Menü

Reform als Signal an ICANN-Gegner

vorlesen Drucken Kommentare lesen 11 Beiträge

Einstimmig hat der Vorstand der ICANN bei seiner Sitzung zum Abschluss der Tagung in Bukarest ein Konzept zur Strukturreform beschlossen. Vint Cerf, Vorsitzender der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers, sprach von einem äußerst wichtigen Moment für den Vorstand und die ICANN Community, denn man habe nun zumindest die Basis für eine neue Struktur. Mit dieser Entscheidung fühlt man sich erst einmal gewappnet für die Verhandlungen mit dem US-amerikanischen Handelsministerium, das seinen Vertrag mit der privaten DNS-Verwaltung im September erneuern muss. In den USA war von verschiedenen Seiten eine Neuausschreibung der ICANN-Aufgaben ins Gespräch gebracht worden.

Verlierer der Reform sind in erster Linie die Vertreter einer direkten Teilhabe von Endnutzern im ICANN-Prozess. Der für Europa gewählte Direktor Andy Müller-Maguhn setzte zwar in der Vorstandssitzung gegen anfänglichen Widerstand einiger Direktoren durch, dass das Reformkomitee der gleichberechtigten Teilhabe der verschiedenen Regionen besondere Beachtung schenkt. Doch daran, dass es nach seiner Amtszeit keinen von Nutzern gewählten Direktor mehr geben wird, konnte der ccc-Aktivist nichts ändern.

"Alles ist untergegangen im 'Reform und Evolution-Prozess'", meint Müller-Maguhn. Möglicherweise hätten sich die Nutzervertreter zu stark auf die Maximalforderungen nach neun Direktoren konzentriert und dabei den Aufbau eigener Strukturen vernachlässigt, vermutet Alexander Svensson, Vizechef des General Assembly. Esther Dyson, ehemalige ICANN-Vorsitzende und At-large-Aktivistin, freute sich schon darüber, dass das Reformkomitee vom Vorstand beauftragt wurde, ein beratendes Gremium für Nutzerorganisationen "zu erwägen". Dyson gegenüber heise online: "Wir haben immerhin ein 'vielleicht' bekommen, ich finde, es ist ein hoffnungsvolles 'vielleicht'." (Monika Ermert) / (anw)