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Raumfahrtkongress IAC 2018: "Wir gehen vorwärts zum Mond"

Eins der großen Themen beim Raumfahrtkongress IAC ist der erneute Aufbruch zum Mond. "Wir gehen dorthin, um zu bleiben“, so ESA-Direktor Jan Wörner.

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Raumfahrtkonferenz IAC 2018: "Wir gehen vorwärts zum Mond"

Auf der IAC zu bewundern: Orion, das zukünftige Raumschiff der NASA für bemannte Missionen im Maßstab 1:3.

(Bild: Hans-Arthur Marsiske/heise online)

In einem Punkt musste Jan Wörner, Direktor der Europäischen Weltraumorganisation ESA, dem NASA Chief Administrator Jim Bridenstine doch widersprechen. Der hatte beim am heutigen Montag eröffneten International Astronautical Congress (IAC) in Bremen zuvor von den Plänen für eine Rückkehr zum Mond gesprochen. „Wir gehen nicht zurück zum Mond“, sagte Wörner daraufhin. „Wir gehen vorwärts zum Mond.“

Ansonsten bestand auf dem Podium, wo sich die Leiter mehrerer Raumfahrtagenturen versammelt hatten, weitgehende Einigkeit: Natürlich soll der erneute Aufbruch zum Mond diesmal nachhaltiger erfolgen. "Wir gehen dorthin, um zu bleiben“, betonte Bridenstine. Dafür soll eine Infrastruktur mit offener Architektur aufgebaut werden, es sollen Ressourcen vor Ort, insbesondere Wasser, genutzt werden und vor allem soll das alles in größtmöglicher internationaler Zusammenarbeit geschehen.

"Involving everyone“ – jeden einbeziehen – lautet das Motto des diesjährigen IAC, der zum 69. Mal stattfindet und mit 6.300 registrierten Teilnehmern eine Rekordbeteiligung vermelden konnte. Es sei die wichtigste Weltraumveranstaltung weltweit, sagte Jean Yves Le Gall, Präsident der International Astronautical Federation (IAF), bei der Eröffnung. Sein Traum sei es, in den nächsten Jahren einen Kongress mit 10.000 Teilnehmern zu erleben. Woraufhin Bridenstine versprach, schon im kommenden Jahr, wenn der IAC in den USA stattfindet, mit aller Kraft auf dieses Ziel hinzuarbeiten.

Eindrücke von der IAC 2018 (10 Bilder)

Wer sich für Modellbau interessiert, dürfte an der Ausstellung beim IAC seine Freude haben: Hier begrüßt die Besucher ein Modell der zukünftigen europäischen Trägerrakete Ariane 6 im Maßstab 1:4 die Besucher. (Bild: Hans-Arthur Marsiske/heise online)

Bis dahin bedeutet "involving everyone“ zunächst einmal, dass der eigentlich als Treffen von Fachleuten angelegte Astronautenkongress am Mittwoch für die Öffentlichkeit bei freiem Eintritt geöffnet ist. Und es bedeutet viele Gespräche über zukünftige Projekte und Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit. Die Beteiligung aller sei der Schlüssel zur zukünftigen Entwicklung der Raumfahrt, sagte Hiroshi Yamakawa, Präsident der japanischen Weltraumagentur JAXA. Er sei nicht sicher, ob dafür eine globale Weltraumagentur notwendig sei, wie sie verschiedentlich vorgeschlagen wurde. Wichtig sei es, die internationalen Beziehungen zu stärken.

Dafür könnten in Bremen wichtige Schritte getan werden. Er habe bereits sehr offene und ermutigende Gespräche mit den Leitern der russischen Weltraumagentur Roskosmos und der Nasa geführt, sagte Kejian Zhang, Leiter der China National Space Administration (CNSA). China sei offen, bei seinen Raumfahrtprojekten andere einzubeziehen. So sei Frankreich an einem Satelliten beteiligt, der Ende dieses Monats gestartet werden soll. Auch bei der Mondsonde Chang‘e 4, die Ende des Jahres einen Rover zur Rückseite des Mondes bringen soll, seien Komponenten von anderen Ländern beigesteuert worden. Und auf der chinesischen Raumstation, die im Jahr 2022 fertiggestellt sein soll, seien andere Nationen ebenso willkommen, wie bei der Mission Chang‘e 6, die Proben vom Mond zur Erde transportieren soll.

Bridenstine zeigte sich begeistert von dem chinesischen Vorhaben, erstmals auf der Rückseite des Mondes zu landen. Er deutete allerdings auch an, dass seine Möglichkeiten der Zusammenarbeit durch Entscheidungen auf höheren politischen Ebenen begrenzt seien. Der von Kejian Zhang vorgeschlagene Austausch von Daten sowie Maßnahmen zur Vermeidung von Kollisionen im Orbit seien aber sinnvolle Initiativen, um die Kooperation im All zukünftig zu verbessern. Erste Schritte sind also getan. Wohin sie führen könnten und ob sie erneut, wie einst bei Apollo 11, in große Sprünge münden, wird in den kommenden Tagen auf dem IAC ausführlich diskutiert werden. (Hans-Arthur Marsiske) / (axk)

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