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Regierung Südkoreas plant eine "Charta für Roboterethik"

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Die südkoreanische Regierung plant, wie das Ministerium für Wirtschaft, Industrie und Energie heute mitgeteilt hat, die Herausgabe einer "ethischen Richtlinie für die Hersteller und Benutzer von Robotern", aber auch für die Roboter selbst. Für die Erstellung der "Charta für Roboterethik" werde man Rat bei zahlreichen Experten einholen und dafür eine Arbeitsgruppe einrichten. Damit will man die Zeit antizipieren, "wenn Roboter, vor allem intelligente Service-Roboter, zu einem Teil des Alltagslebens werden". Roboter seien ein wichtiger Wachstumsmarkt für Korea. Um die Robotik zu fördern, hat die koreanische Regierung den ehrgeizigen Plan gefasst, dass bis 2020 jeder Haushalt mindestens über einen Roboter verfügen soll. Überdies will man bewaffnete Roboter (Selbstschussanlagen) an der Grenze zu Nordkorea einsetzen, die nach einer Warnung automatisch feuern sollen.

Offenbar wollen die Südkoreaner nicht ganz den Europäern hinterherhinken. Der allerdings nicht auf staatlicher Ebene angesiedelte Verband European Robotics Research Network (EURON) will nämlich unter der Federführung von Gianmarco Verruggio, Leiter der Robotikabteilung am Institut für Schiffsautomation des Nationalen Forschungsrats in Genua, eine seit 2005 geplante Roboterethik vorlegen. Sie soll ethische Fragen "systematisch" bewerten, die bei der Forschung und Entwicklung in der Robotik auftreten, das Verständnis der Probleme verbessern und eine entsprechende transdisziplinäre Forschung fördern. Der nächste Workshop findet im April in Rom statt.

Auch hier betrifft die Ethik nicht nur die Wissenschaftler, sondern vor allem auch die kognitiven Systeme der Roboter, die in allen möglichen Varianten in einer Vielzahl von Bereichen in Zukunft eingesetzt werden können. So müsse die Kontrolle der Menschen über die Roboter sichergestellt sein, eine illegale Nutzung verhindert werden, die von Robotern gesammelten Daten geschützt sein, und jeder Roboter müsse identifizier- und verfolgbar sein. Roboter werden nicht nur intelligenter und lernfähiger, sie dringen auch in die alltägliche Lebenswelt des Menschen ein, werden auch mit Waffen ausgestattet oder sollen autonom Entscheidungen treffen. Zudem trete der Mensch mit Sicherheit noch in diesem Jahrhundert mit Robotern als der ersten fremden Intelligenz in Kontakt. Dabei geht es nicht nur um Kontrolle, Verlässlichkeit, Vorhersagbarkeit und mögliche Gefährdung von Menschen, sondern etwa um die Fragen der Autonomie, des freien Willens, der Persönlichkeit oder von Emotionen. (fr)