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Roaming: Regulierung geht in die letzte Runde

Am Wochenende ändern sich die EU-Vorgaben für Handynutzung im Ausland ein letztes Mal, bevor die Roaminggebühren im kommenden Jahr ganz wegfallen sollen. Die Netzbetreiber greifen dem vor, doch lohnt sich ein Blick ins Kleingedruckte.

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Handy-Telefonieren im Ausland

(Bild: dpa, Jens Kalaene)

Ab dem 30. April gelten für die von der EU-Kommission regulierten Gebühren für Handynutzung in ausländischen Netzen neue Regeln, bevor die Extrakosten dann im kommenden Jahr ganz wegfallen sollen. Beim sogenannten Roaming in Netzen anderer EU-Länder sollen Kunden ab sofort nur noch geringe Aufschläge auf den Normaltarif bezahlen müssen. Die Netzbetreiber packen unterdessen bereits Tarifpakete, in denen Roaming schon mit drin ist, und rühren damit die Werbetrommel. Da lohnt sich ein Blick ins Kleingedruckte, denn die Tücke liegt im Detail.

Keine große Hilfe ist die EU-Kommission, die im voraussichtlich letzten Jahr der erfolgreichen Roaming-Regulierung noch einmal das System wechselt. Statt einen Standardtarif vorzugeben, den alle Netzbetreiber zusätzlich zu ihren verschiedenen Auslandsoptionen anbieten müssen, macht Brüssel es noch einmal kompliziert: Ab dem 30. April gelten Höchstgrenzen für die Aufschläge auf den Heimattarif, die Netzbetreiber bei Auslandsnutzung berechnen dürfen. Zusammen darf das dann nicht teurer werden als der zuletzt gültige EU-Tarif (siehe erste Tabelle). Den Kostenschutz für Datenverbindungen von 50 Euro (zzgl. MWSt.) pro Abrechnungszeitraum gibt es weiterhin.

Vorgaben der EU-Kommission: Roaming im EU-Ausland ab dem 30. April 2016
seit 1. Juli 2014 ab 30. April 2016
max. Aufschlag max. Kosten
Gespräche abgehend 0,19 € +0,05 € 0,19 €
ankommend 0,05 € +0,0114 €
SMS abgehend 0,06 € +0,02 € 0,06 €
ankommend 0,00 € +0,00 €
Daten per MB 0,20 € +0,05 € 0,20 €
jeweils zzgl. Mehrwertsteuer

Soweit die Theorie. Denn die Formulierung in der EU-Verordnung 2015/2120 lässt Spielraum für Interpretationen, den die Netzbetreiber ausnutzen. Zum Beispiel Vodafone: Der Netzbetreiber berechnet Kunden mit dem Tarif "Smart M", die keine andere Roaming-Option wählen, für das inbegriffene Gesprächskontingent von 300 Minuten die regulierten Roaming-Aufschläge. Darüber hinaus gehende Gespräche berechnet Vodafone auch im EU-Ausland mit den 29 Cent pro Minute, die der Kunde auch in Deutschland zahlen würde.

Vodafone argumentiert, es sei schließlich Ziel der EU-Politik, das Handy im Ausland wie zu Hause nutzen zu können. Für die EU-Kommission ist das eine korrekte Auslegung der Verordnung: Wenn der Anbieter einen Aufschlag erhebt, darf die Summe die vorgegebenen Grenzen nicht überschreiten. Fällt kein Roaming-Aufschlag an, gibt es auch keine Obergrenze, erklärt eine Kommissionssprecherin. Für manche Kunden wird Roaming also nicht billiger, weil ihr teurer Heimattarif greift.

Auch in einem anderen Fall legen die Netzbetreiber die neue Vorgaben unterschiedlich aus. Von der EU-Kommission ist nicht explizit geregelt, wie das mit den Aufschlägen und Obergrenzen im regulierten Tarif bei Flatratekunden aussieht. Die Netzbetreiber handhaben das unterschiedlich: Während Telefónica-O2 seinen Flatratekunden, die den regulierten Tarif gewählt haben, 20 Cent pro Minute berechnet, zahlen Telekom-Kunden in so einem Fall lediglich den Aufschlag von 5 Cent.

Letzteres entspreche dem Sinn der Verordnung, sagt eine Kommissions-Sprecherin. Auch die Bundesnetzagentur als zuständige Regulierungsbehörde sieht das so: " Sobald der Verbraucher über eine Telefonflat verfügt, können maximal fünf Cent pro abgehenden Anruf und Minute zusätzlich berechnet werden." Aus Brüssel ist überdies zu hören, dass aus den Mitgliedsländern viele Fragen zum neuen Roaming kommen, insbesondere zu den Flatrates.

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Weil zudem bei den Roaming-Aufschlägen immer der individuell genutzte Tarif zugrundeliegt, können die tatsächlichen Kosten variieren. Es gibt es also keinen Standardtarif mehr, der bei allen Anbietern gleich ist und für alle Kunden gilt, sofern die sich nicht für eines der alternativen Roamingangebote ihres Netzbetreibers entscheiden. Ein Blick auf die verschiedenen Angebote lohnt sich also, um im Urlaub unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Dabei sollte man auch darauf achten, für welche Länder die jeweils gewählte Option gilt.

Die Netzbetreiber greifen unterdessen dem kommenden Verbot von Roaming-Aufschlägen schon vor. Telefónica-O2, Deutsche Telekom und Vodafone haben das EU-Roaming bereits in viele Smartphone-Tarife integriert. Sie werben damit, dass ihre Kunden im Ausland einfach ihren normalen Tarif weiternutzen, ohne dass zusätzliche Gebühren anfallen. Doch so einfach, wie das zunächst klingt, ist es nicht immer. Während Telefónica-O2 das Roaming in seinen Spitzentarifen schon länger mit drin hat, gilt das bei Telekom und Vodafone nur für Neukunden oder nach einem Wechsel in die neuen Tarife.

Bestandskunden sollten sich schlau machen, welche Möglichkeiten sie haben. Wie immer gibt es dabei Fußnoten, die man besser beachten sollte, bevor man sich für das eine oder andere Angebot entscheidet. Dabei lohnt sich vor allem ein Blick auf die Länderlisten. Zwar muss der EU-Tarif in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten angeboten werden, die Geltungsbereiche der nichtregulierten Angebote können sich hingehen unterscheiden. So ist zum Beispiel bei Telefónica-O2 in in der EU Roaming Flatrate die Schweiz mit drin, während in den Reisepaketen von Vodafone auch die Türkei enthalten ist.

Bei Telefónica-O2 ist das EU-Roaming schon länger in den "O2 Blue"-Smartphone-Tarifen enthalten – zumindest in den teureren Varianten L und XL. Ab Anfang Mai gilt das aktionsweise auch für die Tarife O2 Blue All-in S und O2 Blue All-in M. Telefonate im Ausland sind dann inklusive, SMS kosten 7 Cent. Kunden in anderen Tarifen können diese “EU-Roaming Flat” für 5 Euro im Monat hinzubuchen.

Auch bei O2 lohnt der Blick ins Kleingedruckte: Für Internetnutzung im EU-Ausland gibt es unabhängig vom Tarif nur ein Datenvolumen von einem Gigabyte, zudem ist die Bandbreite auf 1 MBit/s beschränkt. Das eine Gigabyte wird nicht auf das Tarifvolumen für Deutschland angerechnet. Ist es verbraucht, kann man ein weiteres Gigabyte für 15 Euro buchen.

Wie andere Netzbetreiber auch hat der Anbieter für seine Kunden in Tarifen ohne EU-Flatrate verschiedene Pakete im Angebot, für die sich ein Kunde bei Vertragsabschluss entscheiden kann. So hatte Telefónica bereits ein neues EU Day Pack mit Telefonminuten, SMS und Datenvolumen angekündigt, das nur bei Nutzung berechnet wird. Dazu gibt es ein Paket mit 50 MByte Datenvolumen und einem Auslandstarif, in dem 19 Cent die Minute plus 75 Cent pro Gespräch berechnet werden.

Für Kunden, die von diesen Optionen keinen Gebrauch machen wollen, bietet O2 einen EU-Standardtarif namens Roaming Basic an. Hier kosten abgehende Gespräche 20 Cent pro Minute, eingehende für Vertragskunden 1,35 Cent und 1 Cent für Prepaidkunden. Eine SMS im Ausland wird mit 7 Cent berechnet und ein Megabyte mit 23 Cent. Das lässt sich mit einem reinen EU-Datenpaket mit 50 MByte für 2 Euro kombinieren. Leider kann man das nicht buchen, um das verbrauchte Inklusivvolumen der EU Roaming Flat aufzustocken.

Auch die Telekom packt das EU-Roaming mit in ihre neuen MagentaMobil-Laufzeittarife. Zusammen mit etwas mehr Datenvolumen ergibt das bei den Bonnern auch eine hübsche Preiserhöhung um 5 Euro. Das sind genau die 5 Euro, die die “All inclusive”-Option pro Monat kostet, mit der Vertragskunden bisher ihren Tarif im EU-Ausland einfach weiternutzen können. Die Option steht Altvertragskunden weiter zur Verfügung.

Die Telekom setzt bei ihrem Inklusivangebot ein Limit von 1000 Minuten bzw. 1000 SMS im Monat. Bei einem vierwöchigen Auslandsaufenthalt ist das etwas mehr als eine halbe Stunde Telefonieren pro Tag. Alles darüber hinaus gilt für die Telekom als “missbräuchliche Nutzung” und ist im Wiederholungsfall mit außerordentlicher Kündigung bedroht. Eine Möglichkeit, weitere Minuten hinzuzubuchen, gibt es nicht. “Es wird keine zusätzlichen Minuten/SMS-Pakete geben”, erklärt ein Telekom-Sprecher. “Aber wir werden die Kunden bei Erreichen der Grenze auch nicht von der Kommunikation ausschließen.”

Bei Verbrauch des im Tarif inkludierten Internetvolumen drosselt die Telekom wie zu Hause auf 64 kbit/s im Download und 16 kbit/s im Upload. Mit dem SpeedOn-S-Paket für 5 Euro kann man weitere 250 MByte hinzubuchen. Darüber hinaus bietet die Telekom – zunächst befristet bis Ende Juli 2016 – zwei neue SpeedOn-Pakete an: SpeedOn M mit 500 MByte für 8 Euro und SpeedOn L mit 1 GByte für 13 Euro.

Wer mit einem älteren Telekom-Tarif mit Flatrate oder Minutenpaketen im EU-Ausland unterwegs ist, zahlt bei der Telekom nur die von der EU vorgegebenen Aufschläge. Kunden können bei einer Vertragsverlängerung aber auch in die neuen Inklusivtarife wechseln.

Vodafone-Kunden mit den neuen Tarifen können ihr Handy im Ausland zu den gleichen Konditionen wie zu Hause nutzen, das gilt auch für die LTE-Bandbreite – sofern das ausländische Netz das hergibt – und Surfvolumen. Bei Vodafone gilt das in allen neuen “Red”-Tarifen sowie “Smart L” und zwei Prepaid-Tarifen: CallYa Smartphone Special und CallYa Smartphone Allnet Flat.

Bei seinen Flatrate-Kunden deckelt der Anbieter die tägliche Nutzung im Ausland bei 500 Minuten bzw. 500 SMS pro Tag. Alles darüber hinaus kosten dann 20 Cent pro Einheit. Wenn das Datenvolumen verbraucht ist, drosselt Vodafone auch im Ausland auf 32 kbit/s. Kunden können dann wie zu Hause mit SpeedGo zusätzliches Volumen hinzubuchen – je nach Tarif 100 MByte für 2 Euro oder 250 MByte für 3 Euro.

Bestandskunden in älteren oder anderen Tarifen können bei Vertragsverlängerung in die neuen Tarife wechseln. Oder sie buchen die Easy Travel Flat für 5 Euro monatlich, die ähnliche Konditionen bietet. Sie unterscheidet sich aber im Geltungsbereich: Während die neuen Inklusivtarife nur in den 28 EU-Staaten und Norwegen, Liechtenstein und Island gelten, kann man die Easy Travel Flat darüber hinaus auch in der Schweiz, der Türkei und einigen weitern Ländern nutzen.

Ein Vodafone-Kunde, der sich für keine der Vertragsoptionen entscheiden will, ist im EU-Ausland dann unter den von der EU-Kommission vorgegebenen Konditionen unterwegs. Kunden mit Flatrate oder Minutenpaketen zahlen bei Vodafone dann lediglich den Aufschlag laut EU-Verordnung.

Telefónica-O2 Deutsche Telekom Vodafone
Tarife inklusive EU-Roaming
O2 Blue All-in 1. Jahr 2. Jahr Ø MagentaMobil 1. Jahr 2. Jahr Ø Red, Smart, CallYa
S* 19,99€ 19,99€ 19,99€ S 31,45€ 34,95€ 33,20€ Smart L 34,99€
M* 24,99€ 29,99€ 27,49€ M
40,45€ 44,95€ 42,70€ Red 1.5 34,99€
L 34,99€ 39,99€ 37,49€ L 49,46€ 54,95€ 52,21€ Red 3 54,99€
XL 44,99€ 49,99€ 47,49€ L Plus 71,95€ 79,95€ 75,95€ Red 8 74,99€
Premium 74,99€ 79,99€ 77,79€ L Premium 76,46€ 84,95€ 80,71€ Red 20 99,99€
*Aktion ab 2. Mai 2016 L Plus Prem. 98,95€ 109,95€ 104,45€ CallYa Special 9,99€
Compl. Prem. 149,95€ 149,95€ 149,95€ CallYa Allnet Flat 25,00€
Roaming-Option für andere Tarife
Laufzeit monatl. Laufzeit
monatl. Laufzeit monatl.
EU Roaming Flat 24 Mon. 4,95€ All Inclusive 12 Mon. 5,00€ EasyTravel Flat 12 Mon. 4,99€
Min./SMS Flat. Daten 1GB. SMS 7 Cent. 1 Mon. 19,95€ 500 Min./SMS/Tag. Daten nach Tarif.
1000 Min./SMS/Monat. Daten nach Tarif.
Einzeln buchbare Auslandspakete für EU-Länder
EU Day Pack 25 Min/SMS/50 MB/Tag 2,99€ Travel&Surf DayPassM 50 MB 1 Tag 2,95€ EasyTravel Day 2,99€
Roaming Day Pack 19ct/Min+75ct/Gespr. 50 MB
1,99€ Travel&Surf WeekPass 150 MB 7 Tage 14,95€ EasyTravel Week 14,99€
Roaming DataPack 50 MB
1,99€ Easy Travel Month 39,99€
500 Min./SMS/Tag. Daten nach Tarif.
Reisepaket Plus 50
Min/SMS/MB pro Tag
2,99€
Reisepaket Data 100 MB 5,99€
Geltungsbereiche
EU-Länder: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich (England, Nordirland, Schottland, Wales), Zypern
Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz* Island, Liechtenstein, Norwegen Island, Liechtenstein, Norwegen
Andorra*, Französisch-Guyana, Gibraltar, Guadeloupe, Guernsey, Isle of Man*, Jersey, La Réunion, Martinique, Monaco, San Marino, Vatikanstadt

Französisch-Guyana, Gibraltar, Guadeloupe, Guernsey, Isle of Man, Jersey, La Réunion, Martinique, Mayotte, Monaco, Saint Barthélemy, Saint Martin (frz.), San Marino, Vatikanstadt Französisch Guayana*, Gibraltar*, Guadeloupe*, Martinique*, Schweiz*, Türkei*
* nur Inklusivtarife und EU Roaming Flat *nur Easy Travel Flat und Reisepakete
Alle Daten: Anbieter. Stand: 27. April 2016. Keine Gewähr.

(vbr)

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