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Technology Review

"Raus aus der Echokammer": Mehr Vielfalt durch staatlich unterstützte soziale Medien?

Die meisten Angebote im heutigen Internet sind kostenlos, doch das bedeutet zugleich, dass die Aufmerksamkeit der Nutzer zur Handelsware geworden ist. Ein Pionier der Online-Werbung spricht sich jetzt für ein Umsteuern aus.

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Erfinder der Pop-up-Anzeige fordert mehr echte Konkurrenz bei sozialen Netzwerken

(Bild: Mark Zuckerberg/ Facebook)

Für die Erfindung der viel gehassten Pop-up-Anzeige in den 1990er Jahren hat er sich entschuldigt, jetzt beschäftigt sich Ethan Zuckerman am MIT mit der Frage, wie Menschen mit Hilfe von sozialen Medien und anderen technischen Mitteln die Welt zu verändern versuchen. Mit Studenten hat er unter anderem ein Werkzeug entwickelt, mit dem Nutzer eigene Filter für Nachrichten-Feeds anlegen können. In einem Interview mit der US-Ausgabe von Technology Review spricht er sich jetzt für staatliche unterstützte soziale Medien aus, die zu anderen Angeboten kompatibel sind und eigene Filter-Vorgaben erlauben, wie Technology Review online in „Raus aus der Echokammer“ berichtet.

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Dass ein solches Angebot tatsächlich realisiert wird, bezeichnet Zuckerman für die USA als „vollkommen unrealistisch“. In Europa sei es schon eher denkbar, weil es dort eine Kultur öffentlicher Medien gebe und man eher bereit sei, in Menschen zu investieren, „die ein Grundwissen über Politik, die Welt und die Menschen um sie herum haben“. Auf dieser Grundlage werde möglicherweise eine innovative öffentliche Rundfunkanstalt ein offenes Sozialmedien-Angebot mit freien Filter-Einstellungen entwickeln.

Dass private Anbieter wie Facebook selbst solche Änderungen vornehmen werden, glaubt Zuckerman nach eigener Aussage nicht – das werde erst der Fall sein, „wenn ich ein glaubwürdiges Geschäftsmodell sehe, das auf etwas anderem basiert als auf zielgenauer Werbung“. Die Entwicklung eines Internet, in dem für fast nichts bezahlt werden muss, sei seiner Meinung nach eine der destruktivsten und kurzsichtigsten Entscheidungen überhaupt gewesen. Denn dadurch sei die Aufmerksamkeit der Nutzer zur Ware geworden, mit der gehandelt wird.

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