Menü

Reporter ohne Grenzen: Aufmerksamkeit für politische Blogs

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 21 Beiträge

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (Reporters Sans Frontieres, RSF) hat den deutschen Blog Netzpolitik.org ausgezeichnet. Die Organisation, die sich weltweit für Presse- und Meinungsfreiheit einsetzt, hatte Internetnutzer aufgerufen, ihre persönlichen Favoriten aus insgesamt 60 Blogs für freie Meinungsäußerung zu wählen. Der Blog des Netzpolitik-Aktivisten und Gründer des Netzwerks Neue Medien, Markus Beckedahl, wurde in der Kategorie "International" zum Sieger aus der Vorschlagsliste von RSF gekürt.

"Wir hatten diesen Blog in unserer Shortlist aufgenommen, weil er sehr breit über Internet-Gesetzgebung berichtet und dabei viele Themen aufgreift, die in den traditionellen Medien wenig Beachtung findet", begründete Julien Pain vom Internet-Desk bei RSF die Wahl. Auch die Häufigkeit der Postings lobte Pain. Möglich sei, meinte Pain, dass die Nutzer den Blog auch deshalb gewählt hätten, weil derartige Blogs in deutscher Sprache noch recht selten seien. Große Geldpreise winken Beckedahl und den Gewinnern der anderen regionalen Kategorien ("Asien", "Afrika und Naher Osten", "Europa", "Amerika", "Iran") nicht. "Wir verschaffen den Blogs vor allem Aufmerksamkeit", betonte Pain, "und wir hoffen, dass wir inhaftierten Bloggern damit vielleicht ein wenig helfen können."

Er empfinde es als große Ehre, schrieb der Gewinner der Amerika-Kategorie, der Journalistik-Professor Jay Rosen, zusammen mit den anderen Blogs ausgezeichnet zu werden. Die weiteren Awards gingen an den afghanischen "Shared Pains" und den marokkanischen "Al Jinane" (beide in der Kategorie "Afrika/Naher Osten"), den vom italienischen Rechtsexperten Andreas Monti publizierten ICTLex (Kategorie "Europa"), den von den Behörden bereits kritisierten Screenshot-Blog von Jeff Ooi (Kategorie "Asien") und die Seite des Iraners Mojtaba Saminejad.

Saminejad sitzt derzeit wegen seines Blogs eine zweijährige Gefängnisstrafe ab, die ein Gericht in Teheran Anfang Juni wegen "Beleidigung der Propheten" gegen ihn verhängt hat. Gegen das Urteil, das laut RSF in einem unfairen Verfahren verhängt wurde, soll der Award wenigstens ein kleines Zeichen setzen. Alle zehn in der eigens für den Iran geschaffenen Kategorie nominierten iranischen Blogger haben aus Solidarität für Saminejad gestimmt, betonte RSF.

Die Nachricht von der Auszeichnung werde die Behörden im Iran über die rund 40.000 iranischen Blogs sehr massiv erreichen, erwartet Pain. "Während bei uns Politiker die Blogosphäre noch wenig wahrnehmen, kommen Politiker im Iran darum kaum herum." Auch im Wahlkampf spielten die politische Diskussion im lebhaften iranischen Netz durchaus eine Rolle. RSF selbst mischte sich unmittelbar vor der Wahl noch einmal mit dem Hinweis ein, dass der Iran nicht nur eines der wichtigsten Bloggerländer, sondern gleichzeitig auch das größte Journalistengefängnis im Nahen Osten sei. (Monika Ermert) / (Monika Ermert) / (jk)

Anzeige
Anzeige