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Research in Motion konkretisiert die Zukunft der Blackberry-Plattform

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Anlässlich der Frankfurter Hausmesse BlackBerry Innnovation Forum 2011 konkretisierte Research in Motion (RIM) die Zukunft der Blackberry-Plattform. Der Ankündigung des Gerätemanagements BlackBerry Mobile Fusion folgte eine Einordnung von PlayBook und zukünftigen BBX-Geräten.

Für die aktuellen Geräte mit BlackBerry 7 bleibt zunächst alles wie gewohnt. Sie lassen sich über den BlackBerry Enterprise Server 5.0.3 (BES) an Microsoft Exchange oder IBM Lotus Domino anbinden und werden über diesen Server auch administriert. Mit Mobile Fusion stellt RIM eine Administrationskonsole sowie einen zusätzlichen MDM-Server (Mobile Device Management) vor diesen BES. Damit erzeugen die Kanadier eine gemeinsame Sicht auf BlackBerrys, Android- und iOS-Geräte. Anders als beim BES, der jedem Benutzer nur einen BlackBerry zuweisen kann, lassen sich mit Mobile Fusion zusätzlich auch iPads oder Android-Tablets zuordnen. Die 1:1-Beziehung zwischen Anwender und BlackBerry wird so aufgeweicht.

Das bisher nicht administrierbare PlayBook fügt sich mit der im nächsten Februar erwarteten Aktualisierung ebenfalls auf der MDM-Seite in die Mobile-Fusion-Lösung ein. Die auf QNX basierenden Geräte ähneln damit eher aktuellen Smartphones und Tablets als den bekannten BlackBerrys. Sie sollen sich mit dem Exchange-Server per ActiveSync unterhalten. Unklar ist bislang, wie die Verbindung dorthin gelöst wird. BlackBerrys arbeiten mit einer verschlüsselten Verbindung über RIMs Infrastruktur bis hinter die Firewall der Anwenderunternehmen. Im Gegensatz dazu sprechen iPhones etwa direkt mit der Exchange-Infrastruktur und benötigen dazu eingehende Ports in der Firewall.

Die ambitionierten Pläne erklären auch die Verschiebung des 2.0-Releases für die PlayBook-Software. Bisher steht die Management-Lösung noch nicht, die in Zukunft diese neue Architektur stützen sollte. RIM hatte das deutsche Unternehmen Ubitexx aufgekauft und passt seitdem deren Multiplattform-MDM-Lösung an, um sie an die vom BES gewohnte Administration anzugleichen. Anfang nächsten Jahres wollen die Kanadier einen größeren Betatest starten und bereits Ende März liefern, so die ambitionierte Ankündigung.

Mit PlayBook 2.0 will RIM auch auf den Tablets eine starke Trennung von privaten und geschäftlichen Inhalten bieten, wie sie mit BlackBerry Balance bereits für die Smartphones existiert. PlayBook 1.0 enthält nach diesem Modell bisher nur private Daten, während die geschäftlichen Daten auf dem Smartphone bleiben. Mit einem PlayBook 2.0 dagegen wird sich der Anwender nicht nur mit seinem Mailserver verbinden, sondern auch im Unternehmen anmelden können, um geschäftliche Anwendungen zu nutzen. Das kehrt das Design der bisher gefloppten PlayBook-Plattform komplett um.

Auch die unter dem Namen BBX angekündigte nächste Generation von BlackBerrys soll dem Administrationsmodell von PlayBook 2.0 folgen. RIM baut damit eine duale Strategie. Die alte BlackBerry-Plattform mit BES 5.x wird weiterbestehen, während eine neue Generation parallel hochgezogen wird. Es ist derzeit unklar, ob RIM auch nach dem Erscheinen von BBX-Geräten auf lange Sicht weitere BlackBerry-7-Geräte anbieten wird. Der Support dieser aktuellen Generation soll auf Jahre gesichert werden.

Mobile Fusion wird einerseits beide Welten vereinen, gleichzeitig aber auch zu einer wundersamen Server-Vermehrung führen. BlackBerry, Android, iOS, PlayBook und BBX sind zu verschieden, um sie mit einem Server zu verwalten. Neben dem BES wird es MDM-Server geben müssen sowie einen Fusion-Server, der die webbasierte Administrationskonsole bereitstellt.

Zu den Preisen der neuen Lösung mochte sich RIM in Frankfurt noch nicht äußern. Der Server werde voraussichtlich kostenlos sein, die Nutzung aber über CALs (Client Access Licenses) geregelt werden, so viel war zu erfahren. Konkreter wollen die Kanadier erst werden, wenn Mobile Fusion Ende des ersten Quartals auch verfügbar sei.

Untergangsgerüchten, die immer wieder um die BlackBerry-Lösung angesichts schwindender Marktanteile in USA kreisen, trat RIMs Commecial Director Jens Kühner entschieden entgegen: "Wir haben in Deutschland seit Jahren ein stabiles Wachstum im Enterprise-Bereich von etwa 25 Prozent." RIM misst hier die Anzahl der Subscriber von BlackBerry-Diensten. Kühner konzediert, dass es RIM in Deutschland nicht gelungen sei, so stark in den Konsumentenbereich einzusteigen, wie man das etwa in England oder den Niederlanden geschafft habe. RIM werde deshalb im kommenden Jahr vor allem die Partner stärken. "Wir sind den Unternehmenskunden ein verlässlicher Partner", betonte Kühner. Es komme darauf an, eine auf Jahre stabile Plattform zu betreiben, die es ermögliche, sowohl sehr alte als auch neue Geräte gemeinsam zu nutzen.

Jetzt muss RIM vor allen Dingen liefern. Das immer wieder verschobene große Softwareupdate für die spärlich verkauften PlayBooks ist für Februar angesetzt, Mobile Fusion für Ende März. Erst danach kann man BBX-Geräte erwarten. Der große Meilenstein dürfte die BlackBerry World Anfang Mai in Orlando sein. (vowe)