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Regulierer: Auftragsstau behindert DSL-Wettbewerb

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Die Bundesnetzagentur sieht das Wachstum des Breitbandmarkts durch Engpässe bei der Deutschen Telekom behindert. "Es gibt einen großen Auftragsstau bei der Bestellung der Teilnehmeranschlussleitung", sagte Chefregulierer Matthias Kurth am heutigen Dienstag in Bonn. "Unabhängig von der Frage, ob hier eine Diskriminierung der Wettbewerber vorliegt, was wir zurzeit prüfen, appelliere ich an die Deutsche Telekom, den Auftragsstau so schnell wie möglich abzuarbeiten", sagte Kurth. Wechselbereite Kunden dürften nicht abgeschreckt werden.

Die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) bildet die "letzte Meile" zum Kunden. Sie wird von der Telekom zu regulierten Sätzen an die Wettbewerber vermietet, die darüber ihren Kunden Telefon- und DSL-Anschlüsse anbieten können. Dafür muss die Telekom die TAL auf das Netz des jeweiligen Anbieters schalten. Bei dieser Umschaltung kommt es – insbesondere bei starker Nachfrage – immer wieder zu Verzögerungen. Die DSL-Anbieter unterstellen der Telekom dabei Absicht: Der Ex-Monopolist soll seine Marktmacht missbrauchen, um den Wettbewerb zu behindern. Zuletzt hatten Arcor und auch Telefónica Deutschland bei der Bundesnetzagentur ein entsprechendes Missbrauchsverfahren angestrengt, das die Regulierungsbehörde derzeit prüft.

Die Telekom weist die Vorwürfe zurück und hält dagegen, dass schon jetzt mehr Anschlüsse geschaltet würden, als in den Verträgen mit dem jeweiligen Wettbewerber vorgesehen seien. Der Konkurrenz ist das nicht genug, weil es dem Ansturm auf die DSL-Angebote nicht gerecht wird. Die Zahl der auf Umstellung des Anschlusses wartenden Kunden beziffert der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) auf über 100.000. "Die Zahl der Kunden, die bei der Telekom sozusagen in der Warteschleife hängen, ist heute sogar deutlich höher als während des Streiks", mahnt VATM-Chef Jürgen Grützner.

Der Verbandschef bekräftigt die Vorwürfe seiner Klientel. "Die Tatsache, dass die Telekom bei ihren eigenen Kunden die Umschaltung innerhalb weniger Tage vornimmt, belegt dabei, dass es sich nicht um prozessbedingte Verzögerungen handelt, sondern um Diskriminierung auf breiter Front", kritisert Grützner. Er fordert den Regulierer auf, die Telekom unverzüglich zu einer schnellen Bereitstellung der Teilnehmeranschlussleitungen zu verpflichten.

Ob und wie die Bundesnetzagentur auf die Missbrauchsvorwürfe reagiert, entscheidet die zuständige Beschlusskammer. Bis dahin lässt es der Chefregulierer noch mit einer Mahnung an die Telekom bewenden. "Der Markt und die Kunden können erwarten, dass die Deutsche Telekom die gleichen Anstrengungen bei der Betreuung ihrer Carrierkunden unternimmt, wie im Bereich ihrer Endkundenleistungen", sagte Kurth.

Trotz der Engpässe äußerte sich der Behördenchef zufrieden über die Entwicklung des deutschen Breitbandmarkts. Bis zum Jahresende würden knapp 20 Millionen schnelle Internetzugänge geschaltet werden. Der Großteil davon entfällt auf die von den Telekomfirmen forcierte DSL-Technik, nur ein kleiner Teil auf die TV-Kabelnetzanbieter. (vbr)