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RoboCup: Fußball und andere Probleme

RoboCup

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

Einige Roboter bewegen sich immer noch etwas schwerfällig, aber sie können trotzdem Fußball spielen. Bei der Picking Challenge sind die Vakuumgreifer beliebt. Manche Roboter müssen die Objekte erst umstoßen, um sie hochnehmen zu können.

Bei der 20. RoboCup-Weltmeisterschaft [1] in Leipzig hat die Zahl der Besucher heute spürbar zugenommen. Und alle stehen vor der Herausforderung, sich für ein Spielfeld und einen von den vielen Wettbewerben zu entscheiden, die hier parallel ausgetragen werden. Immer wieder vermittelt einem plötzlich aufbrandendes Gejohle aus der anderen Ecke der Halle das Gefühl, mal wieder zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.

Die Chance auf spektakuläre Szenen ist auf jeden Fall am höchsten bei den Fußballwettbewerben der Standard Platform League und der Middle Size League. In der Humanoid League bewegen sich die Roboter auf dem neu eingeführten Kunstrasen immer noch schwerfällig, aber auch die Begegnungen auf diesen Feldern können sich dramatisch entwickeln und die Emotionen anheizen.

Die schnellsten Spielzüge mit realen Robotern sieht man in der Small Size League. Hier soll es heute Abend ein Testspiel mit elf gegen elf Spielern auf einem doppelt so großen Spielfeld geben – leider erst nach 18 Uhr, wenn das allgemeine Publikum keinen Zugang mehr hat.

Quelle: Hans-Arthur Marsiske

Für Zuschauer schwerer zu erfassen, sind die anwendungsorientierten Ligen. Hier sind die Abläufe in den Arenen in der Regel nicht so selbsterklärend wie beim Fußball. In der Logistics League etwa sieht man zunächst einmal nur einige Roboter hin- und herfahren und farbige Lämpchen leuchten. Wir haben uns den Wettbewerb im Videointerview einmal erklären lassen – und sind dabei selber an technische Grenzen gestoßen.

Auf viel Interesse stößt die Amazon Picking Challenge, die kein eigener RoboCup-Wettbewerb ist, dafür aber mit massiven Roboterarmen und nachvollziehbaren Aufgaben aufwarten kann: Nachdem es gestern darum ging, verschiedene Gegenstände aus einer Kiste ins Regal zu befördern, war heute die umgekehrte Richtung gefragt. Hier scheint sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Teams NimbRo (Universität Bonn) und der niederländischen Delft University abzuzeichnen.

Die Teams hatten vorab 40 Objekte bekommen, die typischerweise gegriffen werden müssen, und konnten damit trainieren. Die meisten Teams haben sich dazu entschlossen, Vakuumgreifer zu verwenden, also Saugnäpfe, bei denen ein Staubsaugermotor die Haftkraft verstärkt. Damit ließen sich alle Gegenstände greifen, erklärt Sven Behnke vom Team NimbRo. Allerdings müsse der Roboter jedes Objekt speziell ansteuern. Eine Plastikflasche zum Beispiel müsse zunächst umgeworfen werden, um sie dann an der Seite zu greifen.

Das japanische Team C2M verwendet an seinem Roboter einen Hybridgreifer, wie Manabu Hashimoto erläutert: Er besteht aus zwei Fingern und einem Vakuumgreifer, der an einem der Finger befestigt ist. Welcher Griff für welches Objekt geeignet ist, wurde vom Roboter nicht gelernt, sondern jeweils gezielt programmiert. Ein Ansatz, mit dem das Team nach der gestrigen Runde ziemlich weit abgeschlagen auf einem der hinteren Plätze gelandet ist. Wie bei den eigentlichen RoboCup-Wettbewerben dürfte sich auch hier das maschinelle Lernen als der zukuftsweisendere Weg erweisen.

Die Rescue Robot League ist aus Prinzip unübersichtlich – schließlich geht es darum, Roboter in Katastophengebiete zu schicken, die naturgemäß schwer zu überschauen sind. Wir haben mit der Videokamera einen kurzen Blick in den Wettbewerb geworfen.

Quelle: Hans-Arthur Marsiske

(Hans-Arthur Marsiske) / (kbe [4])


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