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Rekordverlust bei HP

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Hewlett-Packard hat Mittwochabend den größten Quartalsverlust der Firmengeschichte bekannt gegeben. 8,9 Milliarden US-Dollar Miese musste der weltgrößte Computerhersteller im dritten Geschäftsquartal (bis 31. Juli) verbuchen. Der Umsatz war mit 29,7 Milliarden US-Dollar nur gut dreimal so hoch wie der Verlust. Im dritten Quartal des vorangegangenen Finanzjahres hatte HP noch 31,2 Milliarden US-Dollar umgesetzt und dabei 1,9 Milliarden US-Dollar verdient. Auch für das Gesamtjahr erwartet HP einen Verlust, der aber deutlich niedriger ausfallen soll als der aktuelle Quartalsverlust.

HPs Verlust ist auf Abschreibungen von über neun Milliarden US-Dollar zurückzuführen. Die Buchwerte etwa der Marke Compaq und von in der Vergangenheit zu teuer übernommenen Unternehmen mussten reduziert werden. Abhängig vom weiteren Geschäftsverlauf könnten im laufenden vierten Quartal weitere Abschreibungen notwendig werden, warnte das Unternehmen Finanzanalysten. CEO Meg Whitman bat, wie schon Michael Dell bei der Präsentation der Dell-Ergebnisse am Vortag, um Geduld. Der laufende Umbau und die Neuausrichtung des Unternehmens würden noch mehrere Jahre dauern.

Whitmans Programm sieht unter anderem den Abbau von 27.000 Stellen vor, nachdem 2008 bereits 24.600 und 2005 insgesamt 14.500 Stellen gestrichen worden waren. Mit höheren Abfindungen werden derzeit ältere Mitarbeiter in die Frühpension gelockt, was 1,8 Milliarden US-Dollar gekostet hat. Ohne Abschreibungen und Restrukturierungskosten hätte HP also Gewinn geschrieben, der minimal über den Börsenerwartungen lag.

Trotzdem ist die Situation auch operativ nicht rosig. Der Umsatz ist das vierte Quartal in Folge rückläufig, unter Berücksichtigung von Wechselkursschwankungen ist es sogar das fünfte Quartal in Folge. Die HP-Aktie, die im Sog der bescheidenen Zahlen von Dell schon unter Tags 3,7 Prozent an Wert verloren hatte, legte Mittwochabend im nachbörslichen Handel eine Achterbahnfahrt hin. Am Ende standen weitere 4,8 Prozent Minus zu Buche.

In allen vier großen Sparten (Personal Systems, Services, Imaging and Printing sowie Enterprise Servers, Storage and Networking) sind die Umsätze gefallen. HP Financial Services konnte das Niveau halten, nur die Software-Sparte legte deutlich zu. Doch diese beiden tragen jeweils nicht einmal eine Milliarde US-Dollar zum Konzernumsatz bei. Und gerade die Software-Sparte bereitet CEO Meg Whitman Sorgen: Voriges Kalenderjahr hat HP den Datenanalysten Autonomy übernommen. Diese Firma entwickelt sich nicht zufriedenstellend; Whitman musste Autonomy mit neuem Management an eine kürzere Leine legen.

Auch die Gewinnspannen sind großteils rückläufig, die Ausnahme bildet hier der Bereich Imaging and Printing. Doch das Bild trügt: Distributoren und Händler sitzen auf zu großen Mengen unverkauften Verbrauchsmaterials. HP will nun mit einer Werbekampagne die Nachfrage nach Original-HP Tinte und Toner ankurbeln. Elektronisch begrenzte Nutzbarkeit von Patronen und technische Hürden für kompatibles Verbrauchsmaterial reichen offenbar nicht mehr.

Bei Laptops und Computern sind die Lagerbestände bei den Vertriebspartner ebenfalls ungemütlich hoch, weil die Nachfrage wie bei Dell stark gefallen ist. Die Rückkehr von HP-Tablets, neue Ultrabooks und Laptop-Tablet-Hybridgeräte sollen für neuen Schwung sorgen. Im zweiten Quartal hatte HP auf dem Weltmarkt für PCs aber stark verloren: um 12,1 Prozent brach der Marktanteil ein, HP lag nur noch knapp vor Lenovo.

Investoren fordern schon geraume Zeit eine Aufspaltung von HP. Whitman hält davon wenig. Sie hat hinter den Kulissen viele kleine Initiativen entdeckt, die neue Produkte entwickeln. "Brauchen wir wirklich so viele Produkte, so viele Sparten in 166 Ländern?", fragte sie Mittwochabend rhetorisch. Sie möchte diese kleineren Unternehmensteile zusperren oder verkaufen und die freiwerdenden Kapazitäten in größere, langfristige Investitionen umschichten. "Fokus, Fokus, Fokus!", lautet ihr Credo. (jk)