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Rapid.Tech + Fabcon 3.D: Fast alles ist möglich im 3D-Druck

Vom Kunstwerk aus Ton bis zum Knochenersatz: Es gibt kaum etwas, was nicht mit dem 3D-Drucker produziert werden kann, zeigt die Messe Rapid.Tech + Fabcon 3.D.

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Rapid.Tech + Fabcon 3.D: Fast alles ist möglich im 3D-Druck

(Bild: Valerie Lux)

Wer durch die Hallen der 3D-Drucker-Messe Rapid.Tech + Fabocon 3.D in Erfurt schlendert, wird allerorts in Vitrinen von ausgedruckten Gebissen, Totenschädeln und Rückenmarksknochen aus Kunststoff überrascht. Die Atmosphäre besticht mit einer Mischung von medizinhistorischem Museum und freudigem Innovationsdrang: Seht her, das können wir alles ausdrucken!

Auf dem dritten Platz des Start-Up-Pitches war das Unternehmen Kumovis, das passgenauen Knochenersatz aus einem speziellen Hochleistungskunststoff herstellt. Wer nach dem nächsten Skiunfall im OP-Saal liegt, der kann möglicherweise bald darauf hoffen, dass der Arzt aufs Knöpfchen drückt und ein passendes Knochenstück aus einem 3D-Drucker neben der Liege gerattert kommt.

Selbst Implantate lassen sich mit dem 3D-Drucker ausdrucken.

(Bild: Valerie Lux)

Dass solche und weitere Anwendungen von 3D-Druckern keine Zukunftsvision, sondern längst zur Realität geworden ist, zeigt auch der Zuwachs an Ausstellern auf der Messe. Sie werde von Jahr zu Jahr größer, es sei ein Flächenzuwachs von 30 Prozent zu vermelden, sagen die Veranstalter.

Der boomende Markt lässt sich auch aufgrund des Auslaufens der Patente für 3D-Druck erklären. Viele der hier vorgestellten Verfahren, so hört man von den Ausstellern oft, seien schon in den 80er-Jahren entwickelt worden. Dass diese 3D-Druckverfahren erst jetzt in die Massenfertigung gehen, liege daran, dass nun endlich ohne diese Patentgebühren zu erschwinglichen Preisen gedruckt werden könne.

"Erschwinglich" ist jedoch auf der Messe ein relativer Begriff, denn für die meisten 3D-Drucker muss man immer noch mehrere tausend Euro hinblättern. Und auch die Rohstoffe sind keine Billigware: Ein Kilogramm des Hochleistungskunststoffs für den medizintechnischen Bereich kostet circa 2000 Euro, erklärt Alexander Henhammer von Kumovis.

3D-Druck ein Elitenprojekt? Die Firma Sinterit, ein polnisches Unternehmen, lädt ein, seinen preisgünstigen Drucker selbst auszuprobieren. Das Modell "Lisa" sieht aus wie ein roter Kühlschrank. Lisa ist schon für knapp 5000 Euro zu haben. "Damit lässt sich alles, wirklich alles, drucken", verspricht Kundenbetreuer Robert Garbacz. Schon ist er munter dabei, auf dem Computerbildschirm ein Modell zu zeichnen.

Doch die größte Schwierigkeit liegt bei der genauen Verteilung der Hitze, denn beim Drucken wird der Werkstoff bis zu 180 Grad heiß und es bedarf einiges an Fingerspitzengefühl um die Flächen seines gewünschten Modells so zu konstruieren, dass diese sich nicht gegenseitig während des Druckvorgangs wegschmelzen. Nachdem das Objekt erfolgreich gezeichnet wurde, kann man nun selbst einige Schäufelchen des Kunststoffpulvers in den "Lisa"-Drucker kippen. Klappe von Lisa zu, Knopf gedrückt. Und dann? Warten. Jetzt dauert es nur noch 20 Stunden, sagt Garbacz.

Für die Industrie sind 20 Stunden Produktionszeit ein Klacks. "Früher hat es Monate gedauert, bis wir überhaupt erst die richtigen Werkzeuge konstruiert hatten, um ein Modell nach unseren Vorstellungen zu gestalten", erzählt Tobias Noack vom Laserhersteller Trumpf. Dank des additivem 3D-Drucks könne man heute viel präzisere technologische Prozesse steuern. In traditionellem Industrieverfahren wurde früher ein Produkt durch verschiedene Werkzeugen ausgestanzt, gebohrt oder ausgeschnitten.

Für die Industrie ist der additive 3D-Druck ein Segen, auf der Rapid.Tech werben Aussteller überall mit dieser Fähigkeit. Das additiver 3D-Druck schwer im Trend liegt, zeigte auch schon eine Sonderausstellung auf der Hannover Messe. Die Geschwindigkeitskurve, mit der sich Produkte entwickeln lassen, habe sich durch dieses Verfahren exponentiell erhöht, hört man unisono von der Industrie.

Mit welchen rechtlichen Hürden Privatnutzer mit 3D-Druckern zu kämpfen haben ist unkar. Jürgen Enstahler, Professor an der Technischen Universität Berlin, rief seinen Zuhörern die fehlende "Reparaturklausel" auf dem zugehörigen Rechtsforum in Erinnerung. Deutschland erlaube es als einer der wenigen Staaten weltweit, dass beispielsweise Automobilhersteller bei Auto-Ersatzteilen zusätzlich zum Kaufpreis die Kosten des Designpatents draufschlagen.

"Durch dieses Designmonopol könnte sich die Verbreitung der 3D-Drucker in Deutschland verlangsamen", warnte Ensthaler. Denn wer sich selbst seinen Kotflügel mit einem 3D-Drucker ausdruckt, könnte unter Umständen mit Verweis auf das Designpatent von den Automobilherstellern verklagt werden. Wer den 3D-Druck also rechtssicher angehen wolle, sollte sein eigenes Design kreieren.

3D-Druck mit Ton.

(Bild: Valerie Lux)

Hilfe leistet dabei das niederländische Start-Up Lutum. Lutum verkauft 3D-Drucker an Kunstuniversitäten, die mit Lehm statt Kunststoff drucken wollen. Auf der Messe ist zu sehen, wie viele Künstler mittlerweile ihre Objekte ausschließlich mit 3D-Druckern herstellen. Aus dem Kunst-, Design- und Architekturmarkt sind die Drucker mittlerweile nicht mehr wegzudenken.

Das Fazit der RapidTech muss also lauten: Der 3D-Druck als disruptive Technologie hat alle Bereiche der privaten und industriellen Fertigung durchdrungen, vom Kunstobjekt aus Ton bis zum medizintechnischen Schädelknochenimplantat. (Valerie Lux) / (olb)

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