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Rekordbeschäftigung bei Informatikern und Ingenieuren

In fünf Jahren nahm die Beschäftigung um ein Viertel zu. Während IT und E-Technik florieren, könnte es für Mitarbeiter bei Autozulieferern düster aussehen.

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«Coworking»

(Bild: dpa, Georg Wendt)

heise jobs – der IT-Stellenmarkt

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Der Arbeitsmarkt für Ingenieure und IT-Fachkräfte ist fast leergefegt, wie der aktuelle Ingenieurmonitor des Verein Deutscher Ingenieure (VDI) zeigt. Laut der Untersuchung, die vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) vierteljährlich erstellt wird, waren im vierten Quartal 2018 im Schnitt 126.060 Stellen monatlich zu besetzen, während gleichzeitig nur 29.465 Personen nach einer Arbeitsstelle suchten.

Die Autoren der Studie stellten einen neuen Beschäftigungsrekord fest: Im zweiten Quartal des Jahres 2018 waren demnach bundesweit rund 1,21 Millionen Arbeitskräfte in Ingenieur- und Informatikerberufen beschäftigt – so viele wie nie zuvor. Die sei eine Steigerung von einem Viertel innerhalb von nur fünf Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Nachfrage um 3,8 Prozent zu.

Grund für die Nachfrage ist die gute Wirtschaftslage in Deutschland, von der insbesondere zwei Bereiche profitierten. So gab es in den Informatikerberufen durchschnittlich 42.920 offene Stellen, gefolgt von den Bauingenieurberufen mit 32.630 offenen Stellen. Insgesamt hat sich der Engpass im Vergleich zum Vorjahr aber verringert: Hier meldete der VDI insgesamt noch über 130.000 offene Stellen.

Problem bei der Messung des Arbeitsmarktes für Ingenieure: Nur wenige offene Stellen werden an die Bundesagentur für Arbeit gemeldet und gehen damit in deren amtliche Statistik ein. Der VDI geht hier von einer Quote von 18,9 Prozent aus. Der Rest der Stellen wurde über andere Wege wie Online-Stellenportale ausgeschrieben.

Den gemeldeten offenen Stellen standen demnach auch nur ein Bruchteil von offiziell gemeldeten Arbeitslosen gegenüber. So gab es in den Informatikerberufen bundesweit pro Monat im Schnitt 7622 Arbeitslose, in allen Berufssparten waren es 29.465. Dies waren 7,8 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Die Arbeitslosigkeit von Informatikern nahm im Vergleich nur 3,1 Prozent ab.

Obwohl die Konjunkturaussichten für die kommenden Jahre nach unten korrigiert wurden, geht der VDI weiterhin von einer steigenden Nachfrage in vielen Branchen aus: "Für die Bewältigung aktueller und künftiger IT-und Digitalisierungsprojekte, von der Gestaltung von Smart Homes über die Mobilität 4.0 bis hin zur IT-Sicherheit, ist der deutsche Arbeitsmarkt auf Experten, insbesondere auch aus dem Ingenieur- und Informatikbereich, angewiesen", heißt es in einer Stellungnahme des Verbandes. Insbesondere Fachkräfte die sich sowohl im Bereich IT als auch in der Elektrotechnik auskennen, seien heiß begehrt.

In der Automobilindustrie sind laut VDI bereits heute "leichte Eintrübungen" zu bemerken. Mit der Umstellung auf Elektro-Antriebe wird sich dies aber Verschärfen. Laut einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) könnte der Übergang zur Elektromobilität langfristig rund 114.000 Jobs in Deutschland kosten. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann geht sogar von 150.000 Arbeitsplätzen alleine in der Produktion aus, wenn der Kohlendioxid-Ausstoß bei Neuwagen bis 2030 um 37,5 Prozent reduziert werden solle. Hauptsächlich betroffen seien davon Zulieferer der Automobilindustrie. Derzeit sind mehr als 800.000 Menschen in dem Wirtschaftszweig beschäftigt.

Unterdessen sorgt sich der VDI auch darum, dass die aktuelle Ingenieursausbildung hinter den Erfordernissen der künftigen Berufsschwerpunkte zurückbleibe. So hatten bei einer Umfrage des Verbandes nur 11 Prozent der Studierenden angegeben, dass sie von den Ausbildungsstätten gut auf Realitäten wie die Einführung von Techniken wie Künstlicher Intelligenz vorbereitet seien. Bei Berufseinsteigern lag dieser Wert sogar nur bei 9 Prozent. „Die Digitale Transformation muss sich in den Curricula im Pflichtbereich niederschlagen, wenn wir weiterhin führender Technikstandort sein wollen“, sagte VDI-Direktor Ralph Appel Anfang April. (axk)