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ReservationHop: Tischreservierungen aus zweiter Hand

Nach öffentlichen Parkplätzen werden nun auch Restaurantreservierungen von Leuten versteigert, die nichts dafür bezahlt haben. Die Rückmeldungen enthalten viele Kraftausdrücke.

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Brian Mayer bezeichnet sich selbst als "meistgehasste Person in San Francisco." Anlass ist sein Onlinedienst ReservationHop. Dort versteigert er seit kurzem Tischreservierungen, die er zuvor unter falschem Namen getätigt hat – ähnlich wie manche Eintrittskartenhändler, nur ohne Einsatz eigenen Geldes. Die online geposteten Reaktionen strotzen von Kraftausdrücken, oft mit einem Verweis auf die Tech- und Startupszene. "Nicht alle Reaktionen waren negativ, aber die überwiegende Zahl", gestand Mayer in einem Blogeintrag. Nun kündigt er eine "sanfte Wende"an.

Die Aussicht aus dem Google-Gebäude in San Francisco: Oakland-Bay-Brücke und Schatzinsel (Treasure Island).

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

Der Mann hatte seine Website in einer einzigen Nacht programmiert, nachdem er in einem Restaurant eine halbe Stunde (Schluck!) hatte warten müssen. Und er gab am Donnerstag auch zu, nicht viel über die Sache nachgedacht zu haben. Am Dienstag gab er eine Änderung des Geschäftsmodells bekannt. Anstatt Restaurants anzulügen, möchte er sie als Partner gewinnen und ihre Tischreservierungen online verkaufen. Die Gastwirte würden am Erlös beteiligt, und der Anteil nicht wahrgenommener Reservierungen würde rapide sinken.

Damit folgt er dem Beispiel ähnlicher Dienste, die das bereits in anderen Städten für hochpreisige Restaurants anbieten. Manche teure Restaurants verlangen auch selbst eine Gebühr, oder aber eine Sicherheitsleistung für den Fall, dass die Reservierung nicht wahrgenommen wird. Dass er bereits aufgehört hat, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zu reservieren, geht aus Mayers jüngstem Blogeintrag aber nicht hervor.

Zuletzt hatten in San Francisco Apps für Aufsehen gesorgt, über die öffentliche Parkplätze verhökert werden. Wer im Begriff ist, sein Fahrzeug in Betrieb zu nehmen, kann diese Information an einen Parkplatzsuchenden verkaufen. Wenn dieser wieder wegfährt, kann er das vielleicht wieder zu Geld machen, und der App-Betreiber kassiert jedes mal mit.

Die Stadtverwaltung, und wohl auch viele Autofahrer, machen solche Geschäfte zornig. San Francisco droht mit rechtlichen Schritten und versucht, die Verbreitung der Apps zu stören. Und angeblich gibt es schon Unternehmer, die Fahrzeuglenkern einen Stundenlohn dafür bezahlen, einen öffentlichen Parkplatz zu besetzen, bis ein Zahlungswilliger kommt, der den Parkplatz freikauft. (ds)

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