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RoboCup: Essen nicht vergessen

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"Denkt bitte daran, zum Mittagessen zu gehen!" Besser als mit dieser Lautsprecherdurchsage lässt sich die Stimmung im Pavillon 32 kaum charakterisieren. 400 Schülerinnen und Schüler sind hier so intensiv mit ihren Robotern beschäftigt, dass sie darüber leicht ihre leiblichen Bedürfnisse vergessen können. In drei Juniorwettbewerben des RoboCup treten sie an, um zu zeigen, wie gut sie Roboter konstruieren und programmieren können: Tanz, Fußball und Rettungsszenarien.

Die Nachwuchsförderung ist neben der Intensivierung der Industriekontakte der große Schwerpunkt der deutschen RoboCup-Aktivitäten. Mehr und mehr erweist sich die Robotik als ein sehr gut geeignetes Instrument, um Kinder und Jugendliche für Technik und Naturwissenschaft zu interessieren. Aus 220 Teams wurden in zwei Qualifikationsturnieren in Vöhringen und Magdeburg 100 Teams ausgewählt, die jetzt bei den German Open um Titelehren kämpfen – und um die Reise zur RoboCup-Weltmeisterschaft in Atlanta Anfang Juli. Die besten 19 Teams können an der WM teilnehmen.

Die Leistungen der Juniorteams sind immer wieder beeindruckend. So haben die MagdeBOTS, ein Team vom Magdeburger Siemens-Gymnasium, ihre beiden Fußballroboter komplett mit Einzelteilen selbst entwickelt, die sie sich im Baumarkt oder Elektronikhandel beschafft haben. Die Roboter bewegen sich schnell, präzise und würden auch auf dem Spielfeld der Small Size League bei den erwachsenen RoboCup-Teilnehmern eine gute Figur machen. Der Dribbelmechanismus, der über eine rotierende Walze den Ball in eine Drehbewegung zum Roboter hin versetzt, ist offensichtlich von der Small Size League inspiriert, ebenso die rasche Drehung um die eigene Achse. Allerdings wären die MagdeBOTS für eine Teilnahme in der Small Size League ein paar Zentimeter zu groß.

Ohnehin gelten für die Juniorwettbewerbe vereinfachte Bedingungen. Beim Fußball wird ein Ball verwendet, der Infrarotsignale ausstrahlt und mit entsprechenden Sensoren identifiziert werden kann. Der Untergrund des Spielfeldes ist in unterschiedlichen Grautönen bedruckt, die die Selbstlokalisierung der Roboter erleichtern. Senkrechte Wände verhindern zudem, dass der Ball ins Aus rollen kann.

Bei den Rettungsszenarien sind Roboter gefordert, die einer schwarzen Linie folgen können. Dabei dürfen sie sich weder von Unterbrechungen der Linie noch von darauf platzierten Hindernissen irritieren lassen. Auch Steigungen gilt es zu bewältigen. Graue und grüne Strichmännchen markieren menschliche Opfer, auf die der Roboter mit einem akustischen Zeichen hinweisen soll, wenn er sie berührt.

Am attraktivsten für die Zuschauer ist der Tanzwettbewerb, bei dem die Teilnehmer aufgefordert sind, Choreografien für Roboter zu entwickeln und zu präsentieren. Dabei dürfen die Schülerinnen und Schüler selbst mit auf der Bühne agieren, was von den meisten auch genutzt wird. Aus technologischer Sicht ist dies der einfachste Wettbewerb, da die Roboter keine Sensorinformationen verarbeiten müssen. Dafür eröffnet er einen Freiraum für Kreativität, der von den Kindern und Jugendlichen mit immer wieder verblüffenden Ideen gefüllt wird. Da tummeln sich Raupen, Schmetterlinge, Wölfe, aber auch außerirdische Monster und Gespenster auf der Bühne und versuchen, die Gunst der Jury für sich zu gewinnen.

Gut möglich, dass da schon der zukünftige Teamchef des Roboterteams, das im Jahr 2050 das WM-Finale bestreiten soll, den ersten öffentlichen Auftritt hat. Er oder sie sollte bloß nicht vergessen, etwas zu essen.

Zur RoboCup German Open 2007 siehe auch:

(Hans-Arthur Marsiske) / (pmz)

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