Redmonitor macht Kursprognosen zu handelbarer Information

Der Prognosemarkt werde gleichberechtigt neben Aktienmarkt und Warenmarkt stehen, meint der Betreiber einer neuen Plattform. Sie erstellt aus Prognosen der Mitwirkenden unter anderem auf Aktienkurse einen Marktkonsens und andere verwertbare Daten.

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Von
  • Daniel AJ Sokolov

Mit Redmonitor hat am Dienstag eine neue Prognosebörse ihren "Public Beta"-Betrieb aufgenommen. Jedermann kann online Prognosen auf Aktienkurse und andere Finanzdaten abgeben und damit Geld verdienen. Gleichzeitig werden die anonymisierten Markteinschätzungen aller Teilnehmer automatisch dazu herangezogen, einen Marktkonsens ("RealPrice") und andere verwertbare Daten zu errechnen. Der RealPrice soll weniger anfällig für Überreaktionen (Blasen, Crashes) und Kursmanipulationen sein und wird rund um die Uhr erstellt – also auch dann, wenn eine Börse geschlossen hat oder das Papier vom Handel ausgesetzt ist. Die Universität Graz untersucht und dokumentiert während der "Public Beta"-Phase die prognostischen Eigenschaften des neuen Online-Markts.

"Wir hoffen, dass unser Markt den Börsen immer ein bisschen voraus ist", sagte Firmengründer Hubertus J. Hofkirchner am Dienstag in Wien. "Redmonitor ist keine Handelsplattform, sondern ein neues Wirtschaftssystem. Der Prognosemarkt wird einmal völlig gleichberechtigt neben Aktienmarkt und Warenmarkt stehen." Hofkirchner war früher als Manager bei Banken im Online- und Telekom-Bereich tätig. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er als Manager des österreichischen Mobilfunk-Netzbetreibers tele.ring bekannt, den er aus tiefroten Zahlen zu positiven Ergebnissen führte.

Im Unterschied zu herkömmlichen Börsen sind bei Redmonitor wesentlich geringere Beträge (1 Euro bis 200 Euro) für gleich hohe Erträge erforderlich. Dabei werden aber keine Wetten mit dem Plattformbetreiber abgeschlossen, sondern das System verknüpft automatisch jene eingegebenen Prognosen einzelner User, die am Weitesten auseinander liegen. Die Rendite ist dabei umso höher, je weiter die Vorhersagen der Teilnehmer auseinander liegen. Hofkirchner erwartet, dass typischerweise der 100- bis 200-fache Betrag an einer herkömmlichen Börse eingesetzt werden müsste, um vergleichbare Gewinnchancen zu erreichen.

Während an klassischen Optionsbörsen der Verlust praktisch unbegrenzt sein kann, ist das Risiko bei Redmonitor stets mit der Höhe des Einsatzes begrenzt. Nur Nutzer, die tatsächlich Gewinne erzielen, müssen davon fünf Prozent Gebühren an Redmonitor bezahlen. Findet sich keine Prognose eines andere Nutzers, die ausreichend widersprüchlich ist, wird der Einsatz des Teilnehmers nicht von seinem Guthaben abgezogen. Auch "Teilausführungen" sind möglich. Wer mit wem "gematcht" wird, bleibt geheim. "Die Anonymität der Prognosen ist wichtig", erläuterte Hofkirchner. "Ein Name wie zum Beispiel 'Goldman-Sachs' würde der Vorhersage schon ein besonderes Gewicht verleihen." Das System brauche aber keine "Experten", sondern Einschätzungen möglichst vieler Marktteilnehmer.

Wenn die Vorhersage-Qualität der neuen Prognoseplattform erwiesen worden sei, möchte Hofkirchner die gewonnenen Daten selbst vertreiben. So könnten die Daten an Onlinemedien verkauft werden, die sie parallel zur Echtzeitkursen einblenden oder an Berichte über bestimmte Unternehmen oder Waren anfügen würden.

Zu Beginn können Prognosen für die Entwicklung der Hauptindizes von zehn Börsen und deren wichtigste Aktien abgegeben werden (rund 600 Werte). Es kann der erwartete Kurs zur nächsten vollen Stunde oder am Ende des Handelstages genannt werden und mit einem beliebigen Betrag von 1 bis 200 Euro "fundiert" werden. Das Angebot möchte der Betreiber fortlaufend ausbauen, sodass einerseits längerfristige Vorhersagen, andererseits Prognosen für volkswirtschaftliche Indizes wie Zinssätze oder Inflationswerte möglich sind. Außerdem ist an die Einbeziehung wesentlicher Eckdaten großer Unternehmen (Umsätze, Kundenzahlen, EBITDA, etc.) gedacht. "Redmonitor funktioniert für alles, was durch eine Autorität messbar ist", betont Hofkirchner. Erfahrene User können neben dem konkret erwarteten Preis auch die Schwankungsbreite der eigenen Prognose (Volatilität) und die gewünschte Mindestrendite eingeben. Geplant sind auch Übersetzungen der Website ins Englische und andere Sprachen. (Daniel AJ Sokolov) / (jk)