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RIPE-Mitglieder betteln um mehr IPv4-Adressen

In fünf Jahren sind die letzten Reserven an IPv4-Adressen endgültig erschöpft, kalkulieren die Adressverwalter beim RIPE NCC. Beim Treffen in Bukarest betteln nun einige RIPE-Mitglieder um mehr IPv4-Adressen aus dem Reservepool.

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(Bild: IANA)

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Ein Vorschlag zur Lockerung der strikten Vergabebeschränkungen der letzten IPv4-Adressen sorgte auf dem 71. Treffen des Réseaux IP Européens (RIPE) in Bukarest für hitzige Diskussionen. Seit September 2012 vergibt die europäische IP-Adressverwaltung (RIR, Regional Internet Registry) RIPE nur noch einmalige Mindestzuteilungen aus dem IPv4-Reservepool. Doch ein /22-Block und damit 1024 IPv4-Adressen seien gerade für kleine Unternehmen ohne große Adressreserven viel zu wenig, beschwerte sich jetzt Radu-Adrian Feurdean vom französischen Mobilfunkanbieter Coriolis.

Auch 36 Monate nach dem Ende der regulären, bedarfsabhängigen IPv4-Adressvergabe verfügt das RIPE, die für Europa, Russland und den Nahen Osten zuständige Adressverwaltung, noch immer über 99 Prozent eines letzten /8-Blocks an alten Adressen, bilanzierte Feurdean in Bukarest. Die Region habe aktuell nach Afrika nach wie vor die größten Reserven. Daher sei es falsch, dass das RIPE die so genannte letzte Meile strikter regele als alle anderen regionalen IP-Adressverwalter.

Feurdeans Hauptargument: Kleine Unternehmen oder Newcomer, die nicht auf Reserven aus den fetten Jahren zurückgreifen könnten, sind benachteiligt. Mitglieder mit tiefen Taschen griffen einfach auf den Trick zurück, über Unternehmensneugründungen zusätzliche Zuteilungen zu ergattern. Der Fairness halber solle künftig jedes Mitglied mit wirklich knappem Adressbestand (weniger als ein /20-Block) mehrfach Minimalzuteilungen beantragen können, und zwar immer nach 18 Monaten.

Der neue Vorschlag wäre jedoch auch unfair, und zwar gegenüber der nächsten Generation von Neugründern, lautete wiederum daran die Kritik. Die Mehrfachzuteilungen würden nicht zuletzt dafür sorgen, dass die letzten Reserven deutlich schneller aufgebraucht wären. Diejenigen, die verzweifelt nach mehr IPv4-Adressraum verlangen, würden auch mit einer zweiten oder dritten Kleinstzuteilung kaum zufriedenzustellen sein, war weiter zu hören.

Selbst bei der Beibehaltung der strikten Zuteilungsregeln aber würden die eisernen IPv4-Reserven spätenstens in rund fünf Jahren vollends aufgebraucht sein, meldete überdies das RIPE NCC, hauptamtlicher Arm des RIPE. Bis jetzt konnte der letzte /8-Block durch Rückläufer sowohl von der IANA als auch mit einem "Aufräumprojekt" des RIPE NCC beständig aufgefüllt werden.

Die Aufräumarbeiten, bei dem nach ungenutzten, verwaisten Adressen im RIPE-Raum gefahndet worden war, sind aber inzwischen abgeschlossen. IANA-Manager Elise Gerich kündigte in Bukarest an, dass auch von der IANA nicht mehr so viel zu erwarten ist. Was von dort aus an Rückläufern an die regionalen Adressverwalter durchgereicht wird, nimmt kontinuierlich ab. 2019 habe die IANA selbst keine IPv4-Adressen mehr. Mindestens in der jetzigen Form werde Feurdeans Vorschlag daher auch nicht durchgehen, schätzt Gerd Döring vom Münchner Provider SpaceNET, einer der Leiter der Address-Policy-Arbeitsgruppe.

Was die verbleibenden Einmalzuteilungen dem RIPE für die kommenden Jahre allerdings ganz offensichtlich bescheren ist eine regelrechte Mitgliederschwemme. Die Zahl der Neuanmeldungen habe in der Tat "verrückte" Ausmaße angenommen, sagte RIPE-NCC-Geschäftsführer Axel Pawlik. Allein seit Anfang November verzeichnet die Adressverwaltung knapp 2000 neue Mitgliedschaften. Insgesamt hat das RIPE mittlerweile fast 13000. (anw)