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RoboCup German Open: Roboterfußball, Softwareprobleme und durchgebrannte Motoren

Auch Roboter können Konditionsprobleme bekommen. Das zeigte sich am Sonntag beim Roboterfußball der RoboCup German Open. Aber auch andere Roboter hatten Probleme.

RoboCup German Open: Roboterfußball, Softwareprobleme und durchgebrannte Motoren

(Bild: Hans-Arthur Marsiske)

"Das war jetzt eigentlich anders geplant." Dieser Satz ist so oder ähnlich immer wieder zu hören während Roboterwettbewerben wie den RoboCup German Open, die am Sonntag in Magdeburg zuende gegangen sind. Oft sind es Softwareprobleme, die den Roboter an einer Aufgabe scheitern lassen. Manchmal klappt die Kommunikation nicht, wie in der Finalrunde der RoboCup@home League, als die beiden Roboter des niederländischen Teams Tech United aneinander vorbei fuhren, anstatt Informationen auszutauschen. "Weil der Messengerdienst Telegram nicht mehr funktionierte, mussten wir kurzfristig auf ein anderes Kommunikationsprotokoll umstellen", erklärte ein Teammitglied. "Es war eine Situation, die wir vorher nie getestet hatten. Wir wussten nicht, was passieren würde." Tech United schaffte es trotzdem auf den zweiten Platz. Besser war nur noch das Team Homer von der Universität Koblenz.

Immer wieder ist es aber auch die Ermüdung der Hardware, die zu unerwünschten Resultaten führt. Dieses Thema beschäftigt derzeit besonders die RoboCup@work League, in der die Teams bislang den von Kuka hergestellten Roboter Youbot nutzen. Da Kuka die Produktion dieses Roboters eingestellt hat, wachsen die Probleme mit durchgebrannten Motoren und anderen fehlerhaften Komponenten.

Das einst so erfolgreiche Team LUHbots aus Hannover konnte aus diesem Grund diesmal nur eine geringe Punktzahl erzielen. Das niederländische Team Fontys@work hatte sogar innerhalb von drei Wochen einen eigenen Roboter bauen müssen, mit dem sie im Wettbewerb ebenfalls nicht bestehen konnten. Es ist absehbar, dass dieses Problem früher oder später alle Teams betreffen wird. Daher wartet die Liga gespannt auf eine endgültige Stellungnahme von Kuka, wo offenbar noch intern diskutiert wird, vielleicht doch ein Nachfolgermodell des Youbot anzubieten.

Eine solche Forschungsplattform lässt sich zwar selbst nicht profitabel vermarkten, ermöglicht dem Anbieter aber einen lebendigen Kontakt zur und Austausch mit der akademischen Forschung und insbesondere dem Bereich der Open-Source-Entwicklung. Damit tun sich gerade große Firmen immer noch schwer, obwohl absehbar ist, dass sie auf Dauer mit ihren eigenen geschlossenen Betriebssystemen kaum gegen Open Source werden bestehen können. Bis zur RoboCup-WM in Montréal im Juni dürften die Youbots wohl noch halten. Danach, so war zu hören, werden sich die Teams nach neuen Lösungen umsehen müssen.

Manchmal läuft es natürlich auch besser als erwartet. So konnten die Dortmunder Nao Devils, die in der Standard Platform League am Freitag noch etwas unbeholfen übers Fußballfeld gestolpert waren, den Bug im Laufverhalten finden und beheben. Danach waren sie wie verwandelt und erkämpften sich mit einem 1:0-Sieg über den amtierenden Weltmeister B-Human den Einzug ins Finale. "Wir sind das dritte Team überhaupt, das jemals B-Human geschlagen hat", sagte Teammitglied Jan Hendrik Berlin.

Im Finale gegen das Nao-Team HTWK aus Leipzig gingen die Dortmunder Nao Devils dann auch zunächst mit 1:0 in Führung. Die Roboter liefen stabil und schneller als die gegnerischen Spieler. Die Leipziger jedoch zeigten einen klareren Drang zum Tor, ließen nicht locker und schoben den Ball in der ersten Halbzeit dreimal am Torwart der Nao Devils vorbei, die sich in der Verteidigung zu unentschlossen zeigten.

Gegen Ende der zweiten Halbzeit machten sich dann bei beiden Teams Konditionsschwächen bemerkbar, zuerst jedoch bei den Dortmundern, die sich aufgrund überhitzter Motoren immer schlechter auf den Beinen halten konnten. Mit 2:5 mussten sie sich schließlich den Leipzigern geschlagen geben.

Fußball erwies sich wieder als Publikumsmagnet bei den RoboCup German Open. Zugleich ließ sich aber ein weiterer Rückgang der Beteiligung verzeichnen. Die Standard Platform League, in der mit Nao-Robotern gespielt wird, war diesmal die einzige Liga, in der Fußball gespielt wurde. Für die Humanoid League oder die 3D-Simulation League meldete sich nicht die erforderliche Mindestanzahl von vier Teams. In der Standard Platform League spielten zudem mit sieben Teams so wenig wie nie zuvor.

Wenn sich dieser Trend fortsetzt, könnte der RoboCup mit dem Fußball nicht nur massiv an Zuschauerattraktivität einbüßen, sondern auch sein Markenzeichen und Alleinstellungsmerkmal verlieren. Schließlich ist mit dem Fußball auch das Ziel des RoboCup verbunden, bis zum Jahr 2050 mit humanoiden Robotern den menschlichen Fußballweltmeister zu schlagen. (Hans-Arthur Marsiske) / (olb)

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