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RSA Conference: RSA-Mitentwickler Shamir erhält kein US-Visum

Der RSA-Mitentwickler Adi Shamir hat bis zum Beginn seiner eigenen Krypto-Konferenz nicht mehr rechtzeitig ein US-Visum bekommen.

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RSA Conference: RSA-Mitentwickler Shamir erhält kein US-Visum

Adi Shamir, Mitentwickler des weit verbreiteten RSA-Kryptosystems, konnte erstmals nicht an der von ihm Anfang der 90er-Jahre mit ins Leben gerufenen RSA Conference teilnehmen. Shamir, der in Israel lebt, erhielt kein Visum von den US-Behörden. Per Videobotschaft regte das "S" in RSA gestern an, über Konferenzorte außerhalb der USA nachzudenken.

Gemeinsam mit seinen Mathematikerkollegen Ronald Rivest und Leonard Adleman entwickelte Shamir Mitte der siebziger Jahre das asymetrische kryptographische Verfahren RSA, das zur Verschlüsselung und zum digitalen Signieren eingesetzt werden kann. 1991 ging aus der Zusammenarbeit auch die Gründung der RSA Conference, einer Konferenz für IT-Sicherheit, hervor. Doch für die Einreise in die USA zur laufenden RSA-Konferenz 2019 wurde dem am Weizmann Institut of Science lehrenden, unter anderem mit dem Turing Award dekorierten Mathematiker auch zwei Monate nach Beantragung kein Visum ausgestellt.

"Wenn es jemandem wie mir nicht mehr möglich ist, ein Visum zu bekommen, um eine Keynote auf seinem Fachgebiet zu halten, und wenn andere ähnliche Probleme haben, sollten wir vielleicht darüber nachdenken, wie und vor allem wo wir unsere wissenschaftlichen Konferenzen veranstalten", sagte Shamir in einer kurzen Videobotschaft zu Beginn des Cryptographer Panel. Seinen geplanten Beitrag zur Sicherheit von AES werde er nun anderweitig präsentieren, so Shamir.

Die Konferenzveranstalter in den USA wussten nicht, an wen sie sich mit ihren Nachfragen und Beschwerden zum Bearbeitungsstatus des Visums wenden sollten. Es sei völlig unklar, wer eigentlich verantwortlich dafür sei, dass das Visum nicht rechtzeitig ausgestellt wurde, sagte Shafi Goldwasser, Direktorin am Simons Institute for the Theory of Computing.

Ein Grund für das nicht rechtzeitig bearbeitete Visum könnte der von US-Präsident Donald Trump ausgelöste Shutdown sein. Viele US-Behörden mussten ihre Tätigkeit bis zu seinem Ende im vergangenen Januar auf ein Minimum zurückfahren oder ganz einstellen. Möglicherweise ist jetzt auch Shamir ein Opfer des Shutdowns geworden und die für die Visa-Ausstellung zuständige Behörde hat sein Visum nicht rechtzeitig bearbeiten können. Bisher ist nicht zu erkennen, dass Shamir absichtlich kein Visum ausgestellt wurde, möglicherweise weil er sich gegen die Herausgabe von Schlüsseln an Bundeshörden ausgesprochen hatte.

Die RSA ist nicht die erste Organisation, die den Umzug ihrer Konferenzen in Erwägung ziehen muss. Die Internet Engineering Task Force (IETF) verlegte ein für San Francisco geplanten Treffen im vergangenen Jahr nach Kanada und entschied, frühestens 2021 wieder in die USA zurückzukehren. Die IETF-Spitze nannte dafür die Unsicherheit und fehlende Transparenz bei der Visumsvergabe als Grund. (olb)