RO-MAN 2016: Wenn Roboter über sich selbst lachen

Die Interaktion zwischen Mensch und Roboter ist ein Spiel aus Nähe und Distanz mit noch unklaren Regeln. Klar ist aber: „Schadenfreude ist für Roboter nicht unbedingt etwas Schlechtes", denn Lachen könne helfen, negative Situationen zu entspannen.

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RO-MAN 2016: Wenn Roboter über sich selbst lachen

Hier lacht ein 8,5 Meter hoher Roboter aus Flugzeugteilen, der bei der Make Faire in New York City auftrat

(Bild: RO-MAN 2016)

Von
  • Hans-Arthur Marsiske

Vor 24 Jahren formulierte Yuichiro Anzai in einem Paper die Notwendigkeit für ein „neues Paradigma der Mensch-Roboter-Computer-Interaktion“. Heute ist Anzai Präsident der Japan Society for the Promotion of Science und hielt bei der Konferenz RO-MAN, die ebenfalls 1992 ihren Anfang nahm und in New York jetzt zum 25. Mal stattfindet, den Eröffnungsvortrag. Dabei wiederholte er eine der fundamentalen Fragen, die er damals gestellt hatte: Was ist eigentlich Interaktion?

Anzais Antwort: Interaktion ist das Teilen von Information. Das sei zwischen allen Systemen möglich, die Informationen verarbeiten können und könne auf vielfältige Weise geschehen. Zwei Agenten – Mensch, Tier oder Roboter – können die Aufmerksamkeit teilen, soziale Regeln, Erinnerungen oder auch Freundschaft, Gefühle und Räume. Das klingt selbstverständlich, ist aber nicht ohne weiteres umzusetzen, sobald es konkret wird.

Wenn etwa Mensch und Roboter sich einen Raum teilen und der Roboter sich dem Menschen nähert, kann es für den Menschen schnell unangenehm werden. Bei einer zu raschen und abrupten Annäherung mag sich sogar ein Gefühl der Bedrohung einstellen. Im Rahmen des EU-Projekts ENRICHME, das Assistenzsysteme für ältere Menschen mit leichten kognitiven Einschränkungen entwickeln will, wird daher genau untersucht, wie ein Roboter abbremsen sollte, wenn er auf einen Menschen zufährt. Bislang sei das nur in der Simulation getestet worden, erklärte Francois Ferland von der Universität Paris ENSTA. Im kommenden Jahr sollen aber in Griechenland und Polen umfangreiche Tests mit realen Robotern durchgeführt werden. Dabei wird mit dem Roboter Kompai der französischen Firma Robosoft gearbeitet.

Roboter von ENRICHME während einer Vorführung im Mai 2016

(Bild: ENRICHME)

Mit einem Pioneer 3CX, auf dem in 130 cm Höhe ein Display montiert war, gingen Forscher an der Universität von Neapel ähnlichen Fragen nach. Mariacarla Staffa berichtete von einem Experiment, bei dem von den Versuchsteilnehmern mit einem Fragebogen zunächst ein Persönlichkeitsprofil erstellt wurde, während der Roboter sich bereits im Raum hin und her bewegte. Danach sollten die Menschen liegen, sitzen, stehen oder laufen.

Wenn der Roboter auf sie zukam, sollten sie ihn stoppen, sobald er die richtige Distanz hatte. Dabei habe sich ergeben, dass die Persönlichkeitsmerkmale Extravertiertheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit keinen statistisch relevanten Einfluss auf die als angenehm empfundene Entfernung hatten, wohl aber Neurotizismus und Aufgeschlossenheit: Wenn diese Merkmale stärker ausgeprägt waren, wurde ein größerer Abstand bevorzugt. Das galt auch, wenn die Versuchspersonen standen oder liefen. Wenn sie saßen oder lagen, durfte der Roboter näher kommen.

Bemerkenswert viele Studien zur Mensch-Roboter-Interaktion widmen sich Fragen, wie Menschen eigentlich untereinander interagieren und kommunizieren. So berichteten Rosario Scalise und Shen Li (Carnegie Mellon University) von Experimenten zur Mehrdeutigkeit sprachlicher Befehle. Hier waren die Versuchspersonen aufgefordert, einem gegenüber sitzenden Partner zu beschreiben, welchen aus einer Gruppe bunter Holzklötze sie greifen sollten. Bei Hinweisen wie „rechts“, „links“, „vorne“, „hinten“ musste natürlich ergänzt werden, aus welcher Perspektive das gesehen wurde.

Ganz ähnlich verliefen Experimente an der Universität Hamburg, von denen Johannes Twiefel berichtete. Hier saß der Mensch allerdings einem Nao-Roboter gegenüber, der drei verschiedene Objekte lokalisieren sollte: eine Tasse, eine Schachtel und eine Banane. Ziel war es, visuelle Wahrnehmung und sprachliche Kommunikation zu integrieren. Auch hier kam es darauf an, die verschiedenen Perspektiven der beiden Akteure zu berücksichtigen. Die menschlichen Versuchsteilnehmer, so Twiefel, gaben häufig unklare Informationen. Umso wichtiger sei ein klares Feedback vom Roboter gewesen. Wenn der Mensch etwa links und rechts verwechselte, sagte der Roboter: „Du machst wohl Witze? Links von der Schachtel ist nichts.“

Humor kann für die Beziehung zwischen Mensch und Roboter ein wichtiges Schmiermittel sein. Dieser Aspekt sei aber bislang kaum erforscht, erklärte Nicole Mirnig von der Universität Salzburg. Um der Bedeutung von Selbstironie und Schadenfreude näherzukommen, führten sie und ihre Kollegen ein Experiment mit 22 Versuchspersonen durch. Die verfolgten zunächst einen Dialog zwischen einem Nao-Roboter und einem iCat, bei dem der Nao sich als überlegen darstellt, weil er laufen könne. Als er das demonstrieren will, stürzt er allerdings nach wenigen Schritten. Wenn er danach über sich selbst lachte, wurde er zumeist als sympathischer empfunden. Aber auch wenn iCat ihn daraufhin auslachte oder beide lachten, kam das gut an.

„Schadenfreude ist für Roboter nicht unbedingt etwas Schlechtes“, fasste Mirnig die Ergebnisse zusammen. Lachen könne helfen, negative Situationen zu entspannen. Von Robotern, die sich selber Witze ausdenken und als Standup-Comedians Karriere machen, könne aber noch lange keine Rede sein. Schade eigentlich. (kbe)