Menü

RIPE: Handel mit IPv4-Adressen ist Realität

vorlesen Drucken Kommentare lesen 100 Beiträge

Mit dem nahenden Ende freier IPv4-Adressreserven und der schleppenden Einführung von IPv6 werden künftige "Transfers" – also der Adresshandel – praktisch die einzige Quelle für IPv4-Adressen. Die Mehrheit der Experten hält diese Entwicklung für unausweichlich. "Wir können alle Diskussionen darüber beenden, ob wir einen IPv4-Markt verhindern wollen oder nicht, ob wir das regulieren wollen oder nicht, denn wir haben keine Instrumente, das zu regulieren", sagte Rob Blokzijl, Vorsitzender der RIPE-Community, am Dienstag auf dem 57. Treffen des Réseaux IP Européens (RIPE) in Dubai. Die Marktfrage habe sich erledigt, denn der Markt sei inzwischen Realität, sagte Blokzijl und gab damit auch das Grundgefühl unter dem RIPE-Mitgliedern wieder.

Der Niederländer Remco van Mook, der die RIPE-Mitglieder seit über zwei Jahren drängt, den Markt als Realität zu akzeptieren, präsentierte Beispiele aus der Praxis. Ein "Broker" etwa habe für einen Kunden Interesse an gleich mehreren /16-Blöcken bekundet, aber auch kleinere Pakete abnehmen wollen. "Mehrmals im Jahr", so van Mook, erhielten die Provider solche Anfragen. Dabei seien den Leuten Organisationen wie RIPE oder Standardisierungsgremien wie die IETF egal, genauso wie die Frage, ob die Adressen routbar seien oder gefiltert würden. Van Mook beziffert den Preis einer einzelnen IPv4-Adress aus einem /16-Block auf 3,33 Euro. Kosten entstehen in dieser Rechnung auch für die rechtliche Absicherung sowie die Gründung und anschließende Abwicklung einer Holding, über die der "Transfer" abgewickelt wird.

Van Mook warnte allerdings, dass die jetzt in Betracht gezogene Transferpolitik noch immer zu strikt sei. Wer Adressen von einem RIPE-Mitglied kaufen will, müsse ebenfalls Mitglied werden. Adressen des RIPE dürften nur innerhalb der RIPE-Region gehandelt werden, ein Verkauf nach Amerika oder Afrika sei ausgeschlossen. Als besonders problematisch beurteilte van Mook die Regel, dass der Käufer gegenüber RIPE NCC seinen Bedarf an Adressen nachweisen können muss. "Jede Hürde, die wir einbauen, wird einige Leute abschrecken, einen offiziellen Transfer zu machen", fürchtet van Mook. Möglicherweise müsse man in Richtung reine Registrierung der Transfers weitergehen, räumte Blokzijl ein.

Beim RIPE-Treffen am Dienstag gab es nur noch wenig Widerspruch, angemeldete Tranfers zuzulassen. Randy Bush von der Internet Initative Japan warnte allerdings, die Maßnahmen verhinderten keinesfalls ein Scheitern. "Wir fahren den Karren an die Wand, wenn wir IPv6 nicht einführen." Ob sich ein schwunghafter Handel von IPv4 auf die Einführung von IPv6 auswirkt, ist unterdessen umstritten. Tom Vest, einer der Autoren einer kürzlich veröffentlichten Studie (PDF-Datei) zu Vorzügen und Risiken der Entwicklung eines IP-Adressmarktes, befürchtet, dass das RIPE-Modell zu Bedeutungslosigkeit verurteilt wird, wenn IP-Adressen zur Waren und damit zu Eigentum werden. Wie Bush ruft Vest entschieden zur Einführung von IPv6 auf. (Monika Ermert) / (vbr)