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Regulierer: Internet häufig langsamer als vertraglich vereinbart

Die Auswertung von rund 700.000 Bandbreitenmessungen bei der Bundesnetzagentur stellt den deutschen Zugangsanbietern kein besonders gutes Zeugnis aus: Viele Nutzer erhalten nicht einmal die Hälfte der versprochenen Bandbreite.

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Deutsche Telekom

(Bild: dpa, Rolf Vennenbernd)

Die Bundesnetzagentur hat am Mittwoch zum zweiten Mal ihre Auswertung der Bandbreitenmessungen des vergangenen Jahres vorgelegt. Demnach surfen immer noch viele Kunden deutlich langsamer als vom Anbieter versprochen. Bei fast einem Drittel der Nutzer erreichten die Verbindungen nicht einmal die Hälfte der vertraglich vereinbarten Bandbreite. „Über alle Bandbreitenklassen und Anbieter hinweg erreichen Kunden nach wie vor oft nicht die maximale Geschwindigkeit, die ihnen die Anbieter in Aussicht gestellt haben”, kritisiert der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann.

So erhielten 71,6 Prozent der Nutzer mindestens die Hälfte der vertraglich vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate. Nur 12 Prozent der Anschlussinhaber konnten die Maximalgeschwindigkeit auch tatsächlich nutzen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich insgesamt nicht viel getan, auch waren erneut zwei Drittel der Kunden mit der Leistung ihres Anbieters mindestens zufrieden. Behördenchef Homann sieh dennoch „weiterhin Handlungsbedarf bei den Breitbandanbietern”.

Bandbreite Prozent der vertraglich zugesicherten Leistung
Klasse Mbit/s 50% 60% 70% 80% 90% 100%
1 2 – 8 71,6% 66,6% 60,6% 50,0% 40,4% 8,6%
2 8 – 16 65,8% 56,1% 42,7% 27,5% 14,5% 4,6%
3 16 – 25 69,1% 57,4% 47,2% 36,7% 28,9% 13,4%
4 25 – 50 83,1% 78,4% 74,0% 67,6% 59,5% 22,7%
5 50 – 100 76,8% 73,4% 69,6% 64,1% 56,7% 8,6%
6 100 – 200 73,4% 67,9% 62,0% 53,6% 44,5% 18,5%
7 200 – 500 56,7% 51,1% 46,2% 41,7% 36,9% 23,3%
Anteil der Kunden, die mindestens x Prozent der vereinbarten Maximalbandbreite erhalten. (Daten: Bundesnetzagentur)

Im Festnetz wurde der niedrigste Wert in der überwiegend von ADSL-Anschlüssen geprägten Bandbreitenklasse von 8 bis kleiner 18 Mbit/s erzielt, erklärte die Regulierungsbehörde. Im Tagesverlauf habe insbesondere in der von den Kabelnetzbetreibern geprägten Bandbreitenklasse 200 bis 500 Mbit/s die Leistung in Spitzennutzungszeiten am Abend stark abgenommen.

Anbieter Prozent der vertraglich zugesicherten Leistung
50% 60% 70% 80% 90% 100%
Telekom 75,3 % 70,0 % 62,7 % 51,8 % 40,2 % 3,2 %
Vodafone 70,8 % 65,4 % 59,6 % 53,1 % 45,7 % 19,5 %
1&1 67,9 % 61,9 % 54,3 % 45,5 % 36,5 % 2,6 %
Unitymedia 72,9 % 66,8 % 60,2 % 51,8 % 45,8 % 37,1 %
Telefónica 60,7 % 53,4 % 46,0 % 38,4 % 31,3 % 11,5 %
Sonstige 73,4 % 67,2 % 60,4 % 52,6 % 42,4 % 10,4 %
EWE 64,1 % 56,4 % 47,8 % 39,1 % 31,7 % 19,0 %
M-net 80,5 % 72,5 % 64,8 % 56,8 % 46,4 % 20,8 %
Netcologne 74,6 % 68,6 % 61,3 % 54,0 % 45,8 % 9,4 %
Quix 78,6 % 73,8 % 67,1 % 57,5 % 46,1 % 1,8 %
Tele Columbus 73,1 % 68,7 % 62,6 % 53,1 % 46,9 % 7,2 %
osnatel 65,2 % 52,1 % 43,6 % 33,0 % 25,4 % 11,8 %
Congstar 64,0 % 56,4 % 49,1 % 40,3 % 29,9 % 3,2 %
Primacom 65,8 % 60,2 % 52,8 % 42,9 % 35,2 % 3,7 %
inexio 82,4 % 77,3 % 72,3 % 63,5 % 51,3 % 2,3 %
htp 81,4 % 76,5 % 69,0 % 60,2 % 50,1 % 14,7 %
cablesrurf 76,0 % 71,1 % 65,9 % 57,1 % 50,6 % 4,1 %
Dt. Glasfaser 74,3 % 67,1 % 62,7 % 58,4 % 53,8 % 35,6 %
easybell 67,3 % 57,7 % 39,4 % 27,3 % 13,4 % 1,0 %
Anteil der Kunden, die mindestens x Prozent der vereinbarten Bandbreite erhalten, nach Anbieter. (Daten: Bundesnetzagentur)
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Im Mobilfunk ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit noch größer. Nur 18,6 Prozent der Nutzer kamen auf mindestens die Hälfte der vertraglich vereinbarten Höchstgeschwindigkeit. Gegenüber dem Vorjahreswert von 27,6 Prozent war das deutlich schlechter. Nur 1,6 Prozent der Nutzer bekamen laut jüngster Studie die vereinbarte Höchstgeschwindigkeit oder sogar eine noch schnellere Verbindung. Dennoch zeigten sich drei von vier Nutzern mindestens zufrieden mit ihrem Anbieter.

Die Bundesnetzagentur hat Messungen berücksichtigt, die von Oktober 2016 bis zum Ende September 2017 auf der dafür eingerichteten Seite www.breitbandmessung.de oder mit einer App (Android und iOS) durchgeführt wurden. Dem Bericht liegen 437.192 Messungen für Festnetzanschlüsse und 245.143 Messungen für mobile Breitbandanschlüsse zu Grunde.

Um die Messungen zu verbessern will die Regulierungsbehörde künftig auch eine auf PCs installierbare Mess-Software anbieten, die vom IT-Dienstleister Zafaco entwickelt wird, vom dem auch die Mobil-Apps stammen. Die PC-Anwendung sei noch nicht fertig, erklärte ein Behördensprecher, ein Veröffentlichungsdatum gibt es auch noch nicht. Die Netzbetreiber kritisieren das Projekt für fehlende Transparenz und halten es für völlig ungeeignet. Datenschützer und Netzaktivisten kritisieren den Datenhunger der Anwendung. Das werde beim weiteren Entwicklungsprozess berücksichtigt, sagte der Sprecher. (vbr)

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