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Razzia bei Unister

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Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) haben am Dienstag den Hauptsitz des umstrittenen Internet-Unternehmens Unister in Leipzig durchsucht. die Firma betreibt unter anderem die Reise-Portale fluege.de, reisen.de und urlaubstours.de, aber auch beispielsweise Finanzportale wie geld.de oder kredit.de. LKA-Sprecher Tom Bernhardt bestätigte gegenüber der dpa, dass Computer und Akten beschlagnahmt wurden.

Nach einem Bericht der Leipziger Volkszeitung geht es um den Verdacht des unerlaubten Vertriebs von Versicherungsprodukten über Unister-Portale: Im Zentrum der Ermittlungen stehen insbesondere Reiserücktrittsversicherungen, die über Seiten wie ab-in-den-urlaub.de, reisen.de oder fluege.de angeboten wurden, schreibt die Zeitung. Zu diesen Vorwürfen hinzu komme Verdacht auf Steuerbetrug. Der Steuerschaden belaufe sich auf eine Million Euro. Insgesamt werde gegen acht Mitarbeiter aus der Führungsebene von Unister ermittelt, darunter auch Firmenchef Thomas Wagner.

Die Razzia in Leipzig begann dem LVZ-Bericht zufolge am Morgen gegen 8.30 Uhr. Beamte der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES), die auch schon die Ermittlungen gegen das Filmportal Kino.to geführt hatte, durchsuchten insgesamt 20 Büros und Wohnungen in Leipzig, aber unter anderem auch in Dresden, Hamburg und Stralsund. Die Ermittlungen gegen insgesamt acht Führungskräfte werden von der sächsischen Generalstaatsanwaltschaft geführt. Unister-Sprecher Konstantin Korosides wollte sich gegenüber der dpa zunächst nicht zu der Durchsuchungsaktion äußern.

Unister wurde durch recht aggressive TV- und Online-Werbung bekannt, die mit mehr oder weniger prominenten Persönlichkeiten arbeitet; für fluege.de etwa hält der ehemalige Fußballmanager Reiner Calmund sein Gesicht in die Kamera, für travel24.com die TV-Moderatorin Sonya Kraus und für ab-in-den-urlaub.de der ehemalige Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft, Michael Ballack.

Zuletzt hatte Computerbild schwere Vorwürfe gegen den Portalbetreiber erhoben, da er mit frei erfundenen Preisreduzierungen, heimlich aufgeschlagenen Service-Geldern, Klick-Fallen bei Urlaubsbuchungen und anderen Schwindeleien abkassiere. Unister wehrte sich mit einer strafbewehrten Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung gegen den Bericht – als Reaktion darauf hatte die Redaktion betont, man halte an den Vorwürfen fest.

[Update 11.12.2012 16:17]:

Bei der Razzia gegen Unister sind zwei führende Manager festgenommen worden. Der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden, Wolfgang Klein, sagte, es sei Haftbefehl gegen die beiden Männer beantragt worden. Namen wollte Klein nicht nennen. (vbr)