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Telepolis

Republikanischer Präsidentschaftskandidat als "Raubkopierer"

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Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain verwendet in einem seiner Wahlkampfspots ein Musikstück, ohne dass ihm dies von den Rechteinhabern für diesen Zweck lizenziert wurde. Amerikanische Blogger kommentierten dies auch deshalb belustigt, weil McCain in einer Befragung im Zusammenhang mit Immaterialgüterrechtsansprüchen weit weniger Verständnis für Verbraucheranliegen zeigte als sein demokratischer Konkurrent Obama.

Durch die nicht lizenzierte Verwendung des Stücks "Can't Take My Eyes Off Of You" von Frankie Valli im Reklameclip "Obama Love" macht sich der Republikaner nicht nur der ungenehmigten Vervielfältigung, sondern auch der Verbreitung schuldig. Weil mit dem Spot, der eine angebliche Vorliebe der amerikanischen Medien für den telegenen Senator aus Illinois thematisiert, um Spenden geworben werden soll, hat diese ein gewerbliches Ausmaß. Der Republikaner kann sich daher nicht auf den Grundsatz des "fair use" berufen, der amerikanischen Verbrauchern häufig größeren Spielraum im kreativen Umgang mit fremden Werken einräumt als das deutsche Urheberrecht.

Wired zufolge intervenierte die Warner Music Group bislang nur bei YouTube und sorgte dafür, dass der Spot aus dem Angebot genommen wurde – worauf McCains Wahlkampfhelfer ihn prompt wieder einstellten. Ob der Warner-Konzern das Risiko eingehen wird, sich mit einem konsequenten Beharren auf eine strenge Verfolgung der Rechtsverletzung einen mächtigen Politiker zum Feind zu machen, gilt als eher fraglich. (pem)