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Robo-philosophy: Warum bauen wir Roboter?

Eine Frage, die am Vortag unbeantwortet stehen blieb, wurde auf der Konferenz Robo-philosophy am nächsten Tag im Publikum angeregt diskutiert.

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Robo-philosophy: Warum bauen wir Roboter?

(Bild: heise online / Hans-Arthur Marsiske)

Weil ein Vortrag ausfiel, wurde auf der Konferenz Robo-philosophy in Wien die am Vortag von Johanna Seibt (Universität Aarhus) aufgeworfene Frage nach dem Warum aufgegriffen: Warum bauen wir Roboter? Das Publikum trug innerhalb einer Stunde viele Antworten zusammen, die von Seibt live protokolliert und auf die Leinwand projiziert wurden. Die Diskussionsbeiträge in wenigen Worten zusammenzufassen sei "natürlich hoch manipulativ", räumte sie hinterher ein. Gleichwohl half es der Diskussion, die Fülle an Ideen in Schriftform sehen zu können. Es protestierte auch niemand, missverstanden worden zu sein.

Anfangs wurden zunächst praktische Gründe wie Erhöhung der Produktivität oder die Übernahme von langweiligen, schmutzigen und gefährlichen Aufgaben (dull, dirty, dangerous) genannt und die Robotik in die Tradition der Automatisierung seit den automatischen Webstühlen gestellt. Menschen sollen ersetzt, die Arbeit stärker kontrolliert werden. Auch die Frage, wer genau mit "wir" gemeint sei, wurde gestellt.

Die Debatte verfing sich aber nicht in solchen Teilfragen, sondern bewegte sich rasch zu grundsätzlicheren Themen. So wurde der Wunsch nach Selbsterkenntnis als treibende Kraft vermutet: Menschen versuchen, sich selbst in Gestalt von Robotern zu reproduzieren, um sich besser zu verstehen. Womöglich nicht nur sich selbst, ergänzte jemand anders: Es gehe auch um generelle Fragen der Existenz, des Selbst und des Anderen. Auch die Hoffnung, Utopien zu verwirklichen, wurde ins Spiel gebracht.

Oder ist es der Wunsch nach Unsterblichkeit, der Menschen so unermüdlich an Robotern arbeiten lässt? Die Angst vor dem Tod? Auch dies sind alte Motive, wie Seibt mit einem Zitat von Sophokles unterstrich: "Vieles Gewaltige lebt, doch nichts ist gewaltiger als der Mensch." Aber möglicherweise will der Mensch auch sich selbst überwinden, vielleicht ist es ein Bedürfnis nach Transzendenz, das in der Roboterentwicklung zur Geltung kommt. Über neue Formen der Interaktion könnten zudem höhere Formen der Moral erreicht werden.

Es mögen aber auch sehr viel profanere Triebkräfte am Werk sein. Geld, Macht, Sex, lautete ein Vorschlag. Soziale Roboter dienten vielleicht in erster Linie dem Vergnügen, meinte ein anderer. Vielleicht auch der menschlichen Eitelkeit: Könnte es sein, dass die Menschen einfach nur sehen wollen, wie weit sie gehen können? Oder spielen Roboter die Rolle des Sündenbocks? Brauchen wir jemanden, dem wir die Schuld geben können?

Die inspirierende Diskussion wurde in der anschließenden Kaffeepause in kleineren Runden fortgesetzt. Inwieweit sie die tatsächliche Entwicklung der Robotik beeinflussen kann, wird sich zeigen. Als Anspruch wurde das in der Debatte jedenfalls ausdrücklich formuliert: Die Philosophie müsse die Entwicklung der Technik proaktiv begleiten, statt nachträglich auf geschaffene Tatsachen zu reagieren. Dass sie dazu grundsätzlich in der Lage ist, hat sie mit diesem spontan organisierten, anregenden Gedankenaustausch eindrücklich demonstriert. (anw)

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