RIPE 73: IPv6 verbreitet sich doch

Auf weltweit rund sieben Prozent Anteil hat der IPv6-Verkehr inzwischen zugenommen. Das mühsam aufgebaute Nachfolgeprotokoll zu IPv4 – wird es doch noch eine Erfolgsgeschichte?

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RIPE 73: IPv6 verbreitet sich doch
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Von
  • Monika Ermert

Rund sieben Prozent des weltweiten Datenverkehrs wird mittlerweile über IPv6 abgewickelt. Beim DNS-Verkehr sieht es sogar noch besser aus: Ein Drittel der Nutzer erhalten ihre Webseiten heute per IPv6. Aus deutscher Sicht noch eine gute Nachricht: Deutschland gehört laut Expertenberichten auf dem 73. RIPE-Treffen in Madrid nicht mehr zu den Nachzüglern, sondern zu den Vorreitern.

Immerhin 28,8 Prozent des Verkehrs in Deutschland entfallen nach aktuellen Zahlen des APNIC-Forschers Geoff Huston und einer Akamai-Studie auf IPv6. Alain Durand, Mitglied der Technikmannschaft der ICANN, sieht Deutschland jetzt hinter Belgien (51.1 Prozent), den USA (30,5) und der Schweiz (29,0) an vierter Stelle. Vorbei die Zeit, in der man nach hohen IPv6-Verbreitungen in Korea, Rumänien oder Slowenien schielte.

In manchen Ländern hat sich IPv6 gut ausgebreitet, liegt aber zu großen Teilen brach. Man kann daraus schlussfolgern, dass dort zumindest die Netzbetreiber die Notwendigkeit für das moderne IP-Protokoll erkannt haben, Unternehmen, Behörden und Privatnutzer aber zumindest einstweilen lieber am Altvertrauten festhalten.

(Bild: APNIC)

Durand hatte in seiner Studie geprüft, ob es eine Korrelation zwischen Wirtschaftskraft (BSP pro Person) und Umstieg auf IPv6 gibt. Kriegen wirtschaftlich Benachteiligte IPv6 später? Einiges deutet darauf hin, aber mit letzter Gewissheit lässt sich das bisher nicht belegen; gegen die einfache Korrelation "mehr Geld, mehr v6" sprechen einige heftige Ausreißer. So sind in den aktuellen IPv6-Top-Ten auch die wirtschaftlich schwachen Länder wie Ecuador und Peru vertreten. Und gerade mal 0,3 Prozentpunkte hinter Deutschland reiht sich das gebeutelte EU-Mitglied Griechenland ein.

Das früher als IPv6-Vorreiter gefeierte Korea, aber auch ein Land wie das Vereinigte Königreich sind die neuen Nachzügler. Dabei gilt es aber zwischen Penetration und erreichten Bandbreiten beim IPv6-Verkehr zu unterscheiden. Beispielsweise könnten die Briten achtmal mehr Daten mittels IPv6 befördern als sie es tatsächlich tun.

Wichtiger als das vorhandene Geld ist laut IPv6-Pionier Jordi Palet Martinez die Marktsituation. Entscheidet sich etwa ein marktbeherrschendes Unternehmen wie etwa in manchen lateinamerikanischen Staaten für den Umstieg, kann es ganz schnell gehen. Zum Hemmschuh bei der Nutzung von IPv6-Kapazitäten kann der beliebte Trick mit "Happy Eyeballs" werden, weil damit je nach Setup auch IPv4 bevorzugt werden könne.

Noch bessere Zahlen als beim Gesamtverkehr lieferte Huston für DNS-Anfragen, also die DNS-Auflösung via IPv6. Dafür hat sich die APNIC eine bemerkenswerte Analyse-Technik einfallen lassen, die sie neben anderen IPv6-Messmethoden ausführlich beschreibt. Huston interpretiert die Ergebnisse so: "Wenn du eine reine IPv6-Webseite hast, erreichen dich heute etwa ein Drittel aller Nutzer". Trotz der guten Nachrichten: Sowohl Huston als auch Durand warnten, man sei noch sehr weit vom Ziel entfernt. Oder anders gesagt: IPv4 wird zwar in manchen Regionen spürbar an Bedeutung verlieren, aber weltweit noch lange in Gebrauch bleiben. Durand mahnte, dass – neben einigen der reichsten Länder – die übergroße Zahl der ärmeren Länder noch kaum oder gar keine IPv6-Konnektivität hat.

[Update]: 28.10.2016, 12:50, DNS-Auflösung per IPv6 ergänzt (dz)