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Red Dead Redemption 2: Die Entschleunigung des Action-Adventures

Nach dem Live-Stream: Unsere Eindrücke aus den ersten Stunden des Gaming-Blockbusters Red Dead Redemption 2.

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Red Dead Redemption 2: Die Entschleunigung des Action-Adventures

(Bild: Rockstar Games)

Mehr als acht Jahre nach dem bahnbrechenden Wild-West-Abenteuer Red Dead Redemption von Rockstar Games können wir nun endlich den lang ersehnten, konsolenexklusiven Nachfolger spielen. Read Dead Redemption 2 ist viel größer als der Vorgänger, hat noch mehr Atmosphäre und wird jetzt schon als das ultimative Open-World-Spiel gehandelt.

Aber vor allem ist es eins: Entschleunigt. Beim Anspielen im Live-Stream stellten wir sehr schnell fest, dass die Action in diesem Action-Adventure hart erarbeitet werden will. Zuerst reiten wir erst mal gefühlt stundenlang durch den Schnee und müssen eine Menge Hillbilly-Smalltalk im Südstaaten-Akzent über uns ergehen lassen. Aber genau das ist es, was die Red-Dead-Reihe so besonders macht. Diese Spiele sind echte Western – und in guten Western wird schließlich auch erst mal gehörig Spannung aufgebaut, bevor der erste Schuss fällt.

Ride Me Down Easy

In den ersten paar Stunden Spielzeit macht Red Dead Redemption 2 einen großartigen Eindruck. Das Wetter ist atemberaubend, die Dialoge sind so gut synchronisiert, dass man sich wie in einem Kinofilm wähnt und die Welt sieht sehr echt aus. Von den Spuren im Schnee über die Wölfe, die sehr realistisch angeschossen zu Boden taumeln, bis zu den Texturen der Cowboy-Klamotten: Rockstar wird seinem Ruf gerecht. Red Dead 2 wirkt bis ins kleinste Detail ausgetüftelt und poliert. Zwar haben Personen in Spielen wie Shadow of the Tomb Raider schönere Gesichter, für ein Open-World-Spiel ist es allerdings verblüffend, was Rockstar hier bietet.

Red Dead Redemption 2 - Bilder aus dem Spiel (51 Bilder)

(Bild: Rockstar Games)

Der Bart des Hauptcharakters wächst mit der Zeit, seine Nase ist in Tarantino-esquen Einstellungen im Gegenlicht leicht transparent und zusammen mit dem grummeligen Auftreten hat man das Gefühl, hier könnte auch ein Eastwood oder Bronson am Werk sein. Wenn man mit seiner Posse durch den Schnee reitet, ist man direkt mitten drin im Western-Epos. Allein die deutsche Übersetzung und die Untertitel sind zum Teil sehr holprig. Wenn man kann, stellt man die wohl am besten ab.

Don't Take Your Guns to Town

Die Steuerung machte uns beim Anspielen im Live-Stream einige Male Probleme. Generell ist es in der offenen Welt etwas zu leicht, im falschen Moment blanken Stahl zu ziehen und das ganze Kuhdorf mit dem offen zur Schau gestellten Colt Peacemaker in Aufregung zu versetzen. Auch sollte man sich nicht drauf einstellen, dass das tödliche Umreiten eines unbeteiligten Cowpoke ähnlich folgenlos bleibt wie ein Verkehrsunfall in Rockstars GTA-Serie. Wir entschlossen uns, nachdem wir von der halben Stadt verfolgt wurden, schließlich dazu, unser Kopfgeld beim Sheriff zu zahlen. Glücklicherweise bot der uns gleich erst mal einen Job als Kopfgeldjäger an, statt uns festzunehmen.

Die Momente, wenn die spontanen Reaktionen auf die Umwelt allerdings funktionieren und man eine brenzlige Situation einzig durch geschicktes Ziehen des Colts entschärft, sind grandios. Die Entwickler haben die Mimik und Gestik der Cowboys wirklich bis aufs kleinste Detail nachgebildet. Man kann zum Beispiel am typischen Beseiteschieben des Mantels erkennen, dass sich auch das Gegenüber bereit macht, zum eigenen Schießeisen zu greifen.

Rough and Rowdy Days

Red Dead Redemption 2 spielt einige Jahre vor dem Vorgänger und man trifft auch ziemlich am Anfang dessen Hauptcharakter. Grob handeln beide Spiele also von derselben Welt: Der Alte Westen neigt sich dem Ende zu, Outlaws werden von der Pinkerton Detective Agency gejagt und die Industrialisierung verdrängt die Freiheit und Wildheit der unberührten Natur. Read Dead 2 besticht aber von Anfang an mit einem ganz eigenen Look: Schneestürme statt trockener Wüsten sorgen für einen ganz eigenen Ton, der eher an neuere Tarantino-Western als an Sergio Leones Spaghetti-Klassiker erinnern. In den ersten Stunden macht das Spiel auf jeden Fall Spaß, wenn man Western mag und sich an die Entschleunigung gewöhnen kann. Denn auch zu Pferd oder auf der Kutsche kommt man in der riesigen Welt bei weitem nicht so schnell vom Fleck wie GTA-Spieler es gewohnt sind. Immerhin kann man später mit der Postkutsche oder dem Zug fahren – da hat die Zivilisation auch für den Gesetzlosen etwas Gutes.

Für Western-Fans scheint Red Dead 2 ein Muss zu sein, vor allem wenn sie bereits eine Playstation 4 oder Xbox One besitzen. Ob man sich allerdings extra eine Konsole für das Spiel kaufen will, muss wohl jeder selbst entscheiden. Bisher ist es jedenfalls nicht für den PC angekündigt. (fab)

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