Menü

Regulierer: Letzte Meile soll teurer werden

Die Miete für eine Teilnehmeranschlussleitung der Telekom ist seit Jahren gesunken – jetzt soll sie wieder teurer werden. Der Telekom gefällt das.

vorlesen Drucken Kommentare lesen 136 Beiträge
Regulierer: Letzte Meile soll teurer werden

Auch der Platz in einem Multifunktionsgehäuse soll etwas billiger werden.

(Bild: heise online)

Die Bundesnetzagentur will die monatliche Miete für die "letzte Meile" zum Kunden erhöhen. Wettbewerber der Telekom, die von dem Ex-Monopolisten eine Teilnehmeranschlussleitung (TAL) mieten, sollen dafür in Zukunft bis zu 12 Prozent mehr bezahlen. Das geht aus dem Entgeltvorschlag hervor, den die Regulierungsbehörde am Mittwoch vorgelegt hat. Die Bundesnetzagentur begründet die Mieterhöhung mit dem "Anstieg nahezu sämtlicher relevanter Preisparameter" und "insbesondere der Tiefbaupreise".

Dem Vorschlag der Bundesnetzagentur zufolge soll die Miete für eine TAL von 10,02 Euro auf 11,19 Euro netto monatlich steigen. Übernimmt der Wettbewerber die Leitung nicht am Hauptverteiler (HvT), sondern am Kabelverzweiger (KvZ), steigt die Miete von 6,77 Euro auf 7,05 Euro pro Monat. Darüber hinaus will die Bundesnetzagentur auch die Preise für andere Vorleistung wie zum Beispiel den KvZ-Zugang über Leerrohre der Telekom oder einen Steckplatz in einem Multifunktionsgehäuse leicht senken.

Die Erschließung eines KvZ mittels Glasfaser soll künftig deutlich billiger werden und von 46,76 Euro auf 13,61 Euro sinken. Im Hinblick auf die deutliche Erhöhung der TAL-Miete ab dem HvT scheint die Regulierungsbehörde hier die Strategie zu verfolgen, den Ausbau schneller Breitbandverbindungen anregen zu wollen. In den vergangenen Jahren hatte die Regulierungsbehörde die TAL-Entgelte regelmäßig gesenkt.

Für die Telekom ist das ein "Schritt in die richtige Richtung", sagte ein Sprecher. Allerdings bleibe der höhere Preis "unter den von der Deutschen Telekom beantragten und nachgewiesenen Kosten". Studien zufolge habe sich der Tiefbau in den vergangenen zwei Jahren um mehr als 30 Prozent verteuert.

Der Branchenverband VATM nannte die geplanten Entgelte jedoch "Gift für den Glasfaserausbau". Nach Berechnung des Verbandes bekommt die Deutsche Telekom durch die Anhebung künftig pro Jahr 60 Millionen Euro mehr von ihren Wettbewerbern. Ein Vodafone-Sprecher nahm die Erhöhungspläne "mit Erstaunen" zur Kenntnis: "Die Erhöhung der Entgelte für die Nutzung der alten, abgeschriebenen Kupferinfrastruktur senkt den Anreiz für die Telekom, in den Glasfaserausbau zu investieren."

Die neuen Entgelte sollen ab dem 1. Juli und dann für drei Jahre gelten. Betroffene Unternehmen können noch versuchen, mit Stellungnahmen auf die Entgeltfestsetzung Einfluss zu nehmen. Anschließend wird der Vorschlag noch der Europäischen Kommission und den eueropäischen Regulierungsbehörden übermittelt. Sofern die Europäische Kommission keine ernsthaften Bedenken gegen die Entscheidungen äußert, können sie endgültig in Kraft treten. (vbr)