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Reporter ohne Grenzen: 74 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit getötet

In vielen Ländern arbeiten Journalisten, Kameraleute und Fotografen unter Lebensgefahr. Auch in diesem Jahr wurden wieder einige wegen ihrer Arbeit getötet. Die Zahl ist zwar gesunken – doch die Ursache ist kein Grund zur Freude.

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Reporter ohne Grenzen: 74 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit getötet

(Bild: reporter-ohne-grenzen.de)

74 Journalisten und andere Medienschaffende sind nach Angaben von Reporter ohne Grenzen (ROG) im vergangenen Jahr wegen ihrer Arbeit getötet worden. Die gefährlichsten Länder seien in diesem Zusammenhang Syrien, Afghanistan, Mexiko, der Irak und der Jemen. 53 der Getöteten seien wegen ihrer Arbeit gezielt angegriffen worden. Die übrigen 21 starben im Einsatz, etwa während der Arbeit in einem Kriegsgebiet. Unter den Opfern waren fünf Frauen.

In den vergangenen Jahren waren noch deutlich mehr Medienschaffende getötet worden, 2015 etwa waren es 101. Der Rückgang beruhe vor allem darauf, dass viele Journalisten aus gefährlichen Ländern fliehen mussten. Von dort gelangten deshalb nur noch wenige unabhängige Informationen nach außen.

Unter den Getöteten waren nach ROG-Angaben 57 professionelle Journalisten sowie 9 Bürgerjournalisten und 8 Medienmitarbeiter wie etwa Kameraleute. Die beiden letzteren Gruppen wurden in diesem Jahr erstmals gleichberechtigt mit in die Statistik gezählt. In der Vergangenheit hatte die Organisation vor allem die Zahl der professionellen Journalisten, die wegen der Arbeit getötet wurden, genannt. Seit 2007 waren es demzufolge insgesamt 695.

ROG nennt in der Jahresbilanz auch Einzelschicksale – etwa das der 32-jährigen Anabel Flores Salazar, die als Reporterin für die Zeitung El Sol de Orizaba in Mexiko über organisierte Kriminalität berichtete. Sie verschwand im Februar, ihre halb nackte Leiche wurde einen Tag später gefunden. In Afghanistan wurden im Januar mehrere Mitarbeiter des Fernsehsenders Tolo TV bei einem Selbstmordanschlag auf einen Kleinbus des Senders getötet. ROG schreibt, dass vier Journalisten außerhalb ihrer Heimat umgebracht wurden – wie etwa der niederländische Fotograf Jeroen Oerlemans, der im Oktober in Libyen von einem Scharfschützen des IS erschossen wurde.

ROG-Geschäftsführer Christian Mihr nannte in einem dpa-Interview Afghanistan, Somalia und auch den Jemen als Beispiele für Länder, in denen die Pressefreiheit besonders gefährdet sei. "Afghanistan ist ein klassisches Beispiel, auch wenn das in Deutschland nicht gerne gehört wird, weil dort immer versucht wird, es als sicher darzustellen", sagte Mihr. "In diesem Jahr ist die Zahl der Nothilfeanfragen von Journalisten aus Afghanistan, die sich mit der Bitte um Unterstützung an uns wenden, deutlich höher als im Vorjahr, weil in vielen Regionen der Staat nicht mehr funktioniert und regionale Warlords das Zepter führen."

Sorgen bereitet der Organisation auch, dass im vergangenen Jahr viele Medienschaffende festgenommen wurden. Weltweit seien derzeit mindestens 348 Medienleute wegen ihrer Arbeit im Gefängnis, hieß es in einem ersten Teil der ROG-Jahresbilanz, der bereits vor einigen Tagen veröffentlicht worden war. "Die Repressionswelle seit dem Putschversuch in der Türkei hat die Zahl der weltweit inhaftierten Journalisten in diesem Jahr deutlich in die Höhe getrieben", hieß es. (anw)

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