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Red Dead Online: Wenn das Spielen zur Arbeit wird

Für einen Goldring bekommt man in der Beta von Red Dead Online nicht mal eine Dose Bohnen. Jetzt hat Rockstar Anpassungen versprochen.

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Red Dead Online: Wenn das Spielen zur Arbeit wird

(Bild: Rockstar Games)

Rockstar hat sich nach dem frühen Feedback aus der Beta von Red Dead Online dazu entschlossen, die Ingame-Ökonomie des Mehrspieler-Shooters zu überarbeiten. Das teilte das Unternehmen auf der Webseite zum Spiel mit. Der Grund für die Kritik: Belohnungen für Aufgaben waren so gering, die Preise für Items dabei so hoch, dass die Spieler sich selbst nach stundenlangem Spielen keine Ausrüstung leisten konnten. Auch wenn Rockstar jetzt etwas zurückrudert: Ein Versehen war das nicht.

Red Dead Online ist der Online-Modus von Red Dead Redemption 2, er ist in der vergangenen Woche als öffentliche Beta gestartet. Jeder, der das Einzelspieler-Spiel gekauft hat, kann grundsätzlich kostenlos spielen, von den Online-Gebühren für PS4 und Xbox One einmal abgesehen. Doch Red Dead Online ist für Publisher 2k Games kein Wegwerfprodukt: GTA Online, das Pendant für das vorherige Rockstar-Spiel Grand Theft Auto 5, hatte schon 2017 über eine Milliarde US-Dollar eingespielt – das entspricht 80 Prozent der Gesamtumsätze, die mit dem Blockbuster-Videospiel eingefahren wurden.

Das soll mit Red Dead Online nun nach Möglichkeit wiederholt werden. In der Beta von Red Dead Redemption 2 gibt es derzeit noch keine Mikrotransaktionen, also Zusatzzahlungen für virtuelle Inhalte wie Waffen und Kleidung. Mit dem fertigen Spiel wird sich das ändern. Schon jetzt kann man an der Ingame-Ökonomie sehen, wie Rockstar die Spieler zum Zahlen überreden will.

Quelle: Rockstar Games
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Goldbarren für Kosmetik

Das fängt damit an, dass es in Red Dead Online zwei Währungen gibt: Dollars und Goldbarren. Solche zweigleisigen Währungssysteme kennt man von vielen Free2Play-Titeln, gerade bei Handy-Spielen sind sie populär. Der Spieler soll sich durch das Spielen vor allem die Normal-Währung verdienen können. Die Premium-Währung – bei Red Dead Online sind es die Goldbarren – wird hingegen nur sehr langsam oder gar nicht durchs Spielen freigeschaltet. Hierfür soll der Spieler echtes Geld zahlen.

Wenn der Spieler regelmäßig Standard-Währung gutgeschrieben bekommt, hat er zumindest das Gefühl, ein wenig voranzuschreiten. Der wahre Spielfortschritt wird aber oft hinter der kostenpflichtigen Premium-Währung weggesperrt, um die langfristig kein Weg herumführt. Bei Red Dead Online kann man viele Gegenstände nur mit einer Währung kaufen. Verpflegung kostet zum Beispiel Dollar, die man sich nur erspielen kann. Kosmetische Gegenstände hingegen gibt es oft für Goldbarren, die man zu einem späteren Zeitpunkt auch mit der Kreditkarte bekommen wird. Entgegen der Aussagen von Rockstar sind es allerdings nicht nur kosmetische Items, die man mit Goldbarren kaufen kann: Auch einige Waffen und Pferde gibt es in der Beta-Version für Gold.

Geld oder Lebenszeit

Zwar bekommt man auch für das normale Spielen langsam Gold und muss theoretisch gar nichts zahlen, um alle Gegenstände freischalten zu können. In der Praxis wird das nichts, denn Red Dead Online geht aktuell nicht gerade spendabel mit seinen Währungen um. Auf Reddit haben Spieler ihre Erfahrungen mit dem Geldverdienen geteilt. Viele Berichte deuten darauf hin, dass man für einen Goldbarren rund acht Stunden Spielzeit einplanen muss. Um einen stinknormalen Revolver komplett schwarz zu färben, braucht man schon 12 Goldbarren – grob hundert Stunden Spielzeit also, eine absurde Menge. Das ist aber kaum verwunderlich, immerhin sollen die Goldbarren ja gegen Echtgeld gekauft werden.

Red Dead Online ist aber auch mit Dollars enorm knausrig. Wer zum Beispiel einen goldenen Ring erbeutet, kann ihn für gerade einmal 1,15 Dollar verkaufen. Dafür kann man sich nicht mal eine Dose Bohnen kaufen – die kostet 1,5 Dollar, schreibt ein anderer Reddit-Nutzer.

Red Dead Redemption 2 - Bilder aus dem Spiel (51 Bilder)

(Bild: Rockstar Games)

Es gibt in Red Dead Online günstigere Möglichkeiten, an notwendige Nahrung zu kommen, die Jagd etwa. Das Rechenbeispiel zeigt allerdings deutlich, wie stark die Ingame-Ökonomie gegen die Spieler gewichtet ist. Viele befürchten daher schon jetzt, dass sich recht schnell der sogenannte "Grind", also das krampfhafte Spielen nur um des Ressourcensammelns wegen, einstellen wird. Das bedeutet Arbeit, nicht Spielspaß.

Keine großen Änderungen zu erwarten

Für Rockstar ist das ein Balance-Akt: Die Spieler sollen möglichst langfristig gehalten werden, das Spiel muss also Spaß machen. Gleichzeitig müssen sie aber auch dazu motiviert werden, ab und zu mal etwas echtes Geld auszugeben. Zu einfach darf man es ihnen also nicht machen, zu frustrierend sollte das Spielen aber auch nicht werden.

"Unsere Ingame-Ökonomie muss noch ein bisschen ausbalanciert werden, damit alle Aktivitäten sich angemessen lohnen und Spaß machen", schreibt Rockstar in der Ankündigung zu den Änderungen. Details fehlen. Man sollte auf keinen Fall davon ausgehen, bald in Dollars und Goldbarren zu schwimmen – die künstliche Knappheit war nie ein Fehler, sondern eine bewusste Entscheidung.

Update: In der ersten Version des Artikels hieß es, man könne Waffen nur gegen Dollar kaufen. Tatsächlich lassen sich Waffen auch mit Gold freischalten, wenn ihre Level-Anforderungen erfüllt sind.

Zu Red Dead Redemption 2 siehe auch:

(dahe)

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