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Revision 2015: Die Demoszene läuft

Über die Osterfeiertage trifft sich die Demoszene in Saarbrücken zur Party. Auf der Revision 2015 stellen ambitionierte Programmierer ihre Echtzeitkunst zur Schau – und rennen um die Wette.

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Revision 2015: Die Demoszene läuft

Vom 3. bis 6. April 2015 findet in Saarbrücken die Revision 2015 statt, die weltweit größte Demo-Party. 700 Teilnehmer haben sich bereits angemeldet, im Vorjahr kamen knapp 1000 Besucher zusammen. Die Veranstaltung findet abermals im E Werk statt, einer ehemaligen Industriehalle mit viel Platz.

Demo-Partys sind der Anlaufpunkt für Scener – kreative Programmierer effektorientierter Medienspektakel und Leuten, die Freude an Echtzeitkunst haben. Bei den gezeigten Beiträgen steht nicht der Nutzen im Vordergrund, sondern das Code gewordene Spektakel. Alle Beiträge werden zu Wettbewerben eingereicht, um vom Publikum bewertet zu werden.

Die "Compos" teilen sich in 23 Kategorien ein. Die Mehrzahl der Wettbewerbe wird auf PCs ausgetragen. In den Intro-Kategorien sind die ausführbaren Dateien auf Größen von 4, 8 oder 64 KByte beschränkt. Bei Demos ist die einzige Einschränkung deren Laufzeit – alle Beiträge dürfen maximal 8 Minuten lang sein.

Die Demoszene beschränkt ihre Kreativität bei weitem nicht auf die PC-Plattform: Zur Auswahl stehen auch Wettbewerbskategorien für Musik und Grafik und natürlich für die Systeme, auf denen die Szene ihren Anfang nahm: dem Commodore Amiga und anderen "Oldskool"-Plattformen. In der Kategorie "Wild" ist alles erlaubt, sofern es das Publikum von den Socken haut. Im vergangenen Jahr siegte hier ein Intro für den Commodore 64... das von einem Mikrosatelliten empfangen wurde, der noch 20 Jahre um die Erde kreist.

Jungen Programmierern bietet die Demoszene eine gute Möglichkeit, sich einen Namen zu machen. Viele Demo-Programmierer entwickeln hauptberuflich Spiele, wo sie ebenfalls aus knappen Ressourcen das Beste machen. Auch die Zeit zählt: Beiträge dürfen zwischen einem Tag und wenige Stunden vor dem Wettbewerb eingereicht werden. Nicht selten bekommen Intros und Demos erst auf der Party den letzten Schliff, kurz vor dem Abgabetermin. Der offizielle Terminplan der Veranstaltung führt alle relevanten Deadlines auf.

Für zwei zusätzliche Sonderwettbewerbe auf der Revision 2015 gelten frühere Termine: Die Media Facade Competition gab es vor zwei Jahren schon einmal. Deren Beiträge werden auf den Rückprojektionsschirmen des Experimental Media Labs der Hochschule der Bildenden Künste Saar gezeigt; weshalb sich das Fenster für Einsendungen am 27. März schließt.

Die Kategorie 120hz Demo wird von der Programmierer-Legende John Carmack gesponsert. Wie der Name schon andeutet, müssen Beiträge ruckelfrei mit einer Wiederholrate von 120 fps laufen, entweder in 720p oder 1080p. Im Unterschied zu den anderen Compos dürfen hier auch Beiträge von früheren Wettbewerben eingereicht werden, sofern sie auf 120 Hz optimiert wurden. Einsendeschluss ist hier der 31. März.

Die Party besteht aber nicht nur aus Wettbewerben: Die Abende sind mit Band-Auftritten und DJ-Sets gefüllt; zusätzlich soll es ein Lagerfeuer geben – und am Samstagmorgen einen 5-Kilometerlauf. Darüber hinaus finden am Rande der Party diverse Seminare statt. Deren Themenspektrum reicht von Bildoptimierung per Color Grading über Anleitungen zur Entwicklung für die 80er-Jahre-Konsole Atari 2600 VCS bis zu einem Ratgeber für freischaffende Software-Entwickler und, äh, "Belgisches Bier für Fortgeschrittene" (ab 18, 5 Euro Selbstkostenbeitrag).

Wie in den Vorjahren sind Mitglieder von BIEM und der GEMA von der aktiven Teilnahme ausgeschlossen – wenn auch als Gäste durchaus willkommen. Der gemeinnützige Veranstalter, der Tastatur und Maus e.V., ist weder willens noch imstande, die anderenfalls fälligen Lizenzkosten zu bezahlen.

Eine Eintrittskarte für alle vier Tage kostet 65 Euro. Wer nur Interesse an den Hauptwettbewerben vom Sonntag hat, kann für 50 Euro ein Compo-Ticket erwerben. Für 30 Euro bieten die Veranstalter auch ermäßigte Tickets an, für die man sich aber mit guten Gründen bewerben muss. Um die Revision zu sponsern, gibt es verschiedene Supporter-Tickets. Das beginnt mit "I Heart Revision" für 130 Euro; die anderen Supporter-Klassen kosten zwischen 250 und 1000 Euro. Von den Einnahmen finanziert der Verein die Veranstaltung, die Geldpreise für die Gewinner und natürlich ... die Ausrichtung der Revision 2016.

Wer mal in die Szene hineinschnuppern will, dem sei als Appetithappen die Einladung "Emerge" von Cosmonaut empfohlen, die auf jedem halbwegs modernen PC laufen sollte. Wer keinen PC zur Verfügung hat, kann auf den YouTube-Mitschnitt ausweichen. (ghi)

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