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Raue Zeiten für Telekom-Finanzierung

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Die Hersteller von Telekommunikations-Equipment haben möglicherweise bald größeren Abschreibungsbedarf, der ihre Geschäftsbilanzen belasten könnte. Wie das Wirtschaftsmagazin Barron's berichtet, geraten die Firmen durch die Methoden, wie sie den Verkauf von Geräten und Infrastruktureinrichtungen an Telekom-Firmen finanzieren, unter Druck. Gerade die kleineren Gesellschaften bekommen in vielen Fällen Unterstützung durch die Hersteller: Sei es, dass sie mit Banken eine Finanzierung aushandeln, sei es, dass sie selbst als Finanziers für den Kauf ihrer eigenen Geräte auftreten. Diese Kredite summierten sich bei den Großen der Branche, etwa Cisco, Ericsson, Nokia, Nortel oder Lucent inzwischen auf rund 8,7 Milliarden US-Dollar, schreibt das Blatt.

Das Problem für die Hersteller: Viele kleinere Telekom-Carrier geraten offensichtlich auf Grund hoher Kosten für Infrastrukturinvestitionen und Kundenwerbung in Schwierigkeiten und können die Kredite und Anleihen nur schwer bezahlen. Die Ausrüster wiederum haben selbst hohen Kapitalbedarf, um die Investitionen in die Entwicklung neuer Geräte zu finanzieren. Auslöser der Diskussion war eine Aktion von Lucent: Der größte Hersteller von Telekom-Equipment versuchte Anleihen zu verkaufen, die er für den Carrier WinStar ausgegeben hatte, um deren Kauf von Lucent-Geräten zu finanzieren. Das Angebot von Lucent lag aber weit unter dem eigentlichen Wert der Anleihe – teilweise wurden die Papiere für 90 Cent pro US-Dollar offeriert. Der Verkauf wurde allerdings gestoppt, als WinStar protestierte.

Solche Finanzierungsgeschäfte, um die eigene Hardware an Carrier verkaufen zu können, sind allerdings keine Spezialität von Lucent. Nortel beispielsweise habe 1,2 Milliarden US-Dollar an Anleihen und 2,5 Milliarden an Finanzierungszusagen offen; Nokia rund 890 Millionen US-Dollar. Andere Firmen wie Alcatel geben solche Zahlen aber nicht bekannt. Diese Beträge könnten noch weiter stark ansteigen, da die Carrier die Infrastruktur für die nächste Netzwerkgeneration vor allem im Mobilfunk finanzieren müssen – der Finanzhunger der Carrier zum Aufbau der UMTS-Netze beispielsweise ist riesig. Die Hersteller sahen auf der anderen Seite ihre Bilanzen schon durch hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie für Firmenübernahmen im Zeichen eines rasanten Konzentrationsprozesses belastet.

Die Hersteller beteuern aber unisono, ihre Verkäufe würden weit stärker steigen als die Hilfen zu ihrer Finanzierung. Laut Barron's suchen sie aber bereits nach Auswegen, um nicht möglicherweise durch notwendige Abschreibungen unter Druck zu geraten: So könnten sie die Anleihen verstärkt auf dem Markt verkaufen und sich stärker nach Investoren und Kreditinstituten als Finanziers umsehen. Einen Zusammenbruch der Finanzierungshilfen können sie sich jedenfalls nicht erlauben: Nicht nur würden ihre eigenen Bilanzen stark belastet, unter Umständen könnte das einige Carriers in den Ruin treiben, was sich wiederum nicht gerade positiv auf die Geschäfte der Equipment-Hersteller auswirken würde. (jk)