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Raus aus der Filterblase: Medien-Startup Buzzard will Diskurs und Vielfalt fördern

Buzzard will einen Überblick über die Themen des Tages bieten – und setzt dabei auf Menschen statt Algorithmen. Das Portal soll nun wachsen.

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(Bild: Gerd Altmann, Lizenz Public Domain (Creative Commons CC0))

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Raus aus der Filterblase: Dieses Ziel verfolgen Dario Nassal und Felix Friedrich mit ihrem Medien-Startup Buzzard. Das Portal bietet einen Überblick zu den am meisten besprochenen Themen des Tages im Internet, aber vor allem auch passende Kommentare und Gegenargumente. Die Gründer wollen explizit den Diskurs fördern. Um ihr Angebot auszuweiten, haben sie eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Es sollen täglich mehr News kuratiert werden.

Mit ihrer App und der Webseite "buzzard.org" wenden sich Nassal und Friedrich gegen die technischen Newsaggregatoren. Algorithmen auf Machine-Learning-Basis können dem Nutzer kaum darstellen, warum er bestimmte Inhalte sieht, schon gar nicht pro- und contra-Argumente als solche überhaupt ausspielen. "Wir wollen bewusst einen anderen Weg gehen, mit Menschen", erklärt Nassal. So machten sie Auswahlkriterien transparent, um gut und differenziert zu informieren. Vertrauen sei unerlässlich in diesem Bereich.

Dario Nassal (links) und Felix Friedrich von Buzzard.

(Bild: Buzzard)

Entsprechend gibt es bei dem Portal keine Personalisierungsvorschläge, die auf Nutzungsverhalten basieren, wie etwa auf anderen Social-Media-Plattformen. Man könne bestimmten Themen folgen, etwa dem Brexit, sagt Nassal. Statt eines Like-Buttons gibt es einen "Aha-Effekt-Button", den man setzen kann, wenn man einen solchen Moment beim Lesen hatte. In einer Rückschau bekommen Leser eine Liste der geöffneten Artikel, dadurch können sie sich selbst quasi kontrollieren: Habe ich immer besonders konservative Medien bei einem Thema verfolgt? Habe ich Gegenargumente zugelassen? Die Funktion lässt sich aber auch ausschalten.

Die Inhalte werden von einem Team rund um die Gründer ausgewählt und zusammengestellt. In einer Art Kacheloptik erscheint eine kurze Presseschau, Empfehlungen zu Einzelperspektiven und die Gründe, warum sie Artikel vorschlagen. Der Klick auf eine der Flächen führt immer zur Originalquelle. Das können klassische Medien sein, Blogger, Medien aus dem Ausland oder Organisationen.

Sofern möglich versuchen die Buzzard-Macher Artikel hinter Bezahlschranken zu umgehen. Der Plan ist aber, mit den Medienhäusern später zu kooperieren. "Unsere Zielgruppe sind eher unter 30-Jährige – die schließen kaum ein Abo für 30 Euro im Monat mit einer Zeitung ab", erklärt Nassal. Daher hofft er darauf, dass auch die Verlage Interesse an der Zusammenarbeit haben.

Das Leistungsschutzrecht sei kein Hindernis. Inhalte fassen Redakteure zusammen, sie zeigen keine Vorschau oder kopierten Textausschnitte. In Frankreich haben Medien erst kürzlich Google kritisiert, da der Suchmaschinenriese wegen des dort bereits gültigen Leistungschutzrechts keine Snippets, also kurze Vorschautexte, mehr anzeigt.

Seit zweieinhalb Jahren tragen Nassal und Friedrich bereits ihre Idee. Sie erhielten Auszeichnungen von Googles Digital News Initiative, dem Media Lab Bayern und als Kultur- und Kreativpiloten Deutschland. Zu ihren Unterstützern gehören unter anderem der Journalist Richard Gutjahr, die stellvertretende Chefredakteurin der Zeit Online, Maria Exner, und der Kolumnist Jan Fleischhauer.

Noch fehlt den Gründern Startkapital. Bis zum 8. Dezember läuft das Crowdfunding mit dem Mindestziel von 125.000 Euro. Damit werden vor allem die Mitarbeiter in der Redaktion bezahlt, ein Teilbudget geht in die weitere Entwicklung. Derzeit bietet Buzzard eine Art abgespeckte Version, die bereits im Abo erhältlich ist. Anfang 2019 geht es dann raus aus der Pilot- und rein in die heiße Phase mit immer frischen News. Nassal: "Wir brauchen das tägliche Format, um einen wirklichen Impact zu erreichen."

(emw)