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Revolver aus dem 3D-Drucker feuert angeblich acht Kugeln ab

Einem Maschinenbau-Studenten ist es offenbar gelungen, einen funktionstüchtigen Revolver mit Hilfe eines 3D-Druckers zu produzieren. Die Trommel der Waffe soll sechs bis acht Kugeln fassen.

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Revolver

(Bild: James Patrick)

James Patrick befasst sich neben dem Maschinenbau-Studium in seiner Freizeit mit der Konzeption und Produktion von Handfeuerwaffen per 3D-Drucker. In dieser Woche präsentierte der US-Amerikaner den seinen Aussagen zufolge ersten Revolver aus ABS-Plastik. Der PM522 Washbear wurde mit einem handelsüblichen 3D-Drucker im Schmelzschichtverfahren (FDM, Fused Deposition Modeling) gedruckt und kann bis zu acht Schüsse abfeuern, bevor er nachgeladen werden muss.

Waffen aus dem Hobbykeller

Die boomende internationale Maker-Bewegung besteht nicht nur aus Bastlern, Künstlern und Weltverbesserern – auch krypto-anarchistische Gruppen zählen sich dazu. Diese wollen staatliche Machtmonopole abschaffen, unter anderem auf dem Weg über technische Mittel wie billige 3D-Drucker und CNC-Fräsen. So verbreitet etwa die US-Gruppe "Defense Distributed" in Namen dieser Ideologie Werkzeuge, Open-Source-Druckvorlagen und Bauanleitungen für Eigenbau-Schusswaffen ohne staatliche Kontrolle. In Deutschland ist die Herstellung jedes einzelnen wesentlichen Teils einer Waffe verboten, sofern man nicht über eine "Waffenherstellungserlaubnis" verfügt. Die besitzen beispielweise professionelle Büchsenmacher. Bei Make und heise online berichten wir bereits seit längerem über die Waffenherstellung, weil wir davon überzeugt sind, dass sich Politik und Gesellschaft mit solchen neuen Gefahren auseinandersetzen muss. Wir rufen in keiner Weise zum Eigenbau von Schusswaffen auf und liefern auch keine Bauanleitungen dazu.

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Als zusätzliche Teile benötigte Patrick für die Waffe ein elastisches Federband, einen Schlagbolzen aus Metall und mehrere Stahl-Stäbe. Die Herstellung des Revolvergehäuses und der Trommel, in der die Kugeln lagern, übernimmt laut Patrick ein 3D-Drucker. Der PM522 Washbear orientiert sich am Prinzip des klassischen Bündelrevolver, auch Pepperbox genannt. Die Handfeuerwaffe hat mehrere Läufe, die um eine Achse angeordnet sind. Dieses so genannte Laufbündel dreht sich nach jedem Schuss um eine Station weiter. Ein ähnliches Konzept kommt auch bei Gatling-Guns zum Einsatz.

Das Laufbündel des PM522 ist ebenfalls aus ABS-Plastik gefertigt und kommt aus dem 3D-Drucker. Patrick kann in seinen Revolver wahlweise ein Laufbündel mit sechs oder acht Kugeln einsetzen, ohne die Waffe dafür modifizieren zu müssen. Das Laufbündel wird mit einem einfachen Bolzen am Washbear befestigt. Wird der Bolzen entfernt, kann das Laufbündel entnommen und nachgeladen werden.

Um das Laufbündel nach jedem Schuss weiter zu drehen, nutzt Patrick ein elastisches Federband, das mit dem Abzug verbunden ist. Wird der Abzug gedrückt, dreht sich das Laufbündel in die richtige Position und der mit einem Dachnagel bestückte Schlagbolzen wird zurückgezogen. Beim Lösen des Schusses befördert der Schlagbolzen die Kugel aus dem Laufbündel. Nach dem Schuss rastet das Laufbündel dann leicht versetzt im Lauf ein. Diese Sicherheitsmaßnahme soll laut Patrick verhindern, dass die Waffe versehentlich abgefeuert wird.

Um den US-amerikanischen Waffenbestimmungen zu entsprechen, hat Patrick den Griff des Washbear mit Metallstäben versehen. So kann der Revolver von einem Metalldetektor gefunden werden. Ob der Revolver damit als legal eingestuft wird, bleibt abzuwarten. Derzeit sind Patricks Vorlagen für den PM522 Washbear noch auf seiner Website verfügbar. Da die Herstellung einer solchen Waffe in Deutschland in jedem Fall verboten ist, verlinken wir bewusst nicht auf die 3D-Druckvorlagen. (axk)