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MWC

Reingehört: THX verspricht perfekten 3D-Sound – mit einem Foto vom Ohr

Klingt nach einem Aprilscherz, ist aber wahr: Ein Foto vom Ohr soll reichen, um die perfekte Audioausgabe über Kopfhörer sicherzustellen. heise online hat es ausprobiert.

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Reingehört: THX verspricht perfekten 3D-Sound - mit einem Foto vom Ohr

(Bild: heise online / Nico Jurran)

Die Zeiten, in denen THX eine echte Hausnummer in den Bereichen Kino- und Heimkinosound war, sind lange her. Zuletzt erhielt das Unternehmen Ende 2016 offentliche Aufmerksamkeit, als es vom für Gaming-Hardware bekannte Unternehmen Razer gekauft wurde.

Auf dem diesjährigen MWC will sich THX nun mit seiner neuen Sparte "THX Technology" neu positionieren – als Anbieter einer End-To-End-Lösung für Raumklang auf Grundlage von MPEG-H. Dazu gehören unter anderem Plug-ins für Produktionsumgebungen wie Pro Tools und Spiele-Entwicklungsplattformen wie Unity.

Wirklich heraus sticht allerdings eine Entwicklung: THX verspricht, einen einfachen Weg gefunden zu haben, um die Audioausgabe über Kopfhörer individuell an das jeweilige akustische Ortungs- und Lokalisationssystem des Zuhörers anzupassen. Diese sogenannten“Head Related Transfer Functions (HRTF)” ist abhängig von der unterschiedlichen Beschaffenheit von Gesicht und Ohren jedes Einzelnen.

Die Werte ließen sich laut THX bislang nur aufwendig über Stunden oder gar Tage errechnen. Dank Machine Learning und Datenverarbeitung in der Cloud soll dies nun hingegen in weniger als einer Minute erledigt sein. Vor allem aber soll ein Foto eines der Ohren des Nutzers für die Berechnung reichen. Das klang so schräg, dass ich es ausprobieren musste.

Nachdem per Handy ein Foto eines meiner Ohren gemacht und in die Cloud hochgeladen wurde, stand nach gut einer halben Minute das Ergebnis bereit. Eingespeist wurde mein "Ohrprofil" dann in ein Audioprogramm, das eine Musikaufnahme aus sieben virtuellen Lautsprechern rund um den Kopf etwa auf Nasenhöhe und vier virtuellen Schallquellen über dem Kopf erschallen ließ. Die einzelnen Kanäle konnte ich dabei ein- und ausschalten. Zum Vergleich konnte ich auf eine allgemeine HRTF wechseln, die laut THX Industriestandard entspricht.

Das Ergebnis war eindeutig: Mit der Standard-Funktion klang die Aufnahme schrecklich, kam blechern und ohne echte Räumlichkeit rüber. Mit den von THX berechneten Korrekturen war der Sound hingegen druckvoll, sauber und räumlich.

Allerdings muss man anmerken, dass die gesamte Kontrolle über die Vorführung bei THX lag: Letzlich hatte ich keine Möglichkeit nachzuprüfen, ob die Standard-Funktion wirklich Standard ist – und dass als Alternative tatsächlich eine an mein Gehör angepasste Korrekturkurve zum Einsatz kam. Aber ich muss THX zugestehen, dass die "individualisierte" HRTF wirklich gut klang und ich auch durchaus einen gewissen Über-Kopf-Effekt vernehmen konnte.

THX will seine Lösung beispielweise an Smartphone-Hersteller lizenzieren, die die Individualisierung ihrerseits den Käufern anbieten könnten. Die Cloud-Berechnungen sollen dabei weiterhin über die THX-Server laufen – auch, um das Ergebnis in Zukunft immer weiter zu verbessern. Laut Entwickler hat man bislang mehrere tausend Ohren erfasst. THX hat zudem eine größere Vision: Kunden sollen ihr "Ohr-Profil" künftig an mehreren Geräten nutzen können.

Auf Nachfrage erklärte das Unternehmen, dass sich die Lösung zwar nicht mit jedem, aber doch mit einer ganzen Reihe von Kopfhörern nutzen ließe. Bei der Vorführung fragte die zugehörige Smartphone-App beim Einstecken des Kopfhörerkabels, welches Modell gerade zum Einsatz kommt. (nij)

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