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Revision 2013: Gut gewinnt immer

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Als sich am Freitag pünktlich um Mittag die Tore des E-Werks Saarbrücken öffneten, war alles für die 900 Besucher der größten Demo-Party Europas bereit. Die Revision 2013 lief über das ganze Osterwochenende und endete heute mit der Siegerehrung der Wettbewerbsteilnehmer. Zu den Wettbewerben am Samstag und Sonntag schalteten sich etwa 1000 Zuschauer per Stream dazu – zu Spitzenzeiten waren es sogar 4000.

Wie die Einladung bereits angekündigt hatte, hieß das diesjährige Motto der Veranstaltung "Gut gegen Böse". So wurden die Teilnehmer am Eingang von zwei Figuren begrüßt: Böse behauptete frech, die Party abgesagt zu haben; Gut hielt dagegen: Hat er nicht. Vor den Toiletten gab es einen guten und einen bösen Chillout-Bereich, auch beim Kaffee wurde die Stärke in Gut und Böse eingeteilt.

Demos und Intros sind multimediale Echtzeitspektakel mit live vom Rechner erzeugten Animationen und Musikuntermalung. Die eingereichten Beiträge übertreffen einander bei der Aufgabe, möglichst viel Effekte unterzubringen, die Besten sind echte digitale Kunstwerke. In einigen Kategorien gilt es, haarsträubende Größenbeschränkungen einzuhalten, etwa bei den 4K- und 64-Intros. Programmieren als Extremsport also.

Die Menge und vor allem Qualität der diesjährigen Beiträge ließ alle Unkenrufe vergessen, die vergreisende Demo-Szene stehe vor dem Untergang. Vor zwei Jahren bangten die Veranstalter bei der ersten Revision noch ein bisschen, ob genügend Teilnehmer zusammenkommen würden – und auch die Fortsetzung im Folgejahr stand noch auf wackelnden Beinen. Mittlerweile ist die Party eine feste Größe: In der Kategorie PC-Demos wurden so viele hochwertige Beiträge eingereicht, dass die Veranstalter zum allersten Mal eine Pinkelpause einlegten. Bei Demo-Partys bewertet nicht etwa eine Jury die Beiträge, sondern das anwesende Publikum direkt.

Besonders hervorzuheben waren die Beiträge in den Kategorien "Amiga Demo", "PC 64K Intro" und "PC Demo". Da in der Kategorie "Web Browser Intro" nicht ausreichend Beiträge zusammenkamen, wurde sie mit der "Web Browser Demo" zusammengelegt.

Revision 2013: Über 900 Besucher vor Ort, 1000 weitere sahen per Stream zu

Bei den PC-Demos räumten die seit 1986 aktiven Veteranen von Fairlight mit "5 Faces" ab. In der Siegerdemo zerplatzen gläserne Objekte aufs Eindrucksvolle – dank Echtzeit-Raytracing komplett mit Refraktion und Spiegelungen. In dieser Kategorie waren die Wettbewerbsbeiträge durch die Bank so stark, dass es beim ebenfalls imposanten "Intrinsic" von JvB und Xiny6851 nur für den sechsten Platz reichte. Beeindruckend war auch der industrielle Stil in "Exoframe" von Cocoon (2. Platz).

In der Kategorie 4K der PC-Intros gewannen Akronyme Analogiker mit der organisch wabernden "Kohlenstoffeinheit". Dieselbe Gruppe hatte im Vorjahr mit der fraktalen Endloslandschaft "Hartverdrahtet" gesiegt. Den zweiten Platz belegten X-Men mit "Ride to the Mysterious Cities".

Zum besten 64K-Intro wählten die Besucher Brain Controls "Turtles all the way down". Passend zum auf den Kreationismus anspielenden Titel beginnt die Intro mit Atomen und Molekülketten. Später folgt ein Ausflug zum Meeresboden und nach einem Flug über Bergketten ein Zoom in den Tiefen des Weltalls. Auf dem zweiten Platz landete Horology mit dem elegant unterkühlten "tensile", das sowohl unter Linux als auch Mac OS und Windows läuft. Beeindruckend war auch "Signify" von Inque mit reflektierenden Seifenblasen und durch Tunnel wachsenden Metallstträngen.

Lemon siegte mit "Rink a Dink: Redux" in der Kategorie Oldskool-Demos. Die Demo setzt auf klassische Amiga-Effekte mit Plasmafeldern und sich verformender Geometrie, kam aber wohl genau deshalb so gut an. Bei den Amiga-Demos gewannen Ghosttown und Loonies mit "Smoke & Mirrors", gefolgt von Elude mit "Machinist", die beide sehr eindrucksvolle Grafik aus der alternden Amiga-Hardware herauskitzelten.

In der Kategorie "Wild" ist alles erlaubt: Hier geben die Originalität der Plattform und die Umsetzung den Ausschlag. Sieger war Abyss mit "Cruisin 3 – Cruise Over", in dem durch eine Playstation 2 angesteuerte Oszilloskope aufwendige Vektorgrafiken produzieren. Dicht dahinter landete "Code Red" von Mega – dieser Beitrag lief auf einer Minikonsole, die von einem Intel-8048-Mikrokontroller mit 64 Byte (!) Arbeitsspeicher angetrieben wurde. Auf dem dritten Platz landete "Jupiter & Beyond" von SVatG und TRSI, die auf einem ARM-Mikrokontroller vom Typ STM32F4 lief.

Revision 2013: Gut gewinnt immer (10 Bilder)

Etwa 900 Besucher sahen und bewerteten die Beiträge zur Revision 2013.

Insgesamt zeigten sich die Veranstalter mit dem Verlauf der Revision 2013 zufrieden. Abgesehen von einem kurzzeitigen Ausfall der Streaming-Server gab es keine nennenswerte technische Probleme – und selbst die Streaming-Panne ließ sich kurzfristig durch Server des Sponsors Viprinet abfangen. Zwar ist die Revision 2014 noch nicht fest eingeplant, die Halle wurde vorsichtshalber aber schon mal für die Osterfeiertage der nächsten Jahre vorreserviert.

Auch die Seminare fanden guten Zuspruch – besonders gut war das Seminar zum Umgang mit der GEMA im Kontext der Demo-Szene besucht. Alle aktiven Teilnehmer mussten beim Einreichen ihrer Beiträge zusichern, nicht Mitgliede bei einer der Rechteverwertungsgesellschaften BIEM oder GEMA zu sein. Anderenfalls hätten die Veranstalter eine hohe Gebühr bezahlen müssen.

Die meisten Beiträge zur Revision 2013 stehen auf scene.org zum Download bereit – die letzten Nachzügler dürften im Laufe des Montags folgen. Viele wurden auch bereits in die Datenbank von Pouet.net eingepflegt. Wer keinen passenden oder ausreichend leistungsstarken Rechner zur Verfügung hat, kann viele Beiträge zumindest als YouTube-Mitschnitt betrachten. Die Video-Verweise stehen auf Pouet.net unter den Download-Links. Das richtige Feeling kommt allerdings erst auf, wenn der PC die ganze Pracht schwitzend in Echtzeit auf den Monitor bringt.

[Update 2.4.2013, 0:22:] Ergänzt um zusätzliche Links und eine Beschreibung von "Cruisin 3". [/Update] (Stefan Göhler) / (ghi)

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