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RoboCup German Open: Neue Arbeitsmoral, Kunstrasen und andere Herausforderungen

In Magdeburg treffen sich zum 16. Mal Teams von Schulen und Hochschulen, um ihre Roboter in verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten zu lassen.

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RoboCup German Open: Neue Arbeitsmoral, Kunstrasen und andere Herausforderungen

(Bild: heise online / Hans-Artur Marsiske)

In Magdeburg sind am Freitag die diesjährigen RoboCup German Open eröffnet worden. Zum 16. Mal treffen sich bei diesem seit 2001 ausgetragenen Turnier Teams von Schulen (RoboCup Junior) und Hochschulen (RoboCup Major), um die von ihnen entwickelten und programmierten Roboter in verschiedenen Disziplinen gegeneinander antreten zu lassen.

Für die Major-Teams ist der Wettbewerb ein wichtiger Test auf dem Weg zur RoboCup-Weltmeisterschaft, die am 18. Juni in Montréal beginnt, für die sie sich aber separat qualifizieren mussten. Für die Junior-Teams dagegen entscheidet sich bei den German Open, wer zur Weltmeisterschaft in Kanada antreten darf.

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Auch für die Teilnahme an den German Open selbst mussten sich die Schülerinnen und Schüler bereits vorab in regionalen Qualifikationsturnieren bewähren. Die Zahl dieser Vorausscheidungen ist von ursprünglich vier auf mittlerweile sieben gestiegen, woran sich zeigt, dass sich die Idee des RoboCup Junior von einigen lokalen Schwerpunkten mehr und mehr in der Fläche ausgebreitet hat.

Auf der Suche nach Mitarbeitern

Ergänzt werden die Wettbewerbe durch ein Rahmenprogramm mit Workshops und Einführungskursen zu Robotik, Programmieren, verschlüsselter Kommunikation oder auch 3D-Druck. An Ausstellungsständen präsentieren sich zudem Hochschulen und Firmen, um Studenten und Mitarbeiter für sich zu gewinnen.

RoboCup German Open 2018 (10 Bilder)

Rescue… (Bild: heise online / Hans-Artur Marsiske)

Wie gut das funktionieren kann, zeigt sich zum Beispiel am Stand der Firma Magazino: Johannes Rothe, der dort erläutert, wie die von ihm mit entwickelten Roboter in großen Lagerhallen gezielt Objekte aus den Regalen holen und zum jeweiligen Bestimmungsort bringen, hat vorher mit dem Team Carologistics mit vier WM-Titeln hintereinander sehr erfolgreich am Wettbewerb der RoboCup Logistics League teilgenommen. Die beim RoboCup gesammelten Erfahrungen seien für seine jetzige berufliche Tätigkeit sehr wertvoll gewesen, sagt Rothe. Die Logistics League dürfte damit die Disziplin des RoboCup sein, die sich am nächsten an realen Anwendungen bewegt.

Drastischer Wandel

Es geht aber nicht nur darum, talentierte Mitarbeiter zu gewinnen, sondern mehr und mehr auch darum, den Kontakt zu den sich drastisch verändernden Einstellungen zur Arbeit nicht zu verlieren. Ein Unternehmensvertreter erzählte während eines Rundgangs durch die Hallen des Magdeburger Messegeländes von dem sich gerade vollziehenden Wertewandel: "Mit einem Dienstwagen kann man die Leute nicht mehr locken. Die möchten mehr Urlaub, aber auch die Möglichkeit haben, mal 36 Stunden durchzuarbeiten, wenn ihnen danach ist. Dafür ist es dann zum Beispiel wichtig, ob es in der Firma eine Möglichkeit zum Duschen gibt." Um diesen kulturellen Umbruch zu verstehen und sich darauf einstellen zu können, sei der RoboCup extrem wichtig.

Der Fußball, mit dem der RoboCup im Jahr 1997 mal begonnen hat, ist dagegen diesmal bei den German Open an den Rand gerückt. Das hat allerdings nicht unbedingt mit geringerer Bedeutung und gewiss nicht mit nachlassendem Zuschauerinteresse zu tun, sondern soll es den Spielern schwerer machen: Denn das Spielfeld der Standard Platform League liegt dadurch näher an der Fensterfront und ist stärker dem sich stetig verändernden Tageslicht ausgesetzt.

Herausforderung Kunstrasen

Allerdings scheinen die Roboter damit besser zurechtzukommen als mit dem vor zwei Jahren eingeführten Kunstrasen. Das Laufen auf den acht Millimeter langen Halmen sei noch immer die zentrale Herausforderung, sagen Teammitglieder. Zu kräftigen Schüssen kommt es selten, weil zum einen der Stand dafür zu instabil ist und zum anderen die Torhüter mittlerweile so gut reagieren, dass sie mit Fernschüssen ohnehin kaum zu überwinden sind. Die meisten verlegen sich daher aufs Dribbeln. Außerdem hat die Modellierung des Gegners an Bedeutung gewonnen, um Kollisionen und damit Stürze zu vermeiden, Lücken in der Verteidigung zu erkennen und Zeitvorteile zu gewinnen.

In den ersten Spielen wurden die Teams B-Human und HTWK Leipzig ihren Favoritenrollen gerecht. Ob es bis zu den Finalspielen am Sonntag dabei bleibt oder andere Teams durch Optimierung des Laufverhaltens oder andere Tricks den Favoriten doch noch gefährlich werden können, lässt sich auch im Live-Stream (siehe unten) der Nao Devils – die man ebenfalls weiterhin auf dem Zettel haben sollte – verfolgen.

(anw)

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