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Roaming: EU-Bürger nutzen ohne Aufschläge zehnmal mehr Datenvolumen

In der Sommerferienzeit 2018 erreichte die Inanspruchnahme von Mobilfunk-Datendiensten auf Reisen in der EU einen Spitzenwert, der zwölfmal höher war als 2017.

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(Bild: TATSIANAMA/Shutterstock.com)

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Seit der EU-Gesetzgeber am 15. Juni 2017 die Roaming-Gebühren auf Reisen in andere Staaten der Gemeinschaft oder des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) abgeschafft hat, hat sich die Nutzung von Mobilfunk-Datendiensten auf Reisen in der EU durchschnittlich verzehnfacht. Dies geht aus dem ersten umfassenden Evaluierungsbericht zum Roamingmarkt hervor, den die EU-Kommission am Freitag veröffentlicht hat. Der bisherige Spitzenwert liegt in der Sommerferienzeit 2018, als sich die in der EU Reisenden zwölfmal mehr Datenvolumen genehmigten als vor dem Stichtag.

Im Durchschnitt verbrauchten EU-Bürger unterwegs in anderen Mitgliedsstaaten im dritten Quartal 2018 440 Megabyte an Roamingdaten, während es im Sommer 2016 erst 60 Megabyte waren. Im gleichen Zeitraum war die Zahl der getätigten Roaminganrufe fast dreimal höher als zwei Jahre zuvor. Im vierten Quartal 2018 ist die einschlägige Datennutzung zwar wieder deutlich zurückgegangen, doch die Tendenz gegenüber den Vergleichsquartalen der Jahre zuvor weist ständig weiter nach oben. Die Statistik reicht bislang bis zum ersten Quartal 2019, sodass der Sommer 2019 einen neuen Rekord aufgestellt haben dürfte.

Auf der ebenfalls regulierten Vorleistungsebene hat laut der Evaluation "die drastische Absenkung der Preisobergrenzen" zu einem weiteren Rückgang der Entgelte für den Großhandel beigetragen, wodurch wiederum der Wegfall der Roamingaufschläge für fast alle Mobilfunkanbieter tragfähig geworden sei. Der Durchschnittspreis lag hier bei 1,78 Euro pro Gigabyte in den ersten drei Monaten 2019, während er zwei Jahre zuvor noch 8,22 Euro pro Gigabyte betrug. Für Sprachtelefonie rauschten die Preise gleichzeitig von 2,90 Cent pro Minute auf 1,97 Cent nach unten.

Anzeichen dafür, dass das Aus für die Vermittlungsgebühren die Qualität der Mobiltelefonie und vor allem die Datengeschwindigkeit verschlechtert haben, gibt es der Kommission zufolge nicht. Das Gremium Europäischer Regulierungsstellen für elektronische Kommunikation (Gerek) habe aber moniert, dass die Parameter für Up- und Downloads bei vielen Mobilfunkanbietern im europäischen Ausland wenig transparent seien. Prinzipiell ist die Kommission der Ansicht, dass zahlende Kunden auf Reisen in der EU den gleichen Service erwarten können sollten wie in ihrem Heimatland.

95 Prozent der europäischen Netzbetreiber haben laut dem Bericht eine "Fair Use"-Leitlinie aufgestellt, um einen Missbrauch der Freizügigkeit beim Roaming zu verhindern. Bei 84 Prozent davon handelt es sich dabei um ein Limit der ohne zusätzliche Gebühren verfügbaren Datenbündel. Nur 0,6 Prozent der Kunden dieser Anbieter haben aber eine Warnung erhalten, dass sie innerhalb von vier Monaten die Grenze erreichten. Nur die Hälfte wiederum der "Angezählten" musste im Anschluss "einen geringfügigen Roamingaufschlag" entrichten.

Insgesamt seien die Rückmeldungen der Verbraucher auf die neuen Vorgaben "sehr positiv", heißt es in der Evaluation. Die Kommission sieht darin ihren größten Erfolg im Bereich des angestrebten digitalen Binnenmarkts. Schon in einem Zwischenbericht hatte sie vor einem Jahr betont, die Bürger hätten "das Beste aus ihren neuen digitalen Rechten gemacht". Damals war die Nutzung mobiler Daten im Vergleich zu den Werten vor Mitte 2017 im Durchschnitt zunächst um das Fünffache gestiegen.

Die Brüsseler Regierungsinstitution zieht aus den neuen, auf knapp 100 Seiten dargelegten Zahlen und Erkenntnissen den Schluss, "dass sich die Wettbewerbsdynamik auf dem Roamingmarkt in naher Zukunft wahrscheinlich nicht ändern wird". Es sei daher nötig, die Regeln für die Endkunden- und Vorleistungsebene beizubehalten. Nur so könnten die Bürger das Roaming innerhalb der EU weiter ohne Zusatzkosten in Anspruch nehmen.

"Entgegen den Befürchtungen, die Abschaffung der Roaming-Gebühren könnte zu steigenden Inlandspreisen führen", sind diese für Mobilfunkdienste in der EU "insgesamt sogar zurückgegangen", freute sich die Kommissarin für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Mariya Gabriel. Der Markt funktioniere insgesamt nach wie vor gut. Die einschlägige Verordnung gilt zunächst bis einschließlich Juni 2022. Die Laufzeit müsste gegebenenfalls in den beiden kommenden Jahren verlängert werden. (bme)