.

RIM-CEO Thorsten Heins zeigt ein BlackBerry 10 Dev Alpha

Im Bereich der Smartphones strebt RIM nach einer Kombination von Business-Anwendungen und Unterhaltung. Der Sprung in der Versionsnummer von Blackberry 7 zu Blackberry 10 soll die Zäsur verdeutlichen: Sowohl von technischer Seite als auch beim User Interface wird alles neu. Auch die Besitzer von PlayBooks müssen sich auf grundlegende Neuerungen einstellen.

“Einfach und schnell. Alles dreht sich um den ‘Flow’”, sagte Heins. Der Flow ist ein zentrales Element des neuen User Interface. Auch im Hintergrund laufen alle Anwendungen in Echtzeit weiter. Der Nutzer kann durch eine Wischgeste zwischen Anwendungen vor- und zurückwechseln, ähnlich wie in einem Buch. Dabei sieht er jeweils einen Teil der jeweiligen Screens auch mehrerer Anwendungen; die Größe der Darstellung ist stufenlos einstellbar.

BlackBerry 10 zeigt den "Flow" zwischen den Anwendungen

Den Entwicklern auf der Blackberry World wird ein “DevAlpha” genanntes Gerät überreicht, das sie zum Testen ihrer Apps verwenden können. “Und es funktioniert!”, freute sich der CEO. Alternativ gibt es auch eine Simulation für VMWare. DevAlpha entspricht noch nicht der endgültigen Hardware sondern erinnert an ein geschrumpftes PlayBook ohne Tasten. Die virtuelle Tastatur merkt sich die Schreibgewohnheiten des Nutzers und blendet über manchen Buchstaben Wortvorschläge ein. Durch eine Geste kann man diese Wörter auswählen und in den Text wischen. Schreibfehler korrigiert man, in dem man über die Tastatur nach links wischt.

Heins zeigte zudem eine Kamera-Anwendung, die dem “Blackberry People” zum idealen Schnappschuss verhelfen soll. Dabei wird im Hintergrund automatisch ein Video aufgenommen. Drückt der Nutzer den Auslöser, sieht er einen Frame des Videos. Nun kann er einzelne Ausschnitte dieses Frames vor- und zurückspulen und so direkt am mobilen Gerät ein Bild kreieren, dass es nie gegeben hat. Harmlose Anwendungsfälle sind etwa Familienfotos, auf denen eine Person gerade die Augen geschlossen hat. Nur deren Kopf wird dann “zurückgespult”.

Die Tastatur präsentiert Wortvorschläge, die man in den Text wischen kann.

RIM wagt, wovor Nokia zurückgeschreckt ist: Die Kanadier wollen neben Android, iOS und Windows Phone ein weiteres Ökosystem etablieren. Dazu müssen Sie bereits vorhandene Kunden von Blackberry auf Blackberry 10 migrieren. Diesen Schritt von Symbian auf Meego hat sich Nokia nicht zugetraut, aber RIM will es packen. Blackberry 10 hat mit der alten Plattform nichts gemein. Es basiert, wie bereits das PlayBook, auf dem QNX Neutrino RTOS, bekommt aber eine völlig neue Benutzeroberfläche. Sie wird mit dem Cascades Framework gebaut, das von The Astonishing Tribe (TAT) stammt. RIM hatte dieses schwedische Team Ende 2010 übernommen.

Bei der Anwendungsentwicklung folgt RIM zwei verschiedene Pfaden. Native Blackberry 10 Anwendungen werden mit dem C/C++ Native SDK entwickelt und können auf dieser Basis sowohl dasCascades Framework aber auch QT nutzen. Um eine Cross-Platform-Enwicklung zu födern, engagiert sich RIM aber zugleich stark auf der HTML5-Schiene und hat zahlreiche Open-Source-Komponenten auf Github. Vom PlayBook übernimmt Blackberry 10 zudem die Adobe-Umgebungen Flash und AIR. Um der App-Produktion Schub zu geben, spannt RIM mehrere chinesische Universitäten ein. Ende Mai soll dort ein Wettbewerb starten, der gewinnbringende Apps und Dienstleistungen zeitigen soll.

Thorsten Heins kommt mit seinem deutschen Akzent beim Publikum gut an. "Ich liebe diesen Kerl. Er klingt wie Arnold Schwarzenegger", kommentierte ein Teilnehmer. Einen Spitznamen hat Heins auch schon: Thor. Nun muss nur noch Blackberry 10 ein Hammer werden. Zum Abgang von der Bühne verabschiedete sich der Deutsche mit “Let’s rock and roll this.” (vowe)

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