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Rechenzentrum beheizt Wohnungen

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Beim Betrieb von Rechenzentren fallen erhebliche Mengen an Abwärme an, weil Server die aus dem elektrischen Versorgungsnetz entnommene Energie praktisch vollständig in Wärme umsetzen und zusätzlich weitere Energie zur Klimatisierung der Systeme nötig ist. Die Firma Telehouse Europe wird nun die Abwärme ihres neuen Rechenzentrums Telehouse West, das in den Londoner Docklands entsteht, an benachbarte Wohn- und Geschäftsgebäude weiterleiten, um diese zu heizen.

Telehouse betreibt am Standort London bereits mehrere Rechenzentren, eines davon beherbergt auch den wichtigen Internet-Knoten London Internet Exchange (LINX). Telehouse West soll auf neun Stockwerken 19.000 Quadratmeter Fläche für Server-Racks bieten. Bis zu 9 Megawatt (MW) Heizleistung soll das Rechenzentrum an externe Kunden liefern können und so bis zu 1100 Tonnen an CO2-Emissionen jährlich vermeiden helfen. Laut Telehouse hat die Firma WSP das Rechenzentrum geplant und den Bau betreut; die hohe Energieeffizienz habe dazu beigetragen, dass die Londoner Verwaltung den Bau des neuen Rechenzentrums in der innenstadtnahen Lage überhaupt genehmigt hat.

Ganz neu ist die Nutzung von Server-Abwärme für die Gebäudeheizung indes nicht, häufiger beheizt man aber firmeneigene Büros: Host Europe etwa verfährt so im Rechenzentrum Köln, die Lufthansa beim Rechenzentrum Kelsterbach oder die Firma Hostway am Standort Hannover.

In der schweizerischen Gemeinde Uitikon (bei Zürich) hat IBM ein Projekt realisiert, bei dem die Abwärme eines Rechenzentrums das Wasser in einem nahe gelegenen Hallenbad erwärmt. Die Firma GIB-Services hat das Rechenzentrum in einem ehemaligen Militärbunker untergebracht; laut IBM erzeugt es bis zu 2800 MWh Abwärme jährlich, bei 8760 Stunden pro Jahr entspricht das knapp 320 kW Dauerleistung. Bis zu 130 Tonnen CO2 sollen sich hier einsparen lassen.

In den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde in Deutschland eine Wärmenutzungsverordnung diskutiert, die damalige Fassungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BImSchG) noch ausdrücklich erwähnt hatten. Damit wäre unter bestimmten Bedingungen eine gesetzliche Pflicht zur Nutzung von Abwärme aus industriellen Anlagen geschaffen worden. Die Industrie konnte aber durch eine Selbstverpflichtung zur CO2-Minderung (unter anderem) die Wärmenutzungsverordnung verhindern. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz erlaubt die Anrechnung der Nutzung von Abwärme als Ersatzmaßnahme; auch zur Erfüllung der Bestimmungen der Energieeinsparungsverordnung (EnEV) kann Abwärmenutzung dienen. (ciw)